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Schräge Vögel am Stadteingang

Wackelige Gerüste, Baulärm und Unwetter können den Meißner Künstler Leo nicht aufhalten. Am Albert-Mücke-Ring entsteht sein größtes Wandbild.

Bei seiner Arbeit in über 15 Metern Höhe wäre der Künstler Kay "Leo" Leonhardt fast vom Gerüst gefallen.
Bei seiner Arbeit in über 15 Metern Höhe wäre der Künstler Kay "Leo" Leonhardt fast vom Gerüst gefallen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wer in den letzten Monaten mit dem Meißner Künstler Kay "Leo" Leonhardt telefonierte, bekam den Eindruck, er befinde sich in einer anderen Wetterzone: Fast immer hat es bei Leo gestürmt. Es ist eben auch ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz, den sich der 55-Jährige ausgesucht hat und ein wackliger noch dazu. In über 15 Metern Höhe bemalt der Kunst- und Kulturpreisträger eine Fassade im Albert-Mücke-Ring. Damit bekommen seine schrägen Vögel einen besonders prominenten Platz - der selbst von der Niederauer Straße kaum zu übersehen ist.

Dafür musste er sein ruhiges Atelier gegen schmale Gerüstbretter tauschen: Ein kräftiger Windstoß und es trägt seine Pinsel zu Boden: "Als es besonders nass war, bin ich selbst abgerutscht. Ich konnte zwar noch reagieren, aber hier muss ich voll bei der Sache sein." Auch der Abstand zur "Leinwand" ist ungewöhnlich, Bauarbeiten bringen das Gerüst zum Wackeln. Im schlimmsten Fall regnet es.

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Ideale Bedingungen zum Malen sind so selten, dass das Wandbild nicht wie geplant zum Ende des Monats fertig wird. "Anders als im Atelier, kann ich mir an einem schönen Abend auch keinen Kaffee holen und weiterarbeiten." Doch Leo ist zuversichtlich: "Wenn das Wetter so wird, wie es die Sonne auf der Fassade verspricht, bin ich in 14 Tagen fertig."

Mit seinem wimmelartigen Wandbild - in der Mitte eine große Sonne - versucht der Meißner Künstler möglichst viele Aspekte der Stadt zu verewigen: Ein Vogel, der beim Weinfest zu fröhlich gefeiert hat, ein Banker-Vogel, schließlich muss das Bauprojekt finanziert werden, ein Karnevals-Vogel, darüber die Seeg-Vögel, die den Überblick behalten. Auch ein Strand mit Palmen wurde vorsorglich dazu gemalt: "Wer weiß, wie es nach dem Klimawandel in Meißen aussieht", so der Künstler. Dazwischen prangt Leos Lebensmotto: Wer Neues wagt, dem wachsen Flügel. Mit typischem Augenzwinkern möchte er Freude verbreiten und Groß und Klein etwas zu entdecken geben.

Die neue Kunstfassade ist Teil der umfangreichen Sanierungsarbeiten der städtischen Wohngesellschaft Seeg, die das ganze Wohngebiet seit 2017 für 20,5 Millionen saniert: Neben neuen Balkonen und Aufzügen entstehen 15 neue Reihenhäuser.

Mit Leonhardt hat die Seeg einen bewährten und erfahrenen Partner gefunden, der auch die Fassade der Zahnarztpraxis Lenzner & Wende gestaltete - seine bisher größte Wandmalerei. Die Arbeit am Albert-Mücke-Ring ist mit 160 Quadratmetern noch mal deutlich größer.

Seit August 2019 wird das Projekt bereits geplant, denn um das Projekt zu realisieren, waren viele Vorarbeiten notwendig: Denn ein daumengroßer Vogel auf der Skizze, ist auf der Wand etwa 80 Zentimeter groß. Um die Skizze richtig auf die Wand zu übertragen, wurde er vom Team "Die Blickpunkte" aus Nieschütz unterstützt. Vor allem ist es wichtig, dass die Perspektive beim Blick von unten stimmt.

Die Bauarbeiten bringen das Gerüst zum Wackeln, im schlimmsten Fall regnet es, trotzdem muss jeder Pinselstrich sitzen.
Die Bauarbeiten bringen das Gerüst zum Wackeln, im schlimmsten Fall regnet es, trotzdem muss jeder Pinselstrich sitzen. © Claudia Hübschmann

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