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Entsetzt über die Brutalität

Der Angeklagte im Fall einer versuchten Vergewaltigung und sexuellen Nötigung in Meißen hätte normalerweise gar nicht mehr in Deutschland sein dürfen.

Hier, in der Nähe der Meißner Eisenbahnbrücke, soll sich die Tat abgespielt haben.
Hier, in der Nähe der Meißner Eisenbahnbrücke, soll sich die Tat abgespielt haben. © Claudia Hübschmann

Meißen/Dresden. Tag 4 im Prozess wegen versuchter Vergewaltigung und sexueller Nötigung vor dem Landgericht Dresden. Einem 23 Jahre alten abgelehnten Asylbewerber aus Afghanistan wird vorgeworfen, in der Nacht vom 20. zum 21. Juni vorigen Jahres in Meißen unterhalb der Eisenbahnbrücke eine 17-Jährige versucht zu haben, zu vergewaltigen. Das Ganze passierte am Rande einer feucht-fröhlichen Party von Kindern und Jugendlichen, bei der reichlich Alkohol, vor allem Wodka, floss.

Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben in Teheran geboren wurde und Persisch spricht, aber afghanischer Staatsbürger ist, reiste lauf Ausländerbehörde am 9. November 2015 als “Zuzug von unbekannt“ nach Deutschland ein. Seit Dezember 2018 ist er im Landkreis Meißen gemeldet.

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Am 13. August 2019 wurde sein Asylantrag endgültig abgelehnt, gleichzeitig erlosch seine Aufenthaltsgenehmigung. Die Abschiebung musste aber wegen fehlender Reisedokumente ausgesetzt werden. Schon im Juli 2016 wurde die Abschiebung angedroht, konnte aber aus dem gleichen Grund nicht vollzogen werden. Es gab nun eine weitere befristete Duldung. Diese war am 5. Oktober vorigen Jahres ausgelaufen. Zu dieser Zeit saß er schon in Untersuchungshaft.

Jetzt hat er einen Termin, um in der afghanischen Botschaft einen neuen Reisepass zu beantragen: Mitte 2022.

Verfahren eingestellt

Schon 2017 war der Mann auffällig geworden. Die Staatsanwaltschaft Meißen ermittelte gegen ihn wegen gefährlicher Körperverletzung. Er soll in einem Park in Großenhain an einer Schlägerei zwischen Heranwachsenden beteiligt gewesen sein. Das Ermittlungsverfahren wurde wegen geringer Schuld eingestellt. Er sei provoziert worden, zudem habe keiner der Beteiligten bleibende Schäden erlitten, heißt es in der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft, welche die Vorsitzende Richterin verlas. Es habe kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestanden.

Als Zeugin gehört wurde am Montag die Kriminalistin, welche die Geschädigte im aktuellen Fall vernommen hat. Das erste Mal hat sie die junge Frau im Krankenhaus getroffen. „Sie war total verängstigt, stand unter Schock, weinte und sagte, dass sie Angst um ihr Leben hatte“, so die Ermittlerin. Der Angeklagte soll die junge Frau, nachdem sie sich gewehrt hatte, mit der Faust ins Gesicht und auf die Nase, welche blutete, geschlagen haben. Als die Frau um Hilfe rief, soll er sie mit dem Kopf ins Wasser der Elbe gedrückt haben. Sie sei entsetzt gewesen über das brutale Vorgehen. Zuvor hatte sie den Beschuldigten angefleht, damit aufzuhören, was dieser aber ignorierte, sagt die Polizistin.

Auch 13-Jährige belästigt?

Nicht nur die 17-Jährige hat der Angeklagte laut Aussage mehrerer Zeugen belästigt, sondern auch eine 13-Jährige. „Sie kam zu mir und sagte, dass er sie angefasst hat“, so der 17 Jahre alte Zeuge. Er habe sie beschützt. Einige Tage nach der Tat tauchte der Angeklagte uneingeladen und überraschend bei einer Geburtstagsfeier des Zeugen auf, bei der auch die Geschädigte anwesend war. Er wollte mit ihr reden. Was Inhalt des Gespräches war, konnte der Zeuge nicht sagen. Fraglich, ob es überhaupt zu einem Gespräch kam. Er hörte nur, wie die Geschädigte den Angeklagten anschrie: „Warum hast Du mir das angetan?“

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Ein Mann soll versucht haben, eine junge Frau zu vergewaltigen. Als sie sich wehrt, schlägt er sie und zieht sie in die Elbe. Seit Dienstag sitzt er vor Gericht.

Der Angeklagte schweigt vor Gericht zu den Vorwürfen. Bei der Polizei hatte er sich ausführlich geäußert und alle Schuld der Frau zugeschoben. Sie habe Sex mit ihm haben wollen, plötzlich Geld verlangt. Weil sie betrunken war, sei sie in die Elbe gefallen. Als er ihr helfen wollte, sei er auf sie gefallen, so seine Version. Das Verfahren wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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