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Ein Haus, das eine Lücke füllt

In der Klosteranlage Heilig Kreuz wird am 12. September Haus eingeweiht, das nicht nur in seiner Bauweise ungewöhnlich ist.

Helge Landmann und Sandra Alband freuen sich auf die Einweihung des neuen Veranstaltungshauses, das in zweijähriger Bauzeit entstanden ist.
Helge Landmann und Sandra Alband freuen sich auf die Einweihung des neuen Veranstaltungshauses, das in zweijähriger Bauzeit entstanden ist. © Claudia Hübschmann

Meißen. 200 Quadratmeter. Diese Fläche gewinnt die Stadt. An dieser Größe fehlt es hier noch, um Konferenzen, Seminare, Feierlichkeiten wie Bälle zum Schulabschluss oder private Familienfeiern stattfinden zu lassen. Im Hahnemannzentrum an der Leipziger Straße füllt sich diese Lücke jetzt. Das Veranstaltungshaus, das auf dem Gelände an der Ruine des früheren Klosters Zum Heiligen Kreuz errichtet wurde, ist fertig. Der Tag des offenen Denkmals am 12. September bietet einen guten Anlass, um den Neubau einzuweihen, wie die Geschäftsführerin des auf dem Gelände ansässigen Vereins Hahnemannzentrum e.V. Sandra Alband auf einer Pressekonferenz am Mittwoch informierte.

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Binnen zwei Jahren ist die Halle buchstäblich aus dem Boden gestampft worden. Um die Wände hochzuziehen, wurde die Lehmbauweise angewandt. Dabei wurde Lehm mit Kies und Chinaschilf vermischt und in einer Schalung festgestampft, erläutert Vereinsvorsitzender Helge Landmann. Dem promovierten Fachingenieur für Denkmalpflege liegt die Pflege historischer Bauweisen ebenso am Herzen wie die Nachhaltigkeit beim Bauen.

So wurde Lehm im Gelände des Vereins und am Roten Haus gewonnen. Das Chinaschilf stammt aus eigenen Anbau. Ein Teil der Ziegel wurde auf dem Kohlelagerplatz geborgen – aus der Abrissmasse des Heizhauses an der Questenbergschule. Die verwendeten Dachbalken wurden in der Roten Schule geborgen und aufgearbeitet. Für die Verkleidung der Fassade wurden Bruchsteine verwendet, die beim Abriss eines Wohnblocks nach dem Hochwasser vom 2002 eingelagert worden waren.

Konferenzen, Seminare und Feiern mit bis zu 100 Gästen können im neuen Veranstaltungshaus ausgerichtet werden.
Konferenzen, Seminare und Feiern mit bis zu 100 Gästen können im neuen Veranstaltungshaus ausgerichtet werden. © Claudia Hübschmann

Vieles selbst erledigt

Das habe natürlich auch dazu beigetragen, dass der Bau insgesamt im auf 300.000 Euro begrenzten Kostenrahmen blieb, so Helge Landmann. „Etwa ein Dreiviertel aller Bauleistungen wurden von unserer Klosterwerkstatt erbracht“, ergänzt Sandra Alband – „im Zusammenwirken von Mitarbeitern der für sensible Denkmalpflegeleistungen bekannten Werkstatt mit Teilhabe bedürftigen jüngeren und älteren Menschen aus der Umgebung“. Einige der an diesem Bauvorhaben beteiligten Firmen halfen dem Verein, indem sie ihm einen Teil ihrer Leistungen spendeten. Über eine Crowdfunding-Kampagne wurden Ende vorigen Jahres noch einmal 25.000 Euro an Spenden eingeworben.

So konnten auch Auswirkungen der Corona-Krise abgemildert werden, die sich auf vielen Baustellen zeigten: Einige am Bau beteiligte Firmen konnten Zusagen nicht einhalten, weil ihre Arbeiter erkrankt oder in Quarantäne waren. Es gab Lieferengpässe, wie sich (noch) an den aus der Wand hängenden Kabeln der Fassade zeigt: Lampen für die Außenbeleuchtung sind derzeit nicht zu bekommen. Natürlich werden sie sofort installiert, sobald sie verfügbar sind, sagt Helge Landmann.

Eine Gasheizung wird im Oktober eingebaut. Auch Tische und Stühle müssen noch ausgesucht und angeschafft werden. Für den Tag des offenen Denkmals werden Holztische und Klappstühle verwendet, die im Verein vorhanden sind und die zum Beispiel bei traditionellen Rosenfest Verwendung fanden. Die Halle, die sich in drei separate Räume teilen lässt, wird auch noch mit Konferenztechnik wie Beamern und Leinwänden ausgestattet.

„Wissend, dass an Kirchen und Klöstern immer gebaut wird, ist die Einweihung nicht mit der Fertigstellung im üblichen Sinne zu verwechseln. Sie ist vielmehr ein Vorgeschmack auf Kommendes“, erklärte Helge Landmann bei der Pressekonferenz. Zur Einweihung des Veranstaltungshauses wird es am 12. September um 9 Uhr, 10 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr Führungen durch die Klosteranlage geben, bei denen natürlicher besonderer Wert auf den Neubau gelegt wird.

Als Hausherr will der Verein Hahnemannzentrum e.V. das Veranstaltungshaus rege nutzen – für seine Kurs- und Seminarangebote, zur Durchführung der traditionellen Hahnemanntage, zu denen Homöopathen aus aller Welt nach Meißen kommen, aber auch für Kulturveranstaltungen der kleineren Form.

Ein Dachverband gründet sich

Im neuen Veranstaltungshaus ist am 12. September ein weiterer Höhepunkt vorgesehen: Um 11 Uhr wird sich ein Dachverband der Hahnemannstätten gründen, kündigt Sandra Alband an. Damit sollen verschiedene, teils internationale Organisationen, Institutionen, Vereine und Privatpersonen, die sich in den letzten Monaten zusammengefunden haben, eine gemeinsame Struktur zu finden. Der Dachverband soll sich in Meißen am Hahnemannsplatz ansiedeln, im Haus an der Ecke zur Neugasse, wo der Begründer der modernen Homöopathie Samuel Hahnemann am 10. April 1755 geboren wurde.

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Schließlich ist am 12. September noch die Premiere der Halle als Konzertsaal vorgesehen. Dafür konnte der Verein Karl Schäfer gewinnen, der als solistisches Ausnahmetalent auf der Trompete gilt. Begleitet von den Dresdner Bachsolisten gestaltet der Musiker den Auftakt zum festlichen Abendprogramm. Das Konzert steht unter dem Motto „Musik ist der beste Trost“. Im Anschluss daran ist die feierliche Einweihung des Neubaus vorgesehen, zu der der Verein Mitstreiter, Helfer sowie die am Bau beteiligten Firmen eingeladen hat.

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