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Ein pikanter Vorschlag

Auf der Kruspestraße soll gebaut werden. Dafür werden mehr als 500.000 Euro gebraucht.

Die Kruspestraße braucht nicht nur einen neuen Fahrbahnbelag.
Die Kruspestraße braucht nicht nur einen neuen Fahrbahnbelag. © Claudia Hübschmann

Meißen. Abgefahrener Fahrbahnbelag, ausgebrochene Fahrbahnränder, ein Gehweg, der wegen seiner Breite diesen Namen nicht verdient, schadhafte Straßenentwässerung – auf der Kruspestraße in Oberspaar ist vieles nicht in Ordnung. Und auch dort, wo man es nicht sofort sieht: Untersuchungen des Baugrundes und der Kanäle haben ergeben, dass auch unterhalb der Straße allerhand in Ordnung gebracht werden müsste.

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Erste Planungen für eine mögliche Sanierung der 490 Meter langen Anliegerstraße wurden jetzt im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. In zwei Bauabschnitten sollen neben der Straßenwiederherstellung der Mischwasserkanal erneuert und zugleich ein sogenanntes Leerrohr in die Erde verlegt werden, in das später ein Breitbandkabel zur Internet-Versorgung des Gebietes eingezogen werden kann. Außerdem müssen Gasleitung, Stromkabel und die Trinkwasserleitung neu verlegt werden. Sinnvoll ist es, die notwendigen Bauarbeiten gemeinsam mit den Meißner Stadtwerken zu erledigen, sagte Kathrin Leuschner vom städtischen Bauamt, die den Stadträten im Ausschuss erste Planungen präsentierte.

Im Auftrag der Stadt hatte das Meißner Ingenieurbüro Arnold Consult drei Varianten erarbeitet. Die vom Bauamt ausgewählte Vorzugsvariante sieht die Herstellung einer einheitlichen drei Meter breiten Fahrspur im Asphalt vor. „Auf einer Seite erfolgt die Einfassung der Fahrspur durch die geplante Entwässerungsrinne, auf der gegenüberliegenden Seite mit einem 1-Zeiler aus Großpflaster“, heißt es im Beschluss, der bei einer Gegenstimme eine Mehrheit im Ausschuss fand. Die verbleibenden Restflächen sollen mit Betonpflaster befestigt werden.

Außer auf der Straße soll auch im Untergrund, an Kanälen und Leitungen, gebaut werden.
Außer auf der Straße soll auch im Untergrund, an Kanälen und Leitungen, gebaut werden. © Claudia Hübschmann

Entgegen dem sonst üblichen Prozedere konnten die Planungen den Anliegern noch nicht bei einer Bürgerversammlung vorgestellt werden. Das war eigentlich für den Januar oder Februar vorgesehen, wie Bauamtsleiter Dirk Herr sagte – wegen Corona aber noch nicht möglich. Deshalb sei sein Amt jetzt bemüht, mit den einzelnen Anliegern und Eigentümern ins Gespräch zu kommen. Bislang sei die Resonanz positiv.

Die Aussagen zu den Kosten dieses Bauvorhabens ließen aufhorchen. Die neuesten Schätzungen gehen von 500.000 Euro aus. Hinzu kommen 32.000 Euro für das Verlegen des Leerrohres und weitere 30.000 Euro für Grunderwerb und Vermessungen. Da Stadt und Stadtwerke das Projekt als Gemeinschaftsmaßnahme stemmen wollen, regeln sie zuvor die Teilung der Kosten. Der Entwurf einer solchen Vereinbarung sieht einen Anteil von 66,35 Prozent für die Stadt Meißen und 33,65 Prozent für die Meißner Stadtwerke vor.

Bauamtsmitarbeiterin Leuschner schlug vor, zur Finanzierung des städtischen Anteils 350.000 Euro zu verwenden, die eigentlich für die Görnische Gasse vorgesehen sind. Das Geld sollte für die Gestaltung, die grundhafte Sanierung und für die Gestaltung der Straße als Bestandteil des Porzellanpfades verwendet werden. Weil sich die Förderbedingungen aber änderten, war das Vorhaben im vorigen Jahr zurückgestellt und in die kommenden Jahre verschoben worden.

Das für die Görnische Gasse bestimmte Geld hin- und herzuschieben, sorgte für Widerspruch. „Warum erhält die Kruspestraße Vorrang vor der Görnischen Gasse“, fragte Andreas Graff (Linke). Und Dorothee Finzel, die als sachkundige Bürgerin für die CDU/Freie Bürger/FDP/U.L.M.-Großfraktion im Stadtentwicklungsausschuss ohne Stimmrecht mitwirkt, nannte das Ansinnen der Verwaltung „pikant“. „Wir sind den Anliegern an der Görnischen Gasse verpflichtet“, mahnte sie.

Um die Finanzierung geht es jetzt gar nicht, ruderte Bauamtsleiter Dirk Herr sofort zurück. Vielmehr wolle die Verwaltung das OK der Räte zum Inhalt der Planungen und zur Vorzugsvariante haben. In diesem Jahr könne ohnehin nicht mehr auf der Kruspestraße gebaut werden, weil das Vorhaben in seiner Gesamtheit im Haushalt für 2021 nicht unterzubringen war. Auch deshalb war im Bauamt überlegt worden, Geld aus einem anderen Projekt abzuzweigen – aber nur vorübergehend.

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Besser sei es, die anstehenden Bauarbeiten auf der Kruspestraße für den Haushalt des kommenden Jahres anzumelden, sagte Bauamtsleiter Herr. Und er bekräftigte, dass es keinesfalls um Abstriche bei der Sanierung der Görnischen Gasse gehe. Auch hier werde weiter geplant und nach alternativen Fördermöglichkeiten gesucht.

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