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Freistaat Sachsen baut nicht

Bis Ende dieses Jahres sollte die Süd-Ost-Umfahrung in Lommatzsch fertig sein. So verkündet es ein Bauschild. Doch daraus wird nichts.

Das Bauschild ist Makulatur. Mit viel Glück könnte der Bau der Umgehungsstraße im Herbst beginnen und ein Jahr später fertig sein.
Das Bauschild ist Makulatur. Mit viel Glück könnte der Bau der Umgehungsstraße im Herbst beginnen und ein Jahr später fertig sein. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch/Dresden. Darauf hat man in Lommatzsch lange gewartet, auf den Bau einer Südostumgehungsstraße. Mit dem Bau einer solchen Straße würde das Ortszentrum der Kleinstadt teilweise vom Schwerlastverkehr in und aus Richtung Meißen entlastet. Diese Straße soll nun entstehen." Hier baut der Freistaat Sachsen" verkündet großspurig eine Bautafel am Daubnitzer Weg. Doch der Freistaat baut nicht. Jedenfalls nicht die angekündigte Ortsumfahrung.

2019 hatte die Landesdirektion Sachsen (LDS), die etwa einen Kilometer lange Umgehungsstraße Süd-Ost genehmigt. Nicht nur Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) hatte darauf gehofft, dass der Bau noch im gleichen Jahr beginnt. Aber die Hoffnung schwand schnell. Für den Baubeginn können keine konkreten Aussagen getroffen werden. Die Mittel könnten erst für 2020 bereitgestellt und die Baumaßnahme in das Bauprogramm 2020 eingeordnet werden, hieß es damals aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv).

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Ein Regenrückhaltenecken entsteht derzeit in Lommatzsch nahe der künftigen Südostumfahrung. Doch der Straßenbau muss noch warten.
Ein Regenrückhaltenecken entsteht derzeit in Lommatzsch nahe der künftigen Südostumfahrung. Doch der Straßenbau muss noch warten. © Gerhard Schlechte

Kosten wohl erheblich gestiegen

Die für den einen Kilometer langen Abschnitt im Jahr 2016 berechneten Kosten lagen bei rund 2,5 Millionen Euro. Inzwischen dürften sie erheblich gestiegen sein. Dieser zweite Abschnitt der Ortsumfahrung im Südosten soll direkt an den bereits vorhandenen der Südumgehung der Staatsstraße 32 zwischen Raubaer und Mertitzer Straße anschließen und etwa in Höhe des Daubnitzer Weges in die S 32 münden. Es entstehen dabei zwei Kreisverkehre und eine Einmündungskreuzung ohne Ampel. Die Kreisverkehre dienen als Verbindung der Mertitzer Straße und Glashüttenstraße im Süden sowie als Nahtstelle der neuen Umgehungsstraße mit der Meißner Straße im Osten.

Nun bestand begründete Hoffnung, dass der Bau nicht nur in diesem Jahr beginnt, sondern auch bis Dezember abgeschlossen sein wird. So ist es jedenfalls auf einem vor einiger Zeit aufgestellten Bauschild zu lesen. Auch Arbeiten für ein Regenrückhaltebecken sind am Daubnitzer Weg in vollem Gange. Doch die Bürgermeisterin ist pessimistisch, was den Bau betrifft: "Von einer Fertigstellung im Dezember 2021 kann niemand mehr realistisch ausgehen. Wir können froh sein, wenn das Landesamt für Straßenbau und Verkehr diese Straße – trotz vorliegender Planung und Genehmigung sowie der Realisierung des Rückhaltebeckens – überhaupt noch in diesem Jahr beginnen kann. Wir drücken fest die Daumen, dass die staatlichen Gelder dafür endlich freigegeben werden und die Ausschreibung beginnen kann", sagt sie.

Wohl ein Jahr Verspätung

Der Pessimismus ist begründet, wie Rosalie Stephan, Pressesprecherin der Lasuv, der SZ auf Nachfrage mitteilt: "Erst mit dem Beschluss des Sächsischen Doppelhaushaltes und der Bereitstellung der benötigten Haushaltsmittel kann die Ausschreibung für den Straßenbau erfolgen. Zuvor durften im Rahmen der vorläufigen Haushaltsführung nur absolut notwendige gesetzliche Ausgaben getätigt werden", sag sie. Der Baubeginn könnte nun voraussichtlich im Herbst erfolgen. Mit dem Abschluss der Arbeiten wäre dann im Herbst 2022 zu rechnen, so die Pressesprecherin. Mit anderen Worten: Weder steht bisher das Geld zur Verfügung, noch wurden die Arbeiten bisher ausgeschrieben, vom Baubeginn gar nicht zu reden.

Eine generelle Lösung, um den Lastwagen- und landwirtschaftlichen Verkehr komplett aus der Stadt verbannen zu können, wäre die Südostumfahrung ohnehin nicht. Dazu wäre ein weiterer Abschnitt, eine Nordumfahrung, nötig. Diese könne nach den Vorstellungen der Stadt von der Staatsstraße 32 etwa in Höhe Ochsenstraße nördlich der Bebauung verlaufen und in die Weissacher Straße münden.

Doch dafür kam schon aus Dresden das Nein. Das Bauprojekt ist nicht einmal im Landesverkehrsplan 2030 enthalten. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis für diese Straße liege bei kleiner als eins, heißt es vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA). Damit sei das Projekt nicht bauwürdig. Die erheblichen Eingriffe in Natur und Landschaft und die Inanspruchnahme landwirtschaftlich genutzter Flächen für eine neue Straße mit einer prognostizierten Verkehrsbelegung von 2.000 Kraftfahrzeugen in 24 Stunden könnten in einem Planfeststellungsverfahren nicht begründet werden. (mit ub)

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