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Ein ausgezeichnetes Haus

Klimaneutrales Bauen und bezahlbares Wohnen – am Mücke-Ring ist diese Kombination nach Meinung einer Jury gelungen.

SEEG-Chefin Birgit Richter zeigt den Preis, mit dem das Pilotprojekt in Meißen gewürdigt wurde.
SEEG-Chefin Birgit Richter zeigt den Preis, mit dem das Pilotprojekt in Meißen gewürdigt wurde. © Claudia Hübschmann

Meißen. Nein, sie hat es nicht bereut, hierhergezogen zu sein. Seit dem 1. April lebt Sonja Wendler am Mücke-Ring. Durch einen Zufall hatte es sich ergeben, dass in dem neu errichteten Haus plötzlich eine der bereits vergebenen Wohnungen wieder frei wurde, berichtet die Rentnerin. Nicht nur, dass die neue Wohnung geräumig und barrierefrei ist – auch den Kontakt zu den anderen neuen Mietern verschiedener Generationen weiß Sonja Wendler zu schätzen. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, sagt sie in einem kurzen Video, in dem das Haus am Mücke-Ring 14 vorgestellt wird.

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Denn das Haus ist ein ganz besonderes, ein ausgezeichnetes. Es ist eines von drei Preisträgern des diesjährigen Zukunftspreises der Immobilienwirtschaft. Das Haus mit 20 Wohnungen ist so konzipiert, dass es sich selbst mit Energie versorgt – mit Strom ebenso wie Wärme zum Beheizen der Räume und des Wassers. Dem Bauherren, der Stadtentwicklungs- und -erneuerungsgesellschaft mbH Meißen (SEEG), gelingt hier die kohlendioxidfreie Energieerzeugung sowie die Verbindung von nachhaltigem und bezahlbarem Wohnen. Das würdigt die Jury, die den von der Fachzeitschrift „Die Wohnungswirtschaft“ und vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der etwa 30 Prozent der Vermieter von Wohnungen in der Bundesrepublik vertritt, ausgelobten Preis jetzt zum 18. Mal vergab.

Das Innovative an dem Meißner Projekt ist die Nutzung verschiedener Formen von erneuerbarer Energie. Hier entstand „keine bewohnbare Solaranlage“, wie der Architekt Knut Hauswald in eingangs erwähntem Video erklärt. Am Meißner Mücke-Ring wird Solarenergie, die Fotovoltaik-Anlagen auf dem Dach und an den Balkons liefern, mit Erdwärme, die über neun 100 Meter tiefe Sonden genutzt werden kann, aber auch Wärmepumpen und das Rückgewinnen von Energie beim Lüften kombiniert.

Innovatives Wohnen in der Nassau: Rechts im Bild ist das ausgezeichnete Haus zu sehen. Daneben entsteht noch ein Wohnhaus, in das schon bald Studenten der Hochschule Meißen einziehen.
Innovatives Wohnen in der Nassau: Rechts im Bild ist das ausgezeichnete Haus zu sehen. Daneben entsteht noch ein Wohnhaus, in das schon bald Studenten der Hochschule Meißen einziehen. © Claudia Hübschmann

Energiepauschale statt Betriebskosten

So wird es möglich, bei der Energie- und Wärmeversorgungen der Wohnungen auf den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zu verzichten. Zwar muss im Winter Energie zugekauft werden – aber diese Menge lässt sich im Sommer einsparen, sodass dieses Haus in der Jahresbilanz CO2- und damit klimaneutral ist, wie SEEG-Geschäftsführerin Birgit Richter erklärte. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Olaf Raschke hatte sie am Dienstag zu einer Pressekonferenz an den Mücke-Ring 14 geladen, um der Öffentlichkeit die Trophäe zu präsentieren, die sie in der vorigen Woche in Offenbach von GdW-Präsident Axel Gedaschko überreicht bekam.

Die innovative Energieversorgung schlägt sich in einer Energiepauschale nieder, die die SEEG anstelle von Betriebskosten zuzüglich zur Miete erhebt. Die SEEG-Chefin bezifferte sie auf 1,45 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Mit einer Nettokaltmiete von durchschnittlich 7,65 Euro je Quadratmeter gelten die Wohnungen hier als bezahlbar, so Birgit Richter. Das Projekt sei so kalkuliert, dass am Ende eine „schwarze Null“ für die SEEG steht, fügte sie hinzu.

Die 20 Wohnungen am Mücke-Ring 14 sind alle vergeben. Unmittelbar daneben, am Mücke-Ring 14a, entstand ein weiteres Haus dieser Bauart mit 16 Wohnungen. Ein über fünf Jahre laufender Vertrag sichert dem Freistaat die Vergabe dieser Wohnungen an Studenten der Hochschule Meißen, die hier in Wohngemeinschaften leben können. Sollte der Vertrag nicht verlängert werden, ließen sich die Wohneinheiten mit geringem Aufwand so umbauen, dass sie an Interessenten unterschiedlicher Generationen vermietet werden können, erläuterte Projektleiter Karsten Ruckau.

Im Keller sind Wärmepumpen, Anlagen zur Erdwärmegewinnung und zum Speichern von Elektroenergie untergebracht. Im Bild: Projektleiter Karsten Ruckau.
Im Keller sind Wärmepumpen, Anlagen zur Erdwärmegewinnung und zum Speichern von Elektroenergie untergebracht. Im Bild: Projektleiter Karsten Ruckau. © Claudia Hübschmann

Deutschlandweit beachtet

Birgit Richter nannte die städtebauliche Ergänzung als ein weiteres Ziel des Projekts am Mücke-Ring. Die energieautarken Häuser sind nur ein Teil eines gemeinsam mit Architekten und Bauplanern erarbeiteten Konzepts für das gesamte Quartier. Dazu gehören auch der Bau von 15 Reihenhäusern, die Neugestaltung von Grünanlagen, Spielplätzen und Wegebeziehungen.

Mit Blick auf die Ansiedlung einer Chip-Fabrik im Dresdner Norden bekräftigte Oberbürgermeister Olaf Raschke seine Auffassung, dass Meißen an Bedeutung als idealer Wohnstandort gewinnt. Das könnte Stadtteilen wie dem Triebischtal zugutekommen – und auch beim Sanieren von Wohnhäusern werde der Klimaschutz eine immer größere Rolle spielen.

Das Meißner Pilotprojekt hat mit der Auszeichnung durch den Spitzenverband der Wohnungswirtschaft deutschlandweit Beachtung erhalten, würdigte Olaf Raschke. Zugleich wird das Pilotprojekt nun sich ebenso bewähren wie Anlagen zur Speicherung von Elektroenergie. In den nächsten zwei Jahren soll genau verfolgt werden, wie sich die von den Planern errechneten Werte und Bilanzen im wahren Leben verhalten. Von den tages-, wochen- und monatsgenauen Abrechnungen innerhalb dieses Monitorings werden Aufschlüsse für weitere Bauvorhaben dieser Art erwartet.

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Zu den Interessenten, die das Meißner Pilotprojekt selbst in Augenschein nehmen wollen, gehört auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Die SPD-Politikerin hat sich bereits für einen Besuch am Meißner Mücke-Ring angemeldet.

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