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"Du bist eine Frau, du hast mir gar nichts zu sagen"

Ein Radebeuler hat Probleme mit Polizisten und mit dem Alkohol. Doch es gibt noch einen Grund für seine Ausraster.

© dpa

Meißen/Radebeul. Dass sich Angeklagte vor Gericht daneben benehmen, kommt vor. Doch einen solchen frechen, dreisten, respektlosen, unverschämten, ungehobelten Angeklagten wie den 24-jährigen Radebeuler gibt es selten. Besonders die Frauenfeindlichkeit des Deutschen, der südländisch aussieht und einen arabischen Nachnamen trägt, ist erschreckend. Deshalb sitzt er unter anderem vor Gericht.

Dass da am Richtertisch eine Frau sitzt, scheint ihm gar nicht zu passen. Er zeigt keinerlei Respekt, redet ständig hinein, unterbricht sie sogar. Am Ende der Verhandlung wird es zum Eklat kommen.

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Zigerettenrauch ins Gesicht geblasen

Doch nicht nur mit Frauen hat er Probleme, auch mit Polizisten. „Es gibt viele dumme Menschen, auch bei der Polizei“, sagt er. Als er in Radebeul von der Polizei kontrolliert wird, sich ausweisen soll, weil er des Raubes verdächtigt ist, bläst er einem Polizisten Zigarettenrauch mitten ins Gesicht, um seine Verachtung zu zeigen. Eine 48-jährige Polizistin, sie ist auch die ranghöchste Beamtin an diesem Tag, schaltet sich ein, will beruhigend und deeskalierend wirken.

Was bei anderen Menschen hilft, schlägt hier ins Gegenteil um. „Du bist eine Frau, du hast mir gar nichts zu sagen“, brüllt er die Beamtin an. Er sei von Anfang an aggressiv, arrogant und unkooperativ gewesen, sagt sie vor Gericht. Letztlich weist er sich doch aus, gibt den Polizisten seinen Ausweis mit den Worten „Den könnt ihr behalten“, und steigt in den Zug.

Im Streifenwagen randaliert

Ärger gibt es auch an einem Januartag am Großenhainer Schützenhaus. Jedenfalls soll dort am 5. Januar 2019 eine Neujahrsfeier stattgefunden haben. Mittendrin im Geschehen der 24-jährige Radebeuler. Der hatte wohl schon zuvor mächtig Alkohol in Dresden getankt, war dann mit seinem Freund nach Großenhain gefahren. Vor dem Schützenhaus soll er dann gegen 3.30 Uhr ein Feuerzeug auf einen langsam vorbeifahrenden Audi geworfen haben. Es entstand ein Schaden an der Motorhaube laut Anklage von 250 Euro. Ein Lackierer habe ein Kostenangebot von sogar 440 Euro gemacht, sagt der Geschädigte. Da sollte wohl gleich die gesamte Motorhaube neu lackiert werden.

Der Sicherheitsdienst hält den Mann fest, bis die Polizei eintrifft. Schon vorher hatte der Radebeuler vor dem Schützenhaus herumgegrölt, Passanten angepöbelt und belästigt. Im Streifenwagen tritt er gegen die Tür, schlägt mit dem Kopf gegen die Seitenscheibe, beißt sich auf die Zunge. Ärztliche Behandlung lehnt er ab.

Die Beamten hätten ihn tätlich angegriffen, jammert er vor Gericht, behauptet, die Polizisten hätten ihn geschlagen. „Ich blutete, in der Zelle war überall Blut an der Wand“, sagt er. Tatsächlich hatte er schon eine blutende Wunde am Arm und Blut auf dem Pullover, als die Polizei eintraf. „Wir mussten ihn ruhigstellen, damit er uns nicht den Streifenwagen zerlegt“, sagt ein Polizist.

Drogen vom Arbeitsamt?

Die Beamten hätten ihm auch Geld gestohlen, so der Radebeuler. Ihm fehlten 15 Euro. Doch bei einer Durchsuchung, so ist es auch protokolliert, finden die Beamten in seinen Taschen nur ein wenig Kleingeld. Warum er denn das Feuerzeug geworfen hatte, fragt ihn die Richterin. Wohl aus Wut, antwortet er. „Unter Alkohol hat man manchmal nicht nachvollziehbare Gedankengänge“, sagt er. Eine Blutalkoholkontrolle bei ihm ergibt 1,44 Promille.

Alkohol allein kann also nicht der Grund gewesen sein. Im Gerichtssaal redet der junge Mann wirres Zeug, beispielsweise, dass er künstliche Intelligenz nehme. Sein Opa, der mit im Saal sitzt, hält es nicht mehr aus. „Er ist schwer drogenabhängig. Seit langer Zeit bemühen wir uns um eine Therapie“, sagt er.

Das bringt den Angeklagten erst so richtig in Rage. „Was du da sagst, das ist mein Todesurteil“, schreit er. Er nehme gar keine Drogen. „Weil du kein Geld hast“, sagt der Großvater. Und wieder wird es skurril. Geld für Drogen brauche er gar nicht. Rauschgift gäbe es nämlich beim Arbeitsamt umsonst, so der Angeklagte.

Nächste Anklage droht

Der Radebeuler wird wegen Beleidigung und Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 1.050 Euro verurteilt. Sie fällt so gering aus, weil er Arbeitslosengeld II bezieht. Das sei „alles völlig daneben“, hatte der Angeklagte vor der Urteilsverkündung gesagt. Nach dem Urteil verliert er völlig die Beherrschung, beleidigt die Richterin auf übelste Art und Weise. Die Worte hier zu wiederholen, verbieten Anstand und Respekt. Der Staatsanwalt ließ sie jedoch ins Protokoll aufnehmen. Da droht dem Radebeuler wohl die nächste Anklage.

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