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Fahrschüler ausgebremst

Die Fahrschulen öffnen wieder, aber Erste-Hilfe-Kurse dürfen nicht stattfinden. Oder doch? Für Fahrschüler gibt es ein Licht am Ende des Tunnels.

Bei der Fahrschule Gerber in Riesa und Gröditz können Führerscheinanwärter auch jetzt den Erste-Hilfe-Kurs machen. Fahrlehrerin Marie Gerber freut sich schon auf die nächsten Fahrstunden.
Bei der Fahrschule Gerber in Riesa und Gröditz können Führerscheinanwärter auch jetzt den Erste-Hilfe-Kurs machen. Fahrlehrerin Marie Gerber freut sich schon auf die nächsten Fahrstunden. © Fahrschule Gerber

Eine junge Fahrschülerin aus Riesa ist voller Vorfreude auf die Theoriestunden in ihrer Fahrschule: Endlich, so heißt es, dürfen Fahrschulen wieder vollumfänglich öffnen. Ihre Eltern rufen beim Deutschen Roten Kreuz in Riesa an, um ihre Tochter für den Erste-Hilfe-Kurs anzumelden, den sie für die Teilnahme braucht.

Sofort folgt die Enttäuschung: „Sie wollte am 12. April die Theorie beginnen und es scheitert am Erste-Hilfe-Kurs, da er für normale Fahrschüler nicht stattfindet“, sagt die Mutter. Die Frau beim DRK könne das auch nicht verstehen, aber sie dürfen nicht, erzählt die Mutter aus Riesa und bittet die SZ-Redaktion um Mithilfe: „Die Jugendlichen sind seit Monaten ausgebremst und meine Tochter ist am Boden zerstört.“

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Laut der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung dürfen Fahrschulen seit dem 8. März wieder vollumfänglich öffnen und Erste-Hilfe-Kurse sind wieder für alle erlaubt. Das bestätigt auch das Sozialministerium Sachsen: „Erste-Hilfe-Kurse können stattfinden, soweit sie für den Erwerb einer Fahrerlaubnis vorgeschrieben sind“, sagt Pressereferent Sören Granzow. Bereits vor dem 8. März galt diese Regelung für Personen, bei denen sie für die berufliche Tätigkeit vorgeschrieben sind. Dazu zählen zum Beispiel Ersthelfer in Unternehmen, Erste-Hilfe-Kurse im Rahmen der Pflegeausbildung oder des Medizinstudiums, sagt Sören Granzow.

Dennoch herrscht bei Bürgern, aber auch bei den Hilfsorganisationen vor Ort Verwirrung: „Vom ASB kam die Information, dass die Kurse stattfinden dürfen“, sagt die Mutter aus Riesa. Das Problem sei aber, dass es nirgends kommuniziert wird. Der Ausbildungsleiter im Bereich Erste Hilfe beim DRK-Riesa, René Epperlein, beruft sich auf die Vorgabe vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr: „Da steht eindeutig, dass bis zum 31. März die Öffnung und der Betrieb von Aus-, Fort- und Weiterbildungseinrichtungen untersagt ist.“

Lediglich unaufschiebbare berufsbezogene Fortbildungen seien erlaubt und René Epperlein fragt sich: „Was bedeutet das denn genau?“ Sollen die Azubis dann Bescheinigungen vom Arbeitgeber vorlegen? Hinzu käme, dass die meisten jungen Fahrschüler oft noch keine Azubis sind: „Ich verstehe die Fahrschüler, aber ich muss mich an diese Vorgaben halten“, sagt er.

Beim DRK Riesa gibt es derzeit also nur Erste-Hilfe-Kurse, wenn sie aus beruflichen Gründen notwendig sind, aber nicht für Jugendliche, die einfach so Lust auf einen Führerschein haben. So steht es auch auf der Internetseite mit drei Ausrufezeichen: Erste-Hilfe-Ausbildung startet wieder - aber noch keine Führerscheinkurse!!!“ Der Ausbildungsleiter habe auch mit Fahrlehrern aus der Region telefoniert, die sonst selbst Erste-Hilfe-Kurse anbieten: „Aber auch die haben mir bestätigt, dass sie das derzeit noch nicht dürfen“, sagt René Epperlein.

Beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) kann die junge Führerscheinanwärterin den Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Der Verbandsleiter vom ASB in Riesa, Alexander Kurz, bestätigt zwar, dass der Gesetzgeber sich in der neuen Verordnung nicht eindeutig ausdrückt, aber: „Auf die Nachfrage beim Sozialministerium wurde uns bestätigt, dass wir als Dienstleister der Fahrschulen ab sofort wieder Kurse für die Öffentlichkeit geben dürfen“, sagt er. Bereits diesen Samstag startet in Riesa der erste Kurs: „Wir versuchen alle 14 Tage immer samstags Kurse anzubieten, um den angestauten Bedarf zu kompensieren“, so der Verbandsleiter.

Es hätten sich bereits viele Fahrschüler nach den Erste-Hilfe-Kursen erkundigt. In den Räumlichkeiten, die der ASB zum Teil noch zusätzlich angemietet hat, können derzeit 20 Teilnehmer beschult werden. Allerdings nur mit einem tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest: „Wer einen Selbsttest machen will, muss das im Beisein des Kursverantwortlichen bei uns vor Ort durchführen“, sagt Alexander Kurz.

Auch die Fahrschule Gerber mit Hauptsitz in Gröditz und einer Niederlassung in Riesa bietet seit dem 8. März wieder Erste-Hilfe-Kurse für alle Fahrschüler an: „Wir haben kurzfristig vier Kurse organisiert, damit alle zeitnah einen Erste-Hilfe-Schein bekommen“, sagt der Inhaber Enrico Gerber. Den anderen Fahrschülern empfiehlt er, sich direkt mit ihrer Fahrschule in Verbindung zu setzen oder bei den Johannitern, dem ASB oder dem DRK nachzufragen. Und noch einen wichtigen Hinweis hat der Fahrlehrer: „Der Erste-Hilfe-Kurs ist nicht zwingend notwendig, um am Theoriekurs teilzunehmen, sondern wird erst für die Beantragung der Fahrerlaubnis benötigt.“

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