merken
PLUS Meißen

Eine richtig teure Pizza

Ein Weinböhlaer will nur etwas zu essen holen. Dabei macht er vieles falsch. Und landet vor Gericht.

Eine Pizza wird einem Weinböhlaer zum Verhängnis. Aber nicht nur die.
Eine Pizza wird einem Weinböhlaer zum Verhängnis. Aber nicht nur die. © Symbolfoto: Jörg Stock

Meißen. Es ist Freitagabend im Juli vorigen Jahres, als sich ein Selbstständiger aus Weinböhla noch etwas zu essen holen will. Er kauft Pizza, stellt sie auf den Beifahrersitz seines Autos, fährt die paar Meter bis nach Hause. Die Straße ist trocken und schnurgerade. Und trotzdem gibt es plötzlich einen mächtigen Knall. Der Mann hat mit seinem Fahrzeug einen am Straßenrand geparkten VW-Transporter gerammt. So stark, dass dieser auch noch einen vor ihm stehenden Ford beschädigte.

Das Fahrzeug des Unfallverursachers überschlägt sich, er kann sich selbst aus dem Fahrzeugwrack befreien, wird verletzt. Im Krankenhaus werden eine Gehirnerschütterung und eine Kopfplatzwunde behandelt.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Er sucht nicht nach Ausreden

Wie konnte es zu diesem Unfall kommen? Die Antwort ist einfach. Der Mann war betrunken. Um 22 Uhr, etwa eine Stunde nach der Tat, wird bei ihm ein Blutalkoholwert von 1,04 Promille festgestellt. Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs sitzt er nun vor dem Meißner Amtsgericht.

Der 36-jährige Weinböhlaer kann sich an den Unfall nicht mehr erinnern. Er sei erst wieder im Krankenwagen zu sich gekommen. Allerdings vermutet er, dass die Pizza in den Fußraum gefallen sei und er sie wieder hochholen wollte.

Bei derartigen Alkoholunfällen gibt es oft ein Muster. Die Angeklagten behaupten, dass sie erst nach dem Unfall Alkohol getrunken haben. Klar, ein Fläschchen Wodka für solche Fälle hat ja wohl jeder im Auto.

Durch aufwendige Begleitstoffgutachten können solche Behauptungen - wenn auch mit großem Aufwand - widerlegt werden. Dieser Angeklagte versucht solche Mätzchen gar nicht erst. Er steht zu seiner Tat, zeigt echte Reue. "Mein Mandant hat nach dem Unfall nichts mehr getrunken. Er hatte ganz andere Probleme", sagt Verteidiger Michael Bürger.

Versicherung verlangt Regress

Natürlich hat sein Mandant vorher getrunken, und das nicht zu knapp. Bei der Blutentnahme hatte er drei Flaschen Bier ab 16.30 Uhr angegeben, vor Gericht spricht er von vier Flaschen. Beides kann nicht stimmen, wie der Staatsanwalt feststellt. Denn das reicht nicht, um einen so hohen Wert zu erreichen, weil ja auch der Alkoholabbau berücksichtigte werden muss.

Getrunken habe er bei einem Kunden auf einer Baustelle. Von dort aus sei er dann auch zum Pizzaholen gefahren. Es wird eine verdammt teure Pizza. Sein Auto hat Totalschaden, dafür muss er selbst aufkommen. Der von ihm gerammte Transporter ist ebenfalls wirtschaftlicher Totalschaden. Die Reparaturkosten betragen 14.350 Euro, das sind 3.000 Euro mehr als der Wiederbeschaffungswert. An dem Ford entstand ein Schaden von 800 Euro.

Beide Schäden sind zwar von der Versicherung reguliert worden, doch diese hat bereits angekündigt, dass sie den Weinböhlaer in Regress nehmen wird. Alkohol am Steuer ist nämlich Ausschluss-Tatbestand, das heißt, das zahlt die Versicherung nicht.

Im Gegensatz dazu ist die Geldstrafe von von 450 Euro, zu der ihn das Gericht verurteilt, geradezu ein Schnäppchen. Richterin Petra Rudolph rechnet ihm seine Geständigkeit an und dass er zu seiner Tat steht. Zudem sei er kein notorischer Raser, jedenfalls gibt es bisher keinen Eintrag im Fahreignungsregister. Zudem geht das Gericht von einem geringen Gefährdungspotenzial aus, weil um 21 Uhr in dieser Nebenstraße in Weinböhla wenig Verkehr herrschte.

Viel entscheidender ist jedoch, wie es mit seinem Führerschein weitergeht. Der ist seit dem Unfall, also seit sieben Monaten eingezogen, was für den Selbstständigen besonders schwer wiegt. Der Verteidiger hatte auf ein Fahrverbot von sechs Monaten plädiert, das dann schon abgelaufen sei. Doch hier geht das Gericht nicht mit. Die Fahrerlaubnis wird entzogen, der Führerschein bleibt eingezogen. Nicht vor Ablauf von drei Monaten darf die Fahrerlaubnisbehörde dem Mann eine neue Fahrerlaubnis erteilen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Mehr zum Thema Meißen