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PLUS Meißen

Ein Lichtblick im Badezimmer

Die Spendensaison der Stiftung Lichtblick startet in ihre 25. Saison. Die Hilfe kommt sogar bis in die entlegensten Dörfer im Landkreis.

Erika Pahl mit ihren neuen Badmöbeln, die sie sich nur dank Lichtblick leisten konnte. Die alten Möbel hatten schon 40 Jahre auf dem Buckel. Nun müssen sie nur noch ab ins Bad.
Erika Pahl mit ihren neuen Badmöbeln, die sie sich nur dank Lichtblick leisten konnte. Die alten Möbel hatten schon 40 Jahre auf dem Buckel. Nun müssen sie nur noch ab ins Bad. © Claudia Hübschmann

Von Beate Erler

Es ist eine lange Fahrt bis in den Ortsteil von Nossen, in dem Erika Pahl* seit mehreren Jahrzehnten lebt. Zumindest wenn man in Dresden startet. Es ist ein ungewohnter Anblick, zumindest wenn man aus der Stadt kommt: Kilometerlange schmale Straßen, links und rechts davon herbstlich verfärbte Bäume, dahinter nichts als grüne Wiesen und Felder und zwischendrin kleine Dörfer mit uralten Häuschen. Nicht überall ist es nur idyllisch. In einigen der Örtchen verfallen ehemalige Einkaufsmärkte und Häuser und abgesehen von einer Bushaltstelle, gibt es nicht viel zu sehen.

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Gepflegte Weihnachten
Gepflegte Weihnachten

Bei allem Trubel sollte die Weihnachtszeit auch Gelegenheit bieten, sich auf sich selbst zu besinnen, sich etwas Gutes zu tun.

In so einem Ort lebt Erika Pahl, die anonym bleiben möchte, denn das Dorf ist klein und jeder kennt jeden: „Wenn man wissen will, was so los ist, muss man nur zum Bäcker gehen“, sagt die 58-Jährige. Sie trägt eine warme Fleecejacke, denn im Haus ist es um die Jahreszeit schon kühl. Es ist ein altes Haus aus dem 19. Jahrhundert, in dem sie seit vielen Jahren allein wohnt. Nur ihr Kater Max leistet ihr Gesellschaft. Er ist ihr vor einem Jahr zugelaufen und räkelt sich nun auf dem Küchenstuhl. „Er ist ein ganz Lieber und springt auch nicht auf den Tisch“, sagt sie. Manchmal bekommt er zum Frühstück Butterbemmchen statt Katzenfutter.

In der Küche steht ein alter Ofen, auf dem Erika Pahl auch kocht. Die kleine Einbauküche mit Elektroherd hat sie von einem Bekannten bekommen, aber das Haus hat alte Leitungen und die zu modernisieren, wäre zu teuer. „Ich hätte auch gerne eine Heizung“, sagt sie, aber auch dafür fehlt das Geld. Seit vielen Jahren ist sie arbeitslos und Arbeitslosengeld II-Empfängerin: „Davon kann man leben, aber sich nichts kaufen.“ Möbel zum Beispiel oder wenn etwas kaputt geht. Obwohl sie spart, auch beim Strom, reicht das Geld für Neuanschaffungen nicht.

Nach der Schule hat sie eine Ausbildung zur Gärtnerin gemacht und danach viele Jahre bis zur Wende in einer Genossenschaftsgärtnerei gearbeitet. Dann wurde der Betrieb geschlossen und Erika Pahl hielt sich mit verschiedensten Minijobs über Wasser. Eine schwere Krankheit und bis heute gesundheitliche Probleme machen es ihr unmöglich normal arbeiten zu gehen. In ihrem Garten vorm Haus baut sie Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen und Radieschen an, um Geld beim Einkaufen zu sparen. „Ich würde auch gern mal zum Fleischer gehen, aber die abgepackten Sachen sind nun mal günstiger“, sagt sie.

Von der Lichtblick-Aktion der Sächsischen Zeitung hat sie vor einigen Jahren von einer Bekannten zum ersten Mal gehört. Sie ging zur Kirchen-Sozialarbeit der Diakonie Meißen: „Da kam ich mir schon ein bisschen wie ein Bettler vor“, erinnert sie sich. Sie bekam eine Spendenzusage der Stiftung und kaufte sich ein Bett. Vorher hatte sie immer auf ihrer Couch geschlafen. Vor drei Jahren wandte sie sich noch einmal an die Diakonie und konnte sich neue Küchenstühle kaufen, auf denen Kater Max heute gern liegt.

Auch in diesem Jahr haben wieder viele Leser der Sächsischen Zeitung für die Initiative „Menschen helfen Menschen in Not“ gespendet. Ein neuer Rekord, denn diesmal kamen 786.000 Euro zusammen. „Das Geld wird meist für den Lebensunterhalt oder für dringend benötigte Möbel ausgegeben“, sagt die Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Katerina Lohse. Insgesamt scheine sich die Hilfsbedürftigkeit mehr in die Mitte der Gesellschaft auszubreiten. Die Initiative hilft seit 1996 Menschen in Ostsachsen, die unverschuldet in Not geraten sind: Wohnungslose, Unfallopfer, alte Menschen oder sozial schwachen Frauen wie Erika Pahl.

Auch in diesem Jahr hat sie noch einmal ihr Glück versucht: „Meine Badmöbel waren aus den 80er-Jahren“, sagt sie. Dank der Lichtblick-Stiftung konnte sie sich nun endlich neue leisten. Beim Möbeldiscounter hat sie verhandelt und noch einmal 50 Euro Rabatt bekommen. Zurzeit stehen die Möbel noch im Wohnzimmer, denn das Bad muss erst vorgerichtet werden.

Große Ansprüche hat Erika Pahl nicht. Sie habe zu Essen und ein Dach über dem Kopf, aber sie will sagen, dass sie der Stiftung Lichtblick dankbar ist: „Ohne die Spendengelder hätte ich mir das nicht leisten können und vor allem nicht in so kurzer Zeit.“

*Name von der Redaktion geändert

  • Die Spenden können mit beiliegendem Überweisungsträger oder online über www.lichtblick-sachsen.de/jetztspenden überwiesen werden.
  • Der Überweisungsbeleg gilt bis 200 Euro als Spendenquittung. Für größere Überweisungen senden wir bei Angabe einer Adresse eine Quittung.
  • Hilfesuchende wenden sich bitte an Sozialeinrichtungen ihrer Region wie Diakonie, Caritas, DRK, Volkssolidarität, Jugend- und Sozialämter.
  • Die Sächsische Zeitung veröffentlicht automatisch die Namen der Spender. Wer anonym spenden will, vermerkt beim Verwendungszweck „Anonym“.
  • Erreichbar ist Lichtblick:
  • Telefon: Dienstag und Donnerstag von 10 bis 15 Uhr unter 0351 4864 2846, Fax - 9661.
  • E-Mail: [email protected]
  • Post: Sächsische Zeitung, Stiftung Lichtblick, 01055 Dresden
  • www.lichtblick-sachsen.de
  • Spenden an:
    BIC: OSDDDE81
    IBAN: DE88 8505 0300 3120 0017 74
    Ostsächsische Sparkasse Dresden

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