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Ein Leben für Meißen

Sie zählt zu den verdienten Persönlichkeiten des Landkreises: Michaela Mayer blickt auf eine bewegte Biografie zurück. Warum sie nun dafür geehrt wurde.

Michaela Mayer hat in der Porzellanstadt viel bewegt. Dafür hat sie jetzt eine Auszeichnung erhalten.
Michaela Mayer hat in der Porzellanstadt viel bewegt. Dafür hat sie jetzt eine Auszeichnung erhalten. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das Jahr 1990 war auch für sie ein Wendepunkt. "Mit dem Fall der Mauer war mein erstes Leben vorbei. Mein zweites Leben für Meißen begann. Und es erfüllt mich bis heute." Michaela Mayer spricht diese Sätze ruhig. Von ihrem Leben erzählt sie bescheiden. Obwohl viele sie wohl als energische Macherin bezeichnen würden. Kaum ein Fleck in der Domstadt, an dem sie nicht ihre Spuren hinterlassen hat. Für ihr umfassendes Engagement nahm die 57-Jährige nun eine besondere Auszeichnung entgegen: den Ehrenpreis 2020 des Landkreises Meißen.

Beruflich oder privat für Meißen da

Die gebürtige Bad Dürrenbergerin kam in den 1980er-Jahren in die Domstadt, um Maschinenbau zu studieren. Hier wollte sie sesshaft werden und ließ sich so hochschwanger in Meißen nieder. Anschluss fand sie schnell in der katholischen Kirchgemeinde und dem Chor des Meißner Doms. Ihm ist sie bis heute treu geblieben – als Sängerin und Vorsitzende des Vereins Freundeskreis Dom-Musik. Es ist nur eine ihrer Lebenslinien in der Stadt.

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Sowohl beruflich als auch privat setzt sie sich für Meißen ein. Anfang der 1990er-Jahre fehlte ihr als gläubige Christin und Mutter eines Sohnes ein christlicher Kindergarten. Deswegen regte sie mit anderen Eltern dessen Gründung in Bohnitzsch an. Heute spielen dort fast 70 Kinder im Wilhelmshof. Sie gründete außerdem den Louise-Otto-Peters-Verein, in Erinnerung an eine der bedeutendsten Frauen aus Meißen. Denn Louise Otto-Peters war Begründerin und bedeutende Repräsentantin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung im 19. Jahrhundert.

Etwa zur selben Zeit arbeitete sie als Gleichstellungs- und Bürgerbeauftragte beim damaligen Oberbürgermeister Gerhard Bartosch. "So ohne Verwaltungserfahrung war das für mich alles sehr spannend und aufregend und eine sehr prägende Zeit." Parallel bildete sie sich verwaltungsfachlich weiter. Das öffnete ihr die Tür zum Oberbürgermeister Thomas Pohlack, dessen Büro sie leitete.

Am Telefon sagt sie mit nachdenklichen Worten: Damals gab es einen größeren uneigennützigen Gemeinschaftssinn, denn alle wollten ein neues System aufbauen. "Heute geht es in der Politik mehr um Eitelkeiten, Profile, die geschärft werden müssen, und den richtigen Berater." Besonders eindrücklich war ihr dabei die Arbeit des ersten Bürgermeisters nach der Wende. Denn Gerhard Bartosch habe die Dinge motiviert umgesetzt, selbstlos, aufopferungsvoll, unermüdlich, sagt sie. "Da sind natürlich auch Fehler passiert, seine Partei stand später nicht mehr hinter ihm."

Sie hat Meißen bunter gemacht

Beim Aufbau der Verwaltungsstrukturen in Meißen halfen auch Bürger aus der baden-württembergischen Partnerstadt Fellbach. Gerade die Pflege der Städtepartnerschaften ist ihr deshalb ein wichtiges Anliegen. So regte sie die Gründung des entsprechenden Vereins in Meißen an und war eine Zeit dessen Vorsitzende. 1996 sind auf ihre Initiativen die Städtepartnerschaften mit Korfu, Griechenland, und Litomerice, Tschechien, entstanden. "In dieser Zeit wurden viele Freundschaften zwischen Meißnern, Griechen und Tschechen geschlossen."

Die Kontakte zu Menschen aus anderen Ländern seien wertvoll. Dadurch überwinde man Fremdheit und könne sich besser in andere Kulturen einfühlen. "Für junge Menschen ist das besonders wichtig, um schon früh Vorurteile zu überwinden." Denn Städtepartnerschaften können eine Möglichkeit sein, im Kleinen interkulturelle Bildung und Austausch zu erleben, meint Michaela Mayer.

Bei all ihren Tätigkeiten begleitete sie immer wieder die Musik. Sie hat bei drei Domkantoren mitgesungen. Denn sie ist immerhin schon 32 Jahre im Domchor aktiv. Deshalb war sie auch 2005 dabei, als sich der Freundeskreis Dom-Musik Meißen gründete, um die musikalische Arbeit der Chöre zu unterstützen. Seit 2015 ist sie Vorsitzende. In dieser Zeit organisierte sie Spenden, zum Beispiel für eine Truhenorgel. Das Instrument kommt für die Arbeit des Domchores und der Domkurrende, aber auch bei Oratorienkonzerten an den Spielorten der Dom-Musik in Meißen und bei Gastspielen zum Einsatz. Auch eine zweite Aufführung eines Oratoriums "Stella Maris" war mithilfe des Freundeskreises möglich, erzählt sie.

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Für ihren vielfältigen Einsatz für die Stadt erhielt sie deshalb den Ehrenpreis 2020: als verdiente Persönlichkeit des Landkreises Meißen. Kreisrätin Walfriede Hartmann (Grüne/SPD) lobte in ihrer Rede bei der Preisverleihung Michaela Mayers Lebenshaltung, gesellschaftliches Leben zu gestalten. Deswegen verwundert es nicht, dass sie nun erneut wieder regelmäßig im Rathaus sitzt, und zwar im Verwaltungsausschuss als frisch berufene sachkundige Bürgerin für die gemeinsame Fraktion Bürger für Meißen und SPD.

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