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Einbruch im Bahnhof Görna

In der Gemeinde Käbschütztal gibt es fünf ehemalige Bahnhöfe der Schmalspurbahn. Zwei bereiten Sorgen.

Das Bahnhofsgebäude Görna-Krögis ist leer. Den Rest besorgten jetzt Einbrecher.
Das Bahnhofsgebäude Görna-Krögis ist leer. Den Rest besorgten jetzt Einbrecher. © Claudia Hübschmann

Käbschütztal. In den alten Schmalspurbahnhof in Görna kam junges Leben. Jahrelang wurde das ehemalige Gebäude der Schmalspurbahn von Jugendlichen als Klub genutzt. Doch die vermüllten Haus und Gelände, hielten sich nicht an Auflagen, Anwohner beschwerten sich über nächtlichen Lärm. Vor gut zwei Jahren zog die Gemeinde nach mehreren Ermahnungen und vergeblichen Aussprachen die Notbremse. Der Vertrag mit den Jugendlichen wurde gekündigt.

Seitdem ist das fast 120 Jahre alte Gebäude zwar leer geräumt und das Außengelände einigermaßen in Ordnung, doch genutzt wird es nicht. Die Gemeinde hat keine Verwendung. Die Eisenbahnfreunde, die schon das Bahnhofsgebäude Löthain als Museum nutzen, verwarfen den Gedanken wieder, auch Görna in ihre Arbeit mit einzubeziehen. Ein Verkauf oder eine Verpachtung beispielweise als Jagdhütte oder Wochenendgrundstück scheiterte. Verwunderlich ist das nicht. Denn das Gebäude verfügt weder über einen Wasser- noch einen Abwasseranschluss. Dies herzustellen, dürfte um die 10.000 Euro kosten.

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Dazu kommt, dass das zugehörige Grundstück sehr lang ist. Auf ihm befinden sich unter anderem mehrere Garagen sowie ein Stellplatz für Wertstoffcontainer. Auch eine Gemeindestraße führt über das Gelände. Bei einem Verkauf des Grundstückes in seiner jetzigen Ausdehnung müssten die Garagenbesitzer damit rechnen, dass der neue Eigentümer verlangt, die Garagen abzureißen. Das droht zwar auch, wenn die Gemeinde weiterhin das Grundstück besitzt. Nach dem Sachenrechtsbereinigungsgesetz sind die Garagen nach einer Übergangsfrist in Besitz des Grundstückseigentümers, also der Gemeinde, übergegangen. "Wir haben diese Rechtslage aber bisher nicht umgesetzt", sagt Heike Kühne vom Bauamt der Gemeinde. Diese benötigte eine Teilfläche auch für den Containerstandort, weil es in Görna keine andere Möglichkeit gibt. Bei einem Verkauf müsste das über 30.000 Quadratmeter große Grundstück geteilt und vermessen werden, was wiederum viel Geld kostet.

Das Bahnhofsgebäude in Käbschütz wird von Jägern als Jagdhütte genutzt.
Das Bahnhofsgebäude in Käbschütz wird von Jägern als Jagdhütte genutzt. © Claudia Hübschmann
Das Gebäude Leutewitz war lange Zeit Domizil der Angler. Jetzt steht es leer.
Das Gebäude Leutewitz war lange Zeit Domizil der Angler. Jetzt steht es leer. © Claudia Hübschmann
Konnte als einziger verkauft werden: Der Schmalspurbahnhof Mauna.
Konnte als einziger verkauft werden: Der Schmalspurbahnhof Mauna. © Claudia Hübschmann
Das Schmuckstück: Der Bahnhof in Löthain ist heute ein Museum.
Das Schmuckstück: Der Bahnhof in Löthain ist heute ein Museum. © Claudia Hübschmann

Einbrecher kannten sich gut aus

Zu allem Überfluss wurde nun auch noch in den Bahnhof Görna eingebrochen. Das Haus ist zwar leer, bis auf eines: den Kamin. Diesen Dauerbrandofen haben die Einbrecher nun gestohlen. Die Polizei gibt den Wert mit 350 Euro an. "Das ist sehr ärgerlich. Die Täter müssen sich sehr gut ausgekannt haben. Der Ofen war das Einzige, was noch im Haus stand", sagt Heike Kühne.

Vor rund zehn Jahren hatte die Gemeinde für Jugendklubs Dauerbrandöfen angeschafft, so auch für den in Görna. Zwischenzeitlich wurde sogar die Schamotte erneuert. Entdeckt wurde der Einbruch zufällig durch den Bauhof. Heike Kühne wundert sich, dass kein Anwohner etwas bemerkt hat, schließlich befinden sich direkt gegenüber Wohnhäuser, und solch einen schweren Ofen kann man nicht geräuschlos abtransportieren. Zudem wurde die Tür eingetreten. Nennenswerter Sachschaden entstand dennoch nicht. Der Bauhof hat die Tür repariert.

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist offen. Ein Verkauf ist weiterhin eine Option, aber mit Schwierigkeiten verbunden. Ein Verkaufspreis steht zum Beispiel nicht fest. "Dafür müssten wir erst ein Gutachten anfertigen lassen. Fakt ist, dass wir als Gemeinde nicht unter Wert verkaufen dürfen", so Heike Kühne.

Görna ist nicht das einzige Sorgenkind. Insgesamt gehören der Gemeinde fünf Schmalspurbahnhöfe. Genutzt werden nur drei, der in Löthain als Museum, der Käbschützer von den Jägern, während der Bahnhof Mauna verkauft werden konnte. In Leutewitz waren mal die Angler ansässig, aber die sind inzwischen raus. Das Gebäude steht leer, wie das in Görna.

Das Ende der Rübenbahn

Das insgesamt rund 200 Kilometer lange Schmalspurbahnnetz entstand in den Jahren 1884 bis 1923. Es führte von Strehla bis ins Erzgebirge. 1908 begannen die Bauarbeiten zwischen Wilsdruff und Löthain, die gut ein Jahr später abgeschlossen wurden. Am 1. Oktober 1909 fuhr der erste Zug zwischen Wilsdruff, Meißen und Löthain. Zwei Monate später wurde der Abschnitt bis Lommatzsch in Betrieb genommen.

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Die Schmalspurbahn diente in erster Linie dem Güterverkehr, obwohl sie maximal mit 25 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Im Volksmund wurde sie auch "Rübenbahn" genannt, denn es wurden vor allem landwirtschaftliche Produkte wie Rüben, aber auch Kaolin transportiert. 1964 beschloss die Reichsbahndirektion Dresden, bis zum Jahre 1975 den Großteil der schmalspurigen Nebenbahnen einzustellen. Am 21. Mai 1966 fuhr der letzte Zug auf der Strecke zwischen Wilsdruff, Meißen und Löthain, während zwischen Lommatzsch und Löthain noch Kaolin transportiert wurde. Im Oktober 1972 wurde auch dieser Streckenabschnitt stillgelegt.

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