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Ein dilettantischer Intensivtäter

Bei seinen Einbrüchen und Diebstählen macht ein Meißner reichlich Beute. Und richtet immensen Sachschaden an.

Mit Einbrüchen und Diebstählen finanzierte ein 27-jähriger Meißner seine Drogensucht.
Mit Einbrüchen und Diebstählen finanzierte ein 27-jähriger Meißner seine Drogensucht. © Silas Stein/dpa

Meißen/Dresden. Zum Termin am Dresdner Amtsgericht wird der 27-jährige Meißner aus dem Gefängnis vorgeführt. Er sitzt gerade eine Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten ab, zu der er im Januar verurteilt wurde, unter anderem wegen Diebstahls mit Waffen und Anstiftung zum Drogenerwerb.

Der Deutsche ist das, was man einen Intensivtäter nennt. Seit 2009 - da war er gerade 15 Jahre alt - wurde er immer wieder verurteilt, saß auch schon im Jugendarrest. Das Schema war immer das Gleiche. Er erhielt Bewährungsstrafen, die aber widerrufen wurden, weil er neue Taten beging. Dann wurde er vorzeitig entlassen, die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt. Und dann widerrufen, weil er wieder klaute, einbrach, dealte oder zuschlug. Mehr als dreieinhalb Jahre hat der Mann schon hinter Gittern verbracht. Erst im Januar 2023 kann er mit Haftentlassung rechnen. Das war vor der jetzigen Verhandlung.

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25.000 Euro Schaden im Hotel

Eine ganze Reihe von Straftaten hat sich angesammelt. Typisch für ihn: Bei seinen Einbrüchen und Diebstählen macht er zwar reichlich Beute, richtet aber einen ungleich höheren, immensen Sachschaden an. So bei einem Einbruch in ein Meißner Hotel. Er erbeutet 100 Euro, der Sachschaden an den Türen beträgt jedoch 700 Euro. Viel schlimmer aber: Weil er Zimmerschlüssel klaut, muss die gesamte Schließanlage ausgetauscht werden. Kosten: rund 25.000 Euro.

Auch eine Meißner Tagespflege ist sein Ziel. Hier stiehlt er einen Fotoapparat und einen Laptop für insgesamt 699 Euro. Zudem klaut er ein Fahrzeug. Sachschaden: mehr als 10.000 Euro. Zudem bricht er über den Hinterhof in einen Meißner Friseursalon ein, entwendet, Scheren, Glätteisen und andere Dinge für 1.500 Euro. Eine Geldkassette öffnet er mit einem Schraubendreher, entwendet daraus rund 200 Euro Bargeld. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm hier Diebstahl mit Waffen vor.

In der Verhandlung behauptet er, den Schraubendreher habe er nicht mitgebracht, der habe im Friseursalon herumgelegen. Nach der Tat ließ er ihn dort auch liegen - mit seinen Fingerabdrücken. So bleibt hier nur ein einfacher Diebstahl übrig.

Perfide ist, was er mit einer Mittäterin, gegen die gesondert verhandelt wird, unternimmt. Die beiden werden von einer Bekannten aus Klipphausen in deren Wohnung zum Trinken eingeladen. Als sie die Wohnung wieder verlassen, sagt seine Kumpanin: "Guck mal, was ich habe". Sie hat die Geldbörse der Gastgeberin mit EC- und Kreditkarte sowie diversen Dokumenten entwendet, dazu noch deren Autoschlüssel. Die beiden fahren mit dem Skoda der Geschädigten nach Meißen, heben an Geldautomaten insgesamt 4.000 Euro ab. Ihnen kommt zugute, dass die Frau die Geheimzahlen in der Geldbörse hatte.

Das Geld hebt die Frau ab. Der Angeklagte weiß, dass Geldautomaten kameraüberwacht werden, will keinesfalls gefilmt werden, weil er unter Bewährung steht. Was er nicht weiß: Die Kameras haben auch das Umfeld im Blick. So ist der Mann ebenfalls zu sehen und deutlich zu erkennen.

Den Skoda lassen sie auf dem Parkplatz stehen, werfen die Geldbörse hinein, schließen das Fahrzeug ab und nehmen den Schlüssel mit.

Auch seine Ex-Freundin soll er beraubt haben. Weil sie ihm nicht zehn Euro für Zigaretten gegeben habe, soll er ihr den BH zerfetzt haben, in dem sie Geld versteckt hatte, und klaute ihr 50 Euro. Das Geld habe ihm gehört, behauptet er. Sein Arbeitslosengeld II sei auf das Konto der Ex geflossen. Sie habe ihm aber monatlich nur 150 Euro gegeben. Merkwürdig auch: Erst zweieinhalb Monate nach dieser Tat erstattet die Frau Anzeige bei der Polizei. Ihre Aussagen vor Gericht sind wenig glaubwürdig. Dieser Tatvorwurf wird deshalb im Hinblick auf die anderen Taten eingestellt.

Von Einsicht und Reue keine Spur

Diese räumt der 27-Jährige emotionslos ein. Ihm bleibt auch nichts anderes übrig, schließlich hat er überall reichlich Spuren hinterlassen. Der Vorsitzende des Schöffengerichts Arndt Fiedler spricht von "dilettantischer Tatbegehung". Durch die zahlreichen Spuren, die der Angeklagte hinterließ, habe er es den Ermittlern leicht gemacht, ihn zu überführen.

Der Grund für die Straftaten ist immer der gleiche: "Wir brauchten Geld für Drogen", sagt der Meißner, der seit seinem 13. Lebensjahr Rauschgift nimmt, zeitweise 20 Konsumeinheiten pro Tag. Das geht natürlich ins Geld, da ist das "Hartz IV" schnell aufgebraucht. 2014 hatte der Mann schon einmal eine Drogentherapie begonnen, aber bald abgebrochen.

Das Gericht verurteilt den Meißner wegen Diebstahls in vier Fällen, davon dreimal gewerbsmäßig, Sachbeschädigung und Computerbetrugs in drei Fällen zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Darin einbezogen sind zwei weitere Urteile des Amtsgerichtes Dresden. "Sie sind ein strafresistenter Bewährungsversager und Intensivtäter", so Richter Fiedler zu dem Angeklagten. Das Gericht bleibt mit seinem Urteil vier Monate unter dem Antrag des Staatsanwaltes. Der Verteidiger hatte drei Jahre und drei Monate Haft gefordert. Der Haftbefehl, wegen welchem der Angeklagte in Untersuchungshaft saß, wird aufgehoben. Er bleibt dennoch im Gefängnis, sitzt ja die Strafhaft ab. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Das Gefängnis hatte für die Angeklagten bisher nicht nur Nachteile. Immerhin konnte er dort seinen Hauptschulabschluss nachholen und eine Berufsausbildung abschließen. Was ihn freilich noch Jahrzehnte beschäftigen wird, sind die Schadenersatzforderungen aus diesen und anderen Straftaten, die sich im fünfstelligen Bereich bewegen. Die wird er auch nicht los durch eine Privatinsolvenz. Denn Schulden aus Straftaten bleiben trotz Privatinsolvenz bestehen.

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