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Drogendealerin packt aus

Die Frau beschuldigt die beiden Angeklagten aus Meißen schwer. Doch die Zeugenvernehmung muss abgebrochen werden.

Mit Kokain wie diesem, das der Zoll sichergestellt hat, sollen die beiden Angeklagten gehandelt haben.
Mit Kokain wie diesem, das der Zoll sichergestellt hat, sollen die beiden Angeklagten gehandelt haben. © Symbolfoto: Christian Ccharisius/dpa

Dresden/Meißen. Zweiter Verhandlungstag der Großen Strafkammer am Landgericht Dresden im Verfahren gegen zwei mutmaßliche Drogendealer aus Meißen. Das 34 und 35 Jahre alte Paar aus Tunesien, das in Meißen wohnte, soll in mindestens 61 Fällen in großem Stil mit Drogen gehandelt haben. Das Rauschgift, vor allem Heroin, Kokain, aber auch Crystal, soll pro Fall einen Straßenverkaufswert von 800 bis 2.500 Euro gehabt haben.

Die Verteidiger hatten gegenüber dem Gericht angekündigt, dass sich ihre Mandanten zu den ihnen vorgeworfenen Taten äußern wollen. Allerdings erst, nachdem die „Kronzeugin“ vernommen wurde. Das ist die Frau, an welche sie die Drogen geliefert haben sollen und die sie weiterverkaufte. Am Mittwoch nun wurde die 40-jährige Dresdnerin in den Zeugenstand gerufen. Sie ist zur Aussage verpflichtet, weil sie bereits rechtskräftig verurteilt wurde. Allerdings nur für zwei Taten. Zu allen anderen muss sie nichts sagen, vor allem muss sie sich nicht selbst belasten.

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Mitgemacht, damit sie mehr Drogen bekommt

Bei ihrer Vernehmung belastet die Frau die beiden Angeklagten schwer, vor allem den Mann. Einmal habe ihr dieser Heroin und Kokain im Wert von 800 Euro in ihre Wohnung zum Weiterverkauf gebracht. In einem anderen Fall habe dessen mitangeklagte Frau Heroin für 500 Euro und Kokain für 100 Euro gebracht. Die Frau sei aber nur für ihren Mann eingesprungen, weil dieser krank gewesen sei. „Ich denke nicht, dass die Frau sonst etwas mit den Drogen zu tun hatte“, sagt die Zeugin.

Geld für ihre Geschäfte habe sie nicht bekommen, sondern den Gewinn an den Mann abliefern müssen. Sie sei mit Drogen „entlohnt“ worden. Alle drei - sie und die beiden Angeklagten - seien schwerst drogenabhängig gewesen. „Wir haben oft auch gemeinsam konsumiert. Ich hatte den Eindruck, dass ich mit dem Angeklagten magisch verbunden war. Er hat mir Geschäfte vorgeschlagen, und ich war nicht abgeneigt. Ich habe das gemacht, damit er mir mehr Drogen gibt“, so die 40-Jährige.

Ob er eine Pistole bei sich hatte, wie ihm in der Anklage vorgeworfen wird, daran kann sich die Zeugin nicht erinnern.

Rauschgift in der Wohnung versteckt

Der Angeklagte habe auch große Mengen von Drogen in ihrer Wohnung aufbewahrt. „Er hatte Angst vor der Polizei, hat das Rauschgift versteckt, unter der Couch, in einer Kaffeedose, im Vorratsschrank“, sagt sie. Nach ihrer Überzeugung habe der Angeklagte das Rauschgift aus den Niederlanden bezogen. Er habe immer mit einem Holländer telefoniert und seinen Bruder verlangt.

Der Angeklagte habe mehrere Kilogramm Heroin und Kokain in seiner Wohnung gehabt. Das habe er ihr gezeigt und in ihrem Beisein zerkleinert und verpackt. Jetzt greifen die Verteidiger ein : „Ich glaube nicht, dass die Zeugin sich der Tragweite dessen bewusst ist, was sie da sagt“, so Rechtsanwalt Ketzer. Denn mit ihren Aussagen belastet sie sich selbst. Er regt an, die Vernehmung abzubrechen und der Zeugin einen Beistand zuzuordnen.

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Das Gericht kommt dem Antrag nach. Es will jetzt auch den Vernehmungsbeamten, der Frau und den Richter, der das Verfahren gegen die Zeugin führte, befragen. Die Anwälte wollen auch noch andere, bisher nicht benannte Zeugen hören. So soll einer von ihnen bezeugen, dass die angeklagte Frau sich zu den Tatzeiten gar nicht in Deutschland befand, sondern sich in Frankreich aufhielt.

Die Verhandlung soll am 24. Februar fortgesetzt werden. Die beiden Angeklagten bleiben weiter in Untersuchungshaft. Der Mann sitzt seit dem 10. April vorigen Jahres im Gefängnis, die Frau wurde Anfang September inhaftiert.

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