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Eine ungewöhnliche Tierpension

Eine Nossenerin beherbergt den Milchvieh-Nachwuchs einer großen Firma. Bei einer nötigen Behandlung kommt Homöopathie zum Einsatz.

Bio-Landwirtin Constanze Maier zieht für eine kurze Zeit trächtige Milchkühe in Nossen auf. Dann kehren die Tiere wieder ins Erzgebirge zurück.
Bio-Landwirtin Constanze Maier zieht für eine kurze Zeit trächtige Milchkühe in Nossen auf. Dann kehren die Tiere wieder ins Erzgebirge zurück. © Claudia Hübschmann

Nossen. Es ist elf Uhr Vormittag. Etwas abgeschieden liegt der Vierseithof von Bio-Landwirtin Constanze Maier und Gunar Lantzsch am Augustusberg in Nossen. Es ist fast besinnlich, weg vom Alltagsstress. Nur der unterschwellig zu vernehmende Lärm von der Autobahn stört die Ruhe. Gleich hinter dem Hof weiden auf rund 40 Hektar Ackerland ein paar Kühe. Seit ein paar Jahren betreibt die Landwirtin eine Art Pension für junge trächtige Kühe. Sie kommen von der Erzgebirgischen Agrargesellschaft Forchheim mbH.

Constanze Maier schaltet den Strom der Zäune kurz ab, um zu den Tieren zu laufen. Es dauert nicht lange, bis die Rinder aufmerksam werden und entgegenkommen. Fast 50 Rinder haben viel Platz. „Gerade heute hatte ich noch einmal Tiere bekommen“, berichtet sie. Die schwarz-weiß Gefleckten sind neugierig, haben keine Angst, lecken und wollen gestreichelt werden. „Es sind noch halbe Kinder, sie sind so verspielt und verschmust.“ Etwa eineinhalb Jahre sind die Tiere.

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Es ist ungewöhnlich, dass Maier im Herbst noch einmal neue Rinder aufnimmt. Eigentlich kommen sie im Frühjahr und wachsen den ganzen Sommer über bei ihr auf. In dieser Zeit entsteht auch große Nähe zu den Vierbeinern. „Zwei bis drei Lieblingstiere habe ich dann schon immer. Die bekommen dann auch einen Namen.“

In diesem Jahr musste Constanze Maier die Rinder zunächst vorzeitig in das Erzgebirge zurückschicken. Der dritte trockene Sommer in Serie machte ihr zu schaffen. Es gab weder genügend Futter noch Wasser. „Die zwei Tränken, gespeist durch zwei Quellen, waren leer. Das Gras weg, alle Heu-Ballen waren alle.“

Umstellung auf Bio zahlt sich aus

Die Notvariante, die Tiere mit Leitungswasser zu versorgen, musste sie in den vergangenen zwei Jahren wählen. Doch es gab kein Gramm Heu mehr, deshalb mussten die Kühe in diesem Jahr am 26. März raus auf die Wiese, berichtet Maier von der prekären Lage der Landwirte.

„In diesem Sommer gab es glücklicherweise im Erzgebirge noch grünes Gras.“ Das hat sie nun auch wieder auf ihrem Ackerland. Doch der Grundwasserspiegel sei sehr, sehr niedrig. Deshalb hofft sie nun auf einen feuchten Winter.

Die 50 Kühe auf ihrem Ackerland betreut Constanze Maier nun noch bis sie in den Stall in das Erzgebirge zurückkehren. Zweimal pro Tag schaut sie nach ihren Schützlingen. Sobald mit einer Kuh etwas nicht stimmt, handelt sie. Denn es gilt, schnell zu reagieren, um bei Krankheiten die Gabe von Antibiotika zu vermeiden. Das ist der studierten Landwirtin wichtig, die vor vier Jahren auf Bio umgestellt hat. 

Hauptberuflich berät sie seit vielen Jahren Milchviehbetriebe, vornehmlich konventionelle. Ein Hauptproblem ist eine Euterentzündung der Tiere, berichtet sie. Seit die Erzgebirgische Agrargesellschaft auf Bio umgestellt habe, sei die nötige Antibiotika-Behandlung der Herde auf rund ein halbes Prozent gesunken. „Vorher waren vier bis fünf Prozent der Tiere in Behandlung“, sagt sie. Nun sei die erste Maßnahme eine homöopathische Gabe. Und es wirke. „Die Eutergesundheit ist besser als vorher.“

Die Umstellung auf Bio war nicht leicht, aber notwendig. Der Milchpreis bereitet den Landwirten nach wie vor große Probleme. Für konventionell produzierte Milch liege er derzeit bei 30 Cent. „Es müssten eigentlich zehn Cent mehr sein“, sagt Maier. „Die Landwirte leben von der Hand in den Mund. Da darf nichts schief gehen. Und ein wenig wirft der Ackerbau noch ab.“ Viele Milchbauern hören deshalb auch auf, erzählt sie. Der Bio-Milch-Preis liege derzeit bei 47 Cent.

Constanze Maier hat ihre Stippvisite bei ihren Milchkühen beendet. Die Rasse heißt Schwarzbunte, klärt sie noch auf. Unter den Tieren befindet sich auch eine braun-gefleckte Kuh. „Die nennt man allerdings nicht braun, sondern rot“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Und eines weiß sie auch schon, diese Kuh wird niemals so zahm wie die schwarz-gefleckten. Warum, das weiß Constanze Maier nicht. Es ist lediglich ihre Beobachtung seit vielen Jahren.

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