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Einzug im Sächsischen Hof

Das vor Jahren sanierte Wohn- und Geschäftshaus am Hahnemannsplatz 17 soll nicht länger leer stehen.

Johanna Raue will dem Sächsischen Hof am Hahnemannsplatz 17 neues Leben einhauchen – zunächst in den oberen Etagen.
Johanna Raue will dem Sächsischen Hof am Hahnemannsplatz 17 neues Leben einhauchen – zunächst in den oberen Etagen. © Stadtkind 360

Meißen. Den Sächsischen Hof kennt sie nur aus Erzählungen – aus Zeiten, als es vor allem auf Beziehungen ankam, um einen Tisch in der gepflegten und angesagten HO-Gaststätte zu ergattern, die wegen anspruchsvoller Kulturveranstaltungen von sich reden gemacht hatte. Damals war Johanna Raue noch ein Kind. Dennoch hat der Sächsische Hof für sie eine besondere Bedeutung. Er gehört zu ihrer Familie.

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Im Jahr 2013 hatte ihr Vater das 1905 errichtete Wohn- und Geschäftshaus am Hahnemannsplatz 17 mit dem markanten Schriftzug an der Fassade erworben. Der Leutewitzer Bauunternehmer Eberhard Raue wollte es mit viel Liebe zum Detail sanieren und Voraussetzungen schaffen, um die in Meißen zu DDR-Zeiten beliebte Gaststätte wiederzubeleben. In der Verwirklichung dieser Idee sah er zugleich so etwas wie ein „Rauesches“ Familienprojekt: Sohn Richard leitete die Bauarbeiten am Meißner Hahnemannsplatz – und so wuchs der gelernte Maurer in den väterlichen Baubetrieb hinein, den er heute als Geschäftsführer leitet. Tochter Johanna war die Aufgabe zugedacht, das Haus im Inneren wieder zum Leben zu erwecken.

Ein Pächter der Gaststätte hätte im zweiten und dritten Obergeschoss eine Wohnung finden können, vielleicht auch der eine oder andere Angestellte aus Küche und Restaurant, so hatte es sich Eberhard Raue in den Kopf gesetzt. Und dabei blieb es. Zwar hätten sich einige Interessenten gemeldet, aber eine Verpachtung kam nicht zustande, wie Johanna Raue berichtet. Auch die Idee, einige der sanierten Wohnungen als Ferienwohnungen einzurichten, wurde nicht weiter verfolgt. So stand das schön sanierte Haus am Hahnemannsplatz 17 leer, über Jahre hinweg.

„Als mein Vater mit dem Gedanken spielte, das Haus zu kaufen, um es zu sanieren und wiederzubeleben, hatte ich gerade das Abitur in der Tasche“, sagt Johanna Raue. Sie hatte das Studium der Tourismuswirtschaft noch vor sich, das sie als Hotel- und Eventmanagerin abschloss. Der Praxisanteil, der das Studium an der Berufsakademie in Breitenbrunn prägt, brachte für die junge Frau viele Einblicke und Erfahrungen mit sich. Sie hat als Projektmanagerin, u. a. am Meißner Theater, gearbeitet. Sie ging nach Kanada, wo sie in der Gastro-Branche internationale Erfahrungen sammelte und ihre Englisch-Kenntnisse vervollkommnete. Seit der Rückkehr leitete sie in Deutschland Projekte und etablierte Veranstaltungen.

Sechs Ferienwohnungen entstehen

Das Haus am Meißner Hahnemannsplatz schien für Johanna Raue immer weiter und immer mehr in die Ferne zu rücken. Im vorigen Jahr verstarb ihr Vater. Seitdem beschäftigt sie sich wieder intensiver mit dem Sächsischen Hof. Auch, „weil dieses schöne Haus meinem Vater sehr am Herzen lag“, richtet sie es jetzt ein.

Sechs Ferienwohnungen entstehen im zweiten und dritten Obergeschoss des denkmalgerecht und hochwassergeschützt sanierten Hauses. In wenigen Wochen sollen sie zur Verfügung stehen und in den üblichen Portalen angeboten werden. Noch ist Johanna Raue beim Einrichten – Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche und Bad. In jeder der sechs unterschiedlich großen Wohnungen soll es anders aussehen – auch um unterschiedliche Menschen anzusprechen und für einen Besuch in Meißen zu begeistern, wie Johanna Raue sagt.

In bester Lage

Familien sollen sich hier ebenso wohlfühlen wie beruflich Reisende oder Interessierte, die Meißen, Dresden, das Elbland oder die Sächsischen Schweiz erkunden wollen. Die Nähe der Ferienwohnungen zum S-Bahn-Haltepunkt Meißen-Altstadt dürfte ein gutes Argument sein, um am Hahnemannsplatz 17 für einige Tage Quartier zu nehmen.

„Feinschliff“ nennt Johanna Raue das, womit sie sich in diesen Tagen beschäftigt, kurz vor dem Start. Stühle sind beschafft, Lampen hängen, Betten stehen. Alles aus eigener Kraft, wie sie hinzufügt. Sie ist frohen Mutes, dass es jetzt gelingt, diesem Haus wieder Leben einzuhauchen. Der Sächsische Hof ist ein wichtiges aber nicht das einzige Projekt, um das sie sich kümmert.

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Johanna Raue macht keinen Hehl daraus, dass die Ferienwohnungen nur ein erster Schritt sind. Natürlich hofft sie darauf, dass ihre Gäste zu „Wiederholungstätern“ werden und dass es sich herumspricht, dass im Sächsischen Hof wieder etwas los ist. Vielleicht findet sich dann auch ein Pächter für ein angesagtes Restaurant. Vielleicht wird daraus aber auch ein Frühstücks-Café.

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