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Meißen

Frauenkirche bekommt Orgel zurück

Seit 2019 wird sie von Orgelbau Jehmlich repariert. Jetzt verrät der Geschäftsführer, wann erste Teile geliefert werden und wie sich Corona auf seine Arbeit auswirkt.

In seiner Werkstatt erklärte Ralf Jehmlich Anfang des Jahres, wie lang die Restaurierung der Orgel noch dauert. Jetzt kommt sie wieder nach Meißen.
In seiner Werkstatt erklärte Ralf Jehmlich Anfang des Jahres, wie lang die Restaurierung der Orgel noch dauert. Jetzt kommt sie wieder nach Meißen. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

Meißen/Dresden. Die Orgel aus der Frauenkirche wäre wie ein Pfefferkuchen. So hat sie Ralf Jehmlich Anfang des Jahres beschrieben. Der Geschäftsführer von Jehmlich Orgelbau Dresden meint damit, dass viele Holzteile der Trakturanlage vom Holzwurm zerfressen waren. Bei der Säuberung der Orgel kamen sogar noch mehr Löcher zum Vorschein als vermutet, so Ralf Jehmlich. Deswegen und weil auch noch andere Projekte abgeschlossen werden mussten, hätten sich Arbeiten etwas verzögert. „Aber wir bleiben noch im Zeitplan.“

Mitte Oktober treffen die ersten Orgelteile in der Frauenkirche ein. Der Inhaber führt so die Tradition seiner Familie fort – in sechster Generation. 1808 haben seine Vorfahren mit dem Orgelbau begonnen. Die Dresdner Werkstatt gibt es seit 1826. Als weltweit älteste Orgelbau-Firma in Familienhand, bearbeiten die Mitarbeiter Ralf Jehmlichs mehrere Projekte parallel. Darunter zählen insgesamt 1.161 neue Orgeln seit dem 19. Jahrhundert. Mittlerweile werden eher alte Orgeln restauriert, als neue gebaut. So wie die Orgel aus der Meißner Frauenkirche. Die Besonderheit: Sie wurde von Bruno und Emil Jehmlich 1929 gebaut. Das ist die dritte Generation der Familie.

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Der Holzwurm hat vor allem die Trakturanlage durchlöchert. Sie ist die Verbindung zwischen Pfeifen und Spieltasten. Wenn sie undicht wird, erklingt kein Orgelton.
Der Holzwurm hat vor allem die Trakturanlage durchlöchert. Sie ist die Verbindung zwischen Pfeifen und Spieltasten. Wenn sie undicht wird, erklingt kein Orgelton. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

Corona: Ohne Kirchengemeinschaft kein Orgelbau

In den vergangenen Monaten hat sich die Corona-Pandemie kaum auf die Dresdner Werkstatt ausgewirkt. „Generell dauert es ein bis zwei Jahre, bis Wirtschaftskrisen bei uns im Orgelbau ankommen“, sagt Ralf Jehmlich. Gerade das Meißner Projekt ist mit Mitteln des Bundesministeriums für Kultur gefördert. Ob es die nach Corona noch gibt, bleibt fraglich. „Das macht mir und meiner Branche schon Bauchschmerzen.“ Denn der Orgelbau braucht die Förderungen. Oftmals können sich Kirchgemeinden die Restaurierung sonst nicht leisten.

Doch Ralf Jehmlich ist zuversichtlich. Durch die langanhaltende „digitale Phase“ in den vergangenen Monaten sehnen sich viele nach dem Konzerterlebnis in der Kirche. „Dieses wird jetzt sicherlich ganz anders wertgeschätzt, nach der langen Pause“, so der Geschäftsführer. Die Frage sei nur, ob es dann noch genug Organisten gebe. Wie viele andere Künstler sind sie auf Konzerte angewiesen. Wenn diese nicht möglich sind, verdienen sie kein Geld. „Wir hoffen, dass sie so lange durchhalten, bis größere Veranstaltungen wieder möglich sind.“

Denn der Orgelbau ist ein Kunsthandwerk, das immer auch eingebettet ist – in das kulturelle und soziale Leben der Kirchen. „Die Gemeinden verdienen mit Konzerten Geld, das in den vergangenen Monaten fehlte. Mitarbeiter waren ebenso von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit betroffen.“ Der Orgelbau sei darauf angewiesen, dass diese Strukturen erhalten bleiben. Denn ohne das Leben in den Kirchen gebe es keinen Orgelbau, erklärt Ralf Jehmlich.

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