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Der einzige Sachse in Cortina

Gerd Seidel vom Ski-Club Nossen steht vor seiner zweiten Teilnahme bei der Masters-Ski-WM alpin. In drei Disziplinen geht er ab Montag an den Start.

Gerd Seidel in Aktion: Der Skirennfahrer aus Reinsberg fährt für den Ski-Club Nossen zur Weltmeisterschaft der Masters in den alpinen Disziplinen.
Gerd Seidel in Aktion: Der Skirennfahrer aus Reinsberg fährt für den Ski-Club Nossen zur Weltmeisterschaft der Masters in den alpinen Disziplinen. © Foto: privat

Nossen. Superski, Riesenslalom, und Slalom - das sind Sportbegriffe, die man in den sächsischen Breiten in der Regel nur aus Fernsehübertragungen kennt. Und in Nossen! Denn dort existiert seit vielen Jahren ein Ski-Club, der in der Vergangenheit viele Erfolge verzeichnet hat und nun einem nächsten Highlight entgegenblickt. Denn: Der Reinsberger Gerd Seidel nimmt in der kommenden Woche an den Masters-Ski-Weltmeisterschaften in Cortina D’Ampezzo teil. Die Wettkämpfe der "FIS World Critierium Master" sind für Teilnehmer angesetzt, die älter als 31 Jahre sind.

Der 68-jährige Seidel ist der einzige Sachse in der 15-köpfigen deutschen Delegation. Er wird im Superski, Riesenslalom und Slalom an den Start gehen. Insgesamt kämpfen im Verlauf der Woche etwa 200 Athleten um die Medaillen und Plätze.

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Für Seidel ist es nicht die erste Teilnahme. So belegte er 2014 in den USA die Plätze 12, 15 und 16. Auch bei weiteren Rennen des Ski-Weltverbandes FIS war er erfolgreich und belegte zum Teil vordere Plätze. Darüber hinaus ist er mehrfacher Sachsen-Meister in seiner Altersgruppe. Beheimatet ist Gerd Seidel im Ski-Club Nossen, wo er auch bis 2020 als Trainer mit internationaler Lizenz tägig war. Bereits zu DDR-Zeiten engagierte er sich für den Ski-Alpin-Sport in seiner Heimat und darüber hinaus. So arbeitete er zum Beispiel maßgeblich am Aufbau der Ski-Akrobatik in der DDR mit und setzte sich dafür ein, dass in seinem Heimatclub das Ski-Gelände entsprechend dazu befähigt wurde.

Um sich für die diesjährige WM vorzubereiten, nahm Seidel im Januar und Februar an Trainingscamps in Österreich teil. Auch im Skigelände Nossen machte er sich fit. In diesem Jahr sind die Vorbereitungen und Wettkämpfe vor allem durch die Corona-Pandemie erschwert. Auch im WM-Ort Cortina gelten besondere Hygieneauflagen.

Doch darauf ist Gerd Seidel eingestellt. Er hat sich in einer der für die WM angebotenen Pensionen eingemietet und wird sich über die Woche weitgehend selbst verpflegen. Denn gastronomische Einrichtungen am WM-Ort dürfen nicht öffnen. Auch Zuschauer sind übrigens zu den Wettkämpfen nicht zugelassen.

Skisport hat in Nossen eine recht lange Geschichte. Schon in den 1970er Jahren machten sich Sportler die rasante Entwicklung zunutze. 1979 gründeten sie eine Sektion Skilauf in der damaligen Betriebssportgemeinschaft (BSG) Lokomotive Nossen. Parallel dazu erfolgte die Erschließung des Ski-Geländes in der Rodigtschlucht - inklusive Stromversorgung, Ski-Hangbeleuchtung und Bau einer Skihütte.

Gerd Seidel erlebt seine zweite WM.
Gerd Seidel erlebt seine zweite WM. © Foto: privat

Für die Wettkämpfe errichtete man eine lizenzierte Trickskischanze, eine Zeitmessanlage, die 2001 und 2005 mit digitaler Technik, Wettkampf-Software und Großanzeige erweitert wurde. 2004 wurde zudem ein kleiner Schlepplift gebaut.

Ebenso bestimmte die Sektion Nossen die Entwicklung der Ski-Akrobatik in der DDR wesentlich mit und richtete in dieser Disziplin Wettkämpfe aus. Die Sektion Ski veranstaltete 15 Stadt- und Kreismeisterschaften. Erfolge stellten sich bald ein: fast 100 Siege bei Kreis- und Stadtmeisterschaften, zwölf erste Plätze bei Pokalspringen (mit internationaler Beteiligung und DDR-Bestenermittlung, sechs Siege bei alpinen Rennen in Deutschland, Österreich, Italien.

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Ob Gerd Seidel bei der 2021er WM die Erfolgsbilanz des Ski-Clubs Nossen erweitern kann? Er sieht es gelassen. "Theoretisch habe ich keine Chance aufs Podest", sagt er. Vor allem die Konkurrenz aus Österreich sei stark einzuschätzen. Aber: Man weiß in diesem Jahr nicht so recht, wo man steht", sagt Gerd Seidel. Viele Rennen über den Winter fielen coronabedingt aus, auch Training war vergleichsweise wenig möglich. Es wird also eine Reise voller Überraschungen, auf die sich Gerd Seidel am Wochenende in den Olympia-Ort von 2026 begibt.

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