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Die Krise schon vorhergesehen?

Was wird aus der Gesellschaft, wenn die Wirtschaft brach liegt? Das Thema der Ausstellung "Emergency Break" vom Neuen Sächsischen Kunstverein.

Dirk Großer (links), Kurator der Ausstellung, und Uwe Michel (rechts im Bild), Leiter der Albrechtsburg, in einem der Ausstellungsräume.
Dirk Großer (links), Kurator der Ausstellung, und Uwe Michel (rechts im Bild), Leiter der Albrechtsburg, in einem der Ausstellungsräume. ©  Foto: Claudia Hübschmann

Wie lange kann der Mensch überleben, wenn das Leben auf der Welt still steht? Wenn das Wirtschaftswachstum die natürlichen Ressourcen der Erde übersteigt? Wie sortiert sich das Leben in der Gesellschaft, wenn die Notbremse gezogen wird? Notbremse, auf englisch "Emergency Break", ist der Titel der aktuell in der Albrechtsburg stattfindenden Ausstellung.

Katastrophen, Ausnahmezustände, Pandemien, Umbrüche und gesellschaftliche Konflikte - Themen, die in der Ausstellung auf künstlerische Weise ausgedrückt werden. Leider ist sie zurzeit aufgrund der aktuellen Umstände für Besucher nur auf virtueller Basis zu erkunden. Denn Corona machte auch dem 30-jährigen Jubiläum des Neuen Sächsischen Kunstvereins einen Strich durch die Rechnung - was auf kuriose Weise Ironie des Schicksals war.

Denn Titel und Idee der Ausstellung waren schon weit vor Beginn der Corona-Pandemie in Dirk Großers Kopf, dem Kurator von "Emergency Break". "Ich bin ein Ideenmensch und beobachte die Gesellschaft. Ich ziehe daraus meine Schlüsse und brainstorme. Anlässlich zum Jubiläum des Neuen Sächsischen Kunstvereins wollte ich etwas Besonderes machen. Etwas, was die Menschen bewegt und beschäftigt. Und so kam ich zu dieser Hypothese. Dass dies auch so eintrat - Zufall.", schmunzelt Dirk Großer.

Schlossleiter Uwe Michel freut sich, der sächsischen Kunst eine Möglichkeit der Präsentation zu bieten: „Vieles verbindet die Intentionen des Kunstvereins mit diesem Ort steingewordener Geschichte. Die Albrechtsburg war immer verknüpft mit Innovation und Kreativität. Rückblickend auf das Jahr 1990 ergeben sich Parallelen zwischen dem Ort der Ausstellung und dem Kunstverein. Während hier in der Großen Hofstube der Freistaat Sachsen neu gegründet wurde, erlebte im selben Jahr der Sächsische Kunstverein seine Wiederbelebung.“

Der Textildruck "Versuchsfeld Mensch" eröffnet die Ausstellung mit zahlreichen Schlüsselbegriffen, die die in "Emergency Break" dargestellte Ausnahmesituation versinnbildlichen.
Der Textildruck "Versuchsfeld Mensch" eröffnet die Ausstellung mit zahlreichen Schlüsselbegriffen, die die in "Emergency Break" dargestellte Ausnahmesituation versinnbildlichen. © Foto: Neuer Sächsischer Kunstverein

Sachsen zieht die Notbremse

Im Jahr 2020 startete die Ausschreibung für "Emergency Break", bei der Sachsens Künstler aufgerufen wurden, zum Thema passende Werke einzureichen. Darauf bewarben sich bis zum Sommer 2020 130 Künstler. Eine Jury wählte davon mehr als 30 für die Präsentation in der Albrechtsburg aus, darunter erhielten 10 Personen ein Preisgeld. Der erste Platz ging dabei an Rainer Jacob mit seiner Skulptur aus Sandstein »Blind 1«, der zweite an Jonas Lewek mit der Internetkampagne "Recht auf Faulheit" und Moritz Liebig ergatterte Treppchen Nummer 3 mit "starnight 2020".

Virtuell wird man auf der Homepage Schritt für Schritt via Countdown durch die Ausstellung geführt. Verschiedene Videos präsentieren dabei die teilnehmenden Künstler und deren Werke. Ebenso legt jeder Raum der Ausstellung den Fokus auf ein spezielles Thema.

Hier ein kleiner Einblick in einige Werke von "Emergency Break":

"Das Recht auf Faulheit" ist eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform „Startnext“. Der Künstler Jonas Lewek möchte auf diesem Weg Geld sammeln, um für eine bestimmte Dauer absolut nichts zu tun.
"Das Recht auf Faulheit" ist eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform „Startnext“. Der Künstler Jonas Lewek möchte auf diesem Weg Geld sammeln, um für eine bestimmte Dauer absolut nichts zu tun. © Foto: Neuer Sächsischer Kunstverein
Auch die Krankenversorgung spielt im Ausnahmezustand eine der wichtigsten Rollen. Das verdeutlicht die Installation "Sondereinsatztruppe" mit gesammelten Krankenwagen aus unterschiedlichsten Ländern von Michael Merkel.
Auch die Krankenversorgung spielt im Ausnahmezustand eine der wichtigsten Rollen. Das verdeutlicht die Installation "Sondereinsatztruppe" mit gesammelten Krankenwagen aus unterschiedlichsten Ländern von Michael Merkel. © Foto: Sophia Mosch
Wie beschäftigen wir uns, wenn die Wirtschaft still steht? Eine Möglichkeit: Das gedankenlose Malen während eines Telefonats oder das Vertreiben der Zeit mit Kreuzworträtseln. Ein Ölmotiv auf Leinwand von Alexander Endrullat.
Wie beschäftigen wir uns, wenn die Wirtschaft still steht? Eine Möglichkeit: Das gedankenlose Malen während eines Telefonats oder das Vertreiben der Zeit mit Kreuzworträtseln. Ein Ölmotiv auf Leinwand von Alexander Endrullat. © Foto: Sophia Mosch
Jeder kennt es: Man ist in Gedanken bei alten Zeiten und träumt einen Großteil des Tages von der Zukunft. Dabei ist es doch das Jetzt, was wirklich zählt. Dass wir jetzt etwas verändern können, zeigt die Installation der Künstlergruppe "Jetzt".
Jeder kennt es: Man ist in Gedanken bei alten Zeiten und träumt einen Großteil des Tages von der Zukunft. Dabei ist es doch das Jetzt, was wirklich zählt. Dass wir jetzt etwas verändern können, zeigt die Installation der Künstlergruppe "Jetzt". © Foto: Sophia Mosch
Eine Skulptur, die noch niemand zuvor, nicht einmal der Künstler selbst, zu Gesicht bekam. Rainer Jacob erschuf eine Sandsteinskulptur zum Anfassen und Ertasten im Dunkeln.
Eine Skulptur, die noch niemand zuvor, nicht einmal der Künstler selbst, zu Gesicht bekam. Rainer Jacob erschuf eine Sandsteinskulptur zum Anfassen und Ertasten im Dunkeln. © Foto: Sophia Mosch
Mauern gelten schon seit Jahrhunderten als mächtiges Symbol der Macht. Die Gesellschaft wendet unheimliche Energie in die Errichtung dieser Bauwerke auf - dabei wollen wir doch alle stets nur Freiheit und kämpfen um die Überwindung der Mauern, oder nicht? Die Installationen "Border Situations" und "WIR" von Dirk Großer.
Mauern gelten schon seit Jahrhunderten als mächtiges Symbol der Macht. Die Gesellschaft wendet unheimliche Energie in die Errichtung dieser Bauwerke auf - dabei wollen wir doch alle stets nur Freiheit und kämpfen um die Überwindung der Mauern, oder nicht? Die Installationen "Border Situations" und "WIR" von Dirk Großer. © Foto: Sophia Mosch

Die Ausstellung geht noch bis zum 21. März 2021. "Was aktuell auf der virtuellen Ausstellung zu sehen ist, ist noch nicht alles. Es folgen noch zahlreiche weitere Beiträge und Videos.", verspricht Dirk Großer.

Hier gehts zur virtuellen Ausstellung.

Folgende Künstler/innen sind an "Emergency Break" mit ihren Werken beteiligt:

Constanze Schüttoff, Frank Wallburger, Francis String, Michael Witing, Christoph Keck, Rania El Chanati, Michael Richter, Ingo Weichelt, Jaqueline Knappe, Reinhard Pontius, Brit Magdon, Veit Magdon, Sophie Hauenherm, Gunter Antesberger, Jascha Wolfram, Jonas Leweck, Michael Merkel, Josh Diegel, Jetzt, Annika Stoll, Alexander Endrullat, Carsten Busse, Simon Rosenthal, Claudia Grande, Undine Materni, Martin Sauter, Patrick Wilden, Frieder Zimmermann, Sascha Paar, Moritz Liebig, Steffen Büchner, Jens Küster, Hartmut Kiewert, Steffen Schiemann, Karla Krey, David Scheffler, Rainer Jacaob, Karen Koschnik, Anna Kasten, Christian Manss, Frenzy Höhne, Dirk Großer

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