merken
PLUS Meißen

Drastisch weniger Strafverfahren in Meißen

Am Amtsgericht waren 2020 insgesamt 280 Verfahren angesetzt, 159 weniger als ein Jahr zuvor. Geht die Kriminalität im Landkreis also zurück?

Das Amtsgericht Meißen wurde im vergangenen Jahr deutlich weniger als sonst aufgesucht. Die Zahl der Strafsachen ging drastisch zurück.
Das Amtsgericht Meißen wurde im vergangenen Jahr deutlich weniger als sonst aufgesucht. Die Zahl der Strafsachen ging drastisch zurück. © Claudia Hübschmann

Meißen. So wenige Verfahren wie im vergangenen Jahr gab es wohl am Amtsgericht Meißen noch nie. Insgesamt 280 Strafverfahren waren angesetzt, darunter nur neun Schöffensachen und 163 Einzelrichtersachen. Zum Vergleich: 2019 betrug die Gesamtzahl noch 439.

Die "Hitliste" wird von Körperverletzung mit 39 Fällen angeführt, dicht gefolgt von Betrug (38) und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort (36). 19 Mal ging es um Fahren ohne Fahrerlaubnis, 15 Angeklagte saßen wegen Erschleichens von Leistungen vor Gericht, 14 Mal wurde wegen Trunkenheit im Verkehr verhandelt.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Oppacher füllt Heimat in Flaschen ab und überzeugt seine Kunden mit regionalem Mineralwasser in ausgezeichneter Qualität.

Nicht enthalten in der Statistik sind Strafbefehle, gegen die kein Einspruch eingelegt wurde und die damit rechtskräftig wurden, sowie Ordnungswidrigkeitsverfahren.

Michael Falk ist seit dem 15. März 2000 Direktor des Amtsgerichtes Meißen. Der 59-Jährige hat umfangreiche Coronaschutzmaßnahmen im Gericht durchgesetzt.
Michael Falk ist seit dem 15. März 2000 Direktor des Amtsgerichtes Meißen. Der 59-Jährige hat umfangreiche Coronaschutzmaßnahmen im Gericht durchgesetzt. © Claudia Hübschmann

Strafbefehl statt Hauptverhandlung

Ist der Rückgang an Strafverhandlungen nun ein Indiz für weniger Kriminalität? Ja und nein. Nein vor allem deshalb, weil die stark gesunkene Zahl der Verhandlungen vor allem einen Grund hat: Corona. So wurden ab Ende März die Strafverhandlungen drastisch heruntergefahren, einige Wochen lang fanden sogar überhaupt keine statt.

Um Hauptverhandlungen zu vermeiden, wurde verstärkt dazu übergegangen, bei kleineren Vergehen Strafbefehle auszustellen. Das sind schriftliche Urteile ohne Verhandlung. Akzeptieren die Verurteilten den Strafbefehl, wird er rechtskräftig, es gibt dann keine Verhandlung mehr. Bei einem Einspruch muss allerdings doch verhandelt werden. Später wurden dann in erster Linie dringende Sachen verhandelt, bei denen Verjährung drohte oder es um den Entzug der Fahrerlaubnis ging.

Es wurden allerdings auch Verhandlungen vorsorglich aus hygienischen Gründen abgesagt, wenn es sich bei Angeklagten oder Zeugen teilweise um eine Klientel gehandelt habe, bei der nicht sicher sei, ob alle Hygienevorschriften stets eingehalten würden.

Richterstelle lange unbesetzt

Ein weiterer Grund für weniger Strafverhandlungen war, dass ein Richter vom Amtsgericht Meißen an das Landgericht Dresden wechselte. Es dauerte einige Wochen, bis die Stelle wieder besetzt war. Auch wenn 2020 aus den vorgenannten Gründen ein Ausnahmejahr war, gibt es doch einen langfristigen Trend. Denn seit Jahren nimmt die Zahl der angesetzten Strafverfahren am Amtsgericht Meißen ab. So waren es 2014 noch 575, 2015 sogar 588 und 2016 insgesamt 539.

Dies könnte nach Expertenmeinungen auch in diesem Jahr anhalten. Der Grund ist auch hier Corona. So soll es beispielsweise weniger Einbrüche und Ladendiebstähle geben, weil die Hausbesitzer im Homeoffice und damit den ganzen Tage zu Hause und Geschäfte und Gaststätten geschlossen sind.

Ungebrochen ist allerdings auch ein anderer Trend. Nämlich der, dass sich Kriminalität immer mehr ins Internet verlegt.

Das Amtsgericht Meißen ist zuständig für den Altkreis Meißen, also die Städte Meißen, Coswig, Radebeul, Nossen und Lommatzsch und die dazwischenliegenden Gemeinden. In Strafsachen ist das Amtsgericht für alle Straftaten Erwachsener zuständig, bei denen keine höhere Strafe als eine Freiheitsstrafe bis zu vier Jahren zu erwarten ist. Die Strafgewalt des Jugendschöffengerichts reicht theoretisch bis zur Verhängung der Höchstjugendfreiheitsstrafe von zehn Jahren. Praktisch wird schwerwiegende Kriminalität aber vor dem Landgericht angeklagt.

Mehr zum Thema Meißen