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Energiepreise und Mindestlohn: Essen für Kinder wird in Lommatzsch teurer

Die Preise sollen in diesem Jahr um 29 Prozent erhöht werden. Der Anbieter begründet das mit Mindestlohn und exorbitanten Energie- und Rohstoffkosten.

Von Jürgen Müller
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Für das Essen ihrer Kinder müssen Lommatzscher Eltern tiefer in die Tasche greifen.
Für das Essen ihrer Kinder müssen Lommatzscher Eltern tiefer in die Tasche greifen. ©  Archiv/Nikolai Schmidt (Symbolbild)

Lommatzsch. Altes russisches Sprichwort: "Im Durchschnitt war der Dorfteich einen Meter tief, trotzdem ist die Kuh ersoffen." So ist das auch mit der Inflation. Im Durchschnitt liegt sie derzeit bei fünf Prozent. In vielen Bereichen ist sie aber deutlich höher.

Das bekommen jetzt auch die Lommatzscher Eltern zu spüren, die ihre Kinder in einer Kindereinrichtung der Stadt betreuen lassen. Die Essenspreise steigen kräftig an. Bereits ab dem 1. Februar gibt es die erste Erhöhung um durchschnittliche 13 Prozent. So kostet beispielsweise das Mittagsessen in der Kinderkrippe pro Tag und Kind künftig drei Euro statt bisher 2,65 Euro. Im Kindergarten sind dafür ab Februar 3,05 Euro zu zahlen. Bisher waren es 2,70 Euro. Beim Frühstück steigen die Preise um fünf Cent, bei der Vesper um 10 Cent. Ab 1. Juli sollen die Essenspreise um weitere 16 Prozent steigen, insgesamt dann also um 29 Prozent.

Preisgleitklausel vereinbart

"Grundsätzlich war vorgesehen, dass der Essenspreis bis zum Ende dieses Jahres nicht erhöht wird. Allerdings ist im Vertrag eine Preisgleitklausel vereinbart worden, um den Bieter vor unangemessenen Benachteiligungen zu schützen", sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP).

Diese Klausel greift, wenn sich der Verbraucherpreisindex laut Statistischem Landesamt Sachsen von mehr als zwei Prozent gegenüber dem Stand bei Vertragsabschluss ändert und zum Ausgleich von gesetzlichen Neuregelungen, wie beispielsweise der Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes oder der Einführung von zum Vertragsschluss noch nicht relevanten Abgaben. Dabei muss sich die Preissteigerung an den tatsächlichen Kostenerhöhungen orientieren.

Von dieser Klausel macht der Essenanbieter nun Gebrauch. Neben dem Mindestlohn gäbe es auch eine massive Steigerung der Energie- und Warenbeschaffungskosten. So betrug der gesetzliche Mindestlohn am 1. Juni 2020 zum Zeitpunkt Ausschreibung 9,35 Euro pro Stunde. Zum 1. Juli dieses Jahres steigt er auf 10,45 Euro pro Stunde. Dies entspricht einer Steigerung um fast zwölf Prozent. Der Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke ist seit Oktober 2020 bis Oktober 2021 um 4,3 Prozent gestiegen. "Die Preissteigerung zum 1. Februar ist damit als angemessen zu betrachten. Die Erhöhung zum 1. Juli bezieht offenbar erwartete kräftige Preissteigerungen durch steigende Rohstoff-, Treibstoffpreise mit ein", so die Bürgermeisterin.

Nach Protesten bessert Anbieter nach

Ursprünglich wollte der Anbieter die Preise sogar noch mehr erhöhen. Das führte allerdings zu Widerstand bei den Eltern und im Stadtrat. Dieser ist zuständig, weil der Wert der Preissteigerung im Jahr mehr als 15.000 Euro beträgt. "Der Anbieter hat noch einmal nachgebessert. Die Leitung der Kindertagesstätte und der Elternrat der Einrichtung wurden zur Preiserhöhung beteiligt. Ich denke, es wurde jetzt ein Kompromiss gefunden, der die Interessen des Anbieters und die Bedürfnisse der Eltern und Kinder befriedigt", so Anita Maaß. Der Stadtrat stimmte nun der Preiserhöhung zu.

Mehrkosten für die Stadt entstehen nicht, weil die Abrechnung direkt zwischen Essensanbieter und Eltern erfolgt.

Höhere Preise in den beiden Schulen werde es in etwa der gleichen Größenordnung geben. Hier gibt es einen anderen Anbieter. Weil die Preissteigerung hier aber weniger als 15.000 Euro im Jahr beträgt, muss der Stadtrat nicht zustimmen.