merken
PLUS Meißen

Trotz Pflicht ohne Maske in den Aldi

Deutschlands größte Discounterkette Aldi hat bei der Maskenpflicht eigene Regeln aufgestellt. In Radebeul und Meißen kommen die Kunden damit nicht zurecht.

Klare Ansage, die ignoriert wird. Im Aldi am Meißner Neumarkt würde eigentlich Maskenpflicht gelten. Doch es interessiert höchstens zehn Prozent der Kunden.
Klare Ansage, die ignoriert wird. Im Aldi am Meißner Neumarkt würde eigentlich Maskenpflicht gelten. Doch es interessiert höchstens zehn Prozent der Kunden. © Claudia Hübschmann

Meißen/Radebeul. Dass die Corona-Inzidenz nur noch sehr gering ist, bemerken die Menschen im Alltag am deutlichsten an einem Umstand: Die Maskenpflicht im Handel ist aufgehoben. Seit einigen Tagen können die Verbraucher deswegen in den Supermärkten wieder Gesichter erkennen – nur eine Discounter-Kette möchte in ihren Filialen nicht zu früh Entwarnung geben und behält die Maskenpflicht noch bei: Aldi.

Aufkleber wie an den automatischen Schiebetüren zum Eingang des Aldi-Marktes auf der Meißner Straße in Radebeul sind die Kunden mittlerweile gewöhnt. Vielleicht liest sie deshalb auch niemand mehr. Da der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht gewährleistet werden könne, gelte in diesem Markt die Pflicht zum Masketragen auch unter einer Zehner-Inzidenz. So steht es auf dem Sticker zu lesen.

Anzeige
Katja Kipping: Eine Bitte an Sie
Katja Kipping: Eine Bitte an Sie

Lassen Sie uns verhindern, dass der Ruf Dresdens beschädigt wird.

An diesem Donnerstagvormittag, gegen 10.30 Uhr, sind – kurz durchgezählt – rund 30 Kunden in dem Markt unterwegs. Das Großtasten Klapphandy gibt es heute im Angebot, Kukident-Gebissreiniger sowie die elektrische Nudelmaschine aus Edelstahl, wahlweise mit Handkurbel oder Aufsatzmotor. Bei solchen Schnäppchen lohnt sich schon mal ein vormittäglicher Ausflug. Größtenteils bevölkern Senioren die Gänge. Ein älterer Herr interessiert sich vorn für die türkischen Oliven. Er trägt eine Maske. Auch eine jüngere Dame hält beim Mustern der Duschtücher und Handtücher (Home Creation) Mund sowie Nase bedeckt.

Zusammen mit einem, kurze Zeit später seinen Wagen herein schiebenden Einkäufer sind die Beiden allerdings die einzigen Kunden im Markt, welche sich an die per Aufkleber verkündete Maskenpflicht halten. Alle anderen Besucher genießen die frisch gewonnene Freiheit, ohne Dämpfer zu atmen. Gleiches trifft auf das Personal zu. Die mit Einräumen beschäftigte Mitarbeiterin lässt die Nase frei, um nicht zu sehr ins Schwitzen zu geraten. An der Kasse wird ganz auf eine Maske verzichtet. Der Bereich ist aber natürlich auch durch eine improvisierte Plexiglas-Konstruktion geschützt.

Nur ein Einzelfall? Wie schaut es im benachbarten Meißen aus? Kurz nach 11.30 Uhr ist hier im Aldi an der rechtselbisch gelegenen Fabrikstraße deutlich mehr los als in Radebeul. Auffällig: Die hohe Anzahl von Großeltern, welche mit ihren Enkelkindern auf Shoppingtour gehen. Es ist deutlich zu merken, dass in Sachsen die Ferien begonnen haben. Ähnlich wie in Radebeul ignorieren rund 90 Prozent der geschätzt 40 Besucher die Maskenpflicht. Einige allerdings haben sich sogar für eine FFP2-Maske entschieden. Die sehr freundliche Dame an der Kasse hat den Mund-Nasenschutz aufs Kinn geschoben, um ihn beim Außeneinsatz schnell nach oben ziehen zu können.

Die Discounter-Kette Aldi, hier die Filiale am Meißner Neumarkt, erhält die Maskenpflicht auch unter einer Zehner-Inzidenz weiter aufrecht. Vielleicht nicht zu Unrecht. Bald könnte der Kreis Meißen wieder in diesem Bereich liegen.
Die Discounter-Kette Aldi, hier die Filiale am Meißner Neumarkt, erhält die Maskenpflicht auch unter einer Zehner-Inzidenz weiter aufrecht. Vielleicht nicht zu Unrecht. Bald könnte der Kreis Meißen wieder in diesem Bereich liegen. © Claudia Hübschmann

Was sagt eigentlich der Discounter-Riese zu dem offensichtlichen Chaos? Auf SZ-Anfrage erklärt Michael Strothoff, Pressesprecher von Aldi-Nord, warum das Unternehmen überhaupt noch an der Maskenpflicht festhält: „Die aktuelle sächsische Corona-Schutz-Verordnung sieht zwar vor, dass die Maskenpflicht bei einem Inzidenzwert unter 10 entfällt, allerdings nur dann, wenn der Mindestabstand von 1,5 m gewährleistet wird“, heißt es in der Erklärung. Dieser Mindestabstand könne in den Filialen des Unternehmens aber nicht immer eingehalten werden.

„Wir bitten unsere Kundinnen und Kunden daher um Verständnis, dass die Maskenpflicht in solchen Fällen weiterhin in unseren Filialen eingehalten werden muss. Entsprechende Plakate in unseren Filialen weisen auf das Tragen einer Maske hin“, so Strothoff weiter. Man sei sich sicher, dass diese Maßnahme sinnvoll dazu beitrage, Kunden und auch Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. „Für die Unannehmlichkeiten möchten wir uns bei unseren Kunden entschuldigen und uns zugleich für deren Kooperation und Zuspruch bedanken“, heißt es.

Aldi beobachtet die Entwicklung

Der Discounter möchte auch noch keine Einschätzung darüber abgeben, wie lange er die Maskenpflicht in seinen Filialen noch aufrechterhalten wird. „Wir beobachten die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie in Sachsen sehr genau, um die Maßnahmen immer wieder der aktuellen Lage anzupassen. Dazu stehen wir im regelmäßigen und konstruktiven Austausch mit der Politik und den zuständigen Behörden“, erklärt der Pressesprecher dazu. Die aktuelle Corona-Inzidenz (Stand 29. Juli) im Landkreis Meißen beträgt 4,6.

Weiterführende Artikel

Lohnfortzahlung für Ungeimpfte in Quarantäne endet

Lohnfortzahlung für Ungeimpfte in Quarantäne endet

Verdienstausfälle werden ab November nicht mehr ersetzt, Spahn erwartet im Frühjahr Ende der Pandemie, Inzidenz in Sachsen sinkt - der Newsblog.

Diese Corona-Regeln gelten ab Montag in Dresden

Diese Corona-Regeln gelten ab Montag in Dresden

Die Corona-Inzidenz liegt am Samstag den fünften Tag über 10. Damit gelten ab Montag wieder schärfere Regeln. Das sollten Sie wissen.

Aldi in Riesa und Großenhain: Kaum einer befolgt die Maskenpflicht

Aldi in Riesa und Großenhain: Kaum einer befolgt die Maskenpflicht

Der Discounter setzt trotz niedriger Inzidenz weiter auf die Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz. Aber wird das eingehalten? Ein Test in Riesa und Großenhain.

Discounter halten an Maskenpflicht fest

Discounter halten an Maskenpflicht fest

Aldi, Norma, Lidl und Co. - die Schilder an den Eingängen sind klar: Zutritt nur mit Maske, trotz niedriger Inzidenz. Allerdings halten sich offensichtlich wenige daran.

Wie aber will Aldi die von den Kunden gewünschte „Kooperation“ durchsetzen – wenn nun mal kaum noch ein Kunde eine Maske trägt? „Im Sinne aller sind unsere Mitarbeiter dazu angehalten, auf die Einhaltung der aktuellen Regelungen zu achten und Kunden, die sich nicht daran halten, auf die Vorgaben hinzuweisen“, so Pressesprecher Strothoff. Die Kunden bitte man um Verständnis für diese Maßnahmen und um gegenseitige Rücksichtnahme und Mithilfe in dieser Situation.

Mehr zum Thema Meißen