merken
PLUS Familienkompass 2020 Meißen Familienkompass

Familienkompass 2020: Alles im gelben Bereich im Elbland

Der aktuelle Familienkompass zeigt, dass sich Familien im Elbland wohlfühlen. Trotzdem landet der Landkreis nur auf dem vorletzten Platz.

Am besten hat im Landkreis Meißen die Kita-Qualität abgeschnitten.
Am besten hat im Landkreis Meißen die Kita-Qualität abgeschnitten. © Sebastian Schultz

Von Beate Erler

Meißen. Ein erster Blick in den neuen Familienkompass zeichnet für den Landkreis Meißen kein so erfreuliches Bild beim Thema Familienfreundlichkeit. Im Ranking mit insgesamt 13 Städten und Landkreisen haben die Familien den Landkreis auf den zwölften und damit vorletzten Platz gewählt. Zum Auftakt unserer Serie zur Familienfreundlichkeit in Sachsen liefert die SZ einen ersten Überblick zu den Ergebnissen im Elbland.

Anzeige
Raus in die Natur!
Raus in die Natur!

Sie sind noch auf der Suche nach einem neuen Ausflugsziel in der Region? Wie wäre es denn mit Großenhain?

Ein genauerer Blick in die Studie zeigt, dass die Elbländler zufriedener sind als die vorletzte Platzierung vermuten lässt. Es ist zwar nicht alles im grünen, aber dafür im gelben Bereich. Die 1.028 Teilnehmer, die im Landkreis befragt wurden, haben alle der zehn relevanten Themen mit dem gelben Mittelfeld bewertet (siehe Grafiken). Die Anwohner geben dem Landkreis damit insgesamt die Note 2,9. Zum Vergleich: Dresden steht im Ranking auf dem sechsten Platz viel weiter oben, spielt aber mit der Gesamtnote 2,81 etwa in der gleichen Liga.

Für die Umfrage haben die Familien zehn Themen mit Noten von 1 bis 5 bewertet. Am besten hat im Landkreis die Kita-Qualität abgeschnitten. So sind fast 80 Prozent der Befragten mit den Erziehern in den Einrichtungen zufrieden und beschreiben sie als engagiert. Ähnlich gut schätzen sie die Organisation der Kitas ein. Große Probleme gibt es dagegen mit der Personalausstattung. Hier finden über 50 Prozent der Befragten, dass es zu wenige Erzieher gibt.

Die Familien hatten auch die Möglichkeit, auf offene Fragen zu antworten, in denen sich diese Bewertungen wiederfinden. So sagt eine 66-jährige Coswigerin: „Es wird ständig vom Ausbau der Kitas gesprochen, aber über den geeigneten Betreuungsschlüssel und die gut ausgebildeten Fachkräfte spricht kein Politiker.“ Ähnliche Kritik kommt auch von einer 36-jährigen Frau aus Gröditz: „Der Betreuungsschlüssel in Krippe und Kita ist skandalös schlecht“, sagt sie, „die Erzieherausbildung braucht dringend mehr Qualität und sollte gut vergütet sein.“

Die schlechteste Bewertung hat das Thema Wohnen und Wohnumfeld im Landkreis erhalten: 40,8 Prozent der Befragten sind demnach mit dem Wohnungsangebot nicht zufrieden. Noch mehr von ihnen finden, dass die Wohnkosten zu hoch sind. Außerdem ist über ein Drittel der Meinung, dass für Kinder zu wenige Flächen zum Spielen und Toben zur Verfügung stehen.

So sieht das auch eine junge Meißnerin: „Es gibt in der Stadt viel zu wenig Beschäftigungsmöglichkeiten und Angebote für Kleinkinder. Es fehlt komplett an Freizeitmöglichkeiten“, sagt sie. Auch die Sauberkeit in der Stadt lässt nach Einschätzung einiger Befragter zu wünschen übrig: „Ob es das Flussbett ist oder der Radweg, sowie die Innenstadt oder Parkplätze, es gibt Müll an allen Ecken.“

© SZ Grafik
© SZ Grafik
© SZ Grafik
© SZ Grafik
© SZ Grafik
© SZ Grafik
© SZ Grafik

Weitere Themen, die für Familien interessant sind und darüber entscheiden, ob sie sich im Landkreis ansiedeln, wurden wie folgt bewertet: Familienpolitik (Note 2,67), Gesundheit (Note 3,21), schulischer Lehrbetrieb (Note 2,26) und Verkehr (3,14). Neu dazugekommen ist im aktuellen Familienkompass das Thema Arbeit. Auch hier zeigen sich einige interessante Ergebnisse.

So glauben immerhin fast 65 Prozent, dass ihr Arbeitsplatz sicher ist. Mit der Bezahlung sind ebenfalls mehr als die Hälfte (64 Prozent) zufrieden. Beim Thema Zukunftschancen für Kinder hingegen macht sich ein Großteil der befragten Eltern Sorgen: Fast die Hälfte findet, dass die beruflichen Chancen für ihre Kinder im Landkreis eher schlecht aussehen.

Zur Wirksamkeit der Studie gibt es bereits erste Erfahrungen aus dem Familienkompass von 2013: „Er wurde von der Politik mit großem Interesse aufgenommen“, sagt Projektleiter Christian Eißner, der zusammen mit der Evangelischen Hochschule Dresden (ehs) am Familienkompass arbeitet. In vielen Gemeinden seien aufgrund der Umfrage viele Probleme öffentlich geworden, von denen auch den Kommunalpolitikern in ihrer Dringlichkeit nicht alle bekannt waren, so Christian Eißner.

Ob die schlechte Qualität der Schulspeisung oder Probleme bei der Kitaplatz-Vergabe, durch den Familienkompass konnten bereits einige Verbesserungen erzielt werden, die den direkten Lebensalltag von Familien betreffen.

Weiterführende Artikel

Lommatzsch ist auf dem letzten Platz

Lommatzsch ist auf dem letzten Platz

Die Stadt tut nichts für Familien, dafür sind die Verkehrsbelastungen gering und die Mieten günstig.

Ärztenetz hui, Immobilienpreise pfui

Ärztenetz hui, Immobilienpreise pfui

Familie Schunack hat sich für ein Leben in Radebeul entschieden. Sie loben, dass alles dafür Notwendige auf kurzem Weg in der Stadt zu erreichen ist.

"Wer will, findet eine Beschäftigung"

"Wer will, findet eine Beschäftigung"

Familienkompass: Neben dem Bereich Gesundheit ist die Arbeit das einzige Thema, das im Großenhainer Land schlechter als im Kreis bewertet wird.

"Schön ist etwas anderes"

"Schön ist etwas anderes"

Mehr als 1.000 Menschen haben beim Familienkompass im Landkreis mitgemacht. Meißen belegt im Vergleich das Mittelfeld.

Mit der gemeinsamen Befragung wollen die Sächsische Zeitung, die Freie Presse und die Leipziger Volkszeitung herausfinden, wie familienfreundlich Sachsen ist. Dazu wurden insgesamt 15.000 Bürger befragt. Die Daten liefern Ergebnisse zum Thema bis in die kleinste Kommune hinein und sollen so gleichzeitig Handlungsempfehlungen geben.

Mehr zum Thema Familienkompass 2020 Meißen