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Den Vogel gezeigt

Der Meißner Ornithologe Bernd Katzer hat Generationen von Kindern für die Vogelwelt begeistert. Für die SZ blickt er auf glückliche Jahre zurück.

Seit 50 Jahren ist der Meißner Bernd Katzer Ornithologe und sieht in der Vogelkunde mehr als ein Hobby.
Seit 50 Jahren ist der Meißner Bernd Katzer Ornithologe und sieht in der Vogelkunde mehr als ein Hobby. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der Artikel in der SZ vom 4. Oktober "Geld macht glücklich - Vögel machen glücklicher" sprach mir aus dem Herzen! Seit 50 Jahren bin ich Ornithologe, kenne nicht alle Vögel der Welt (über 10.000 Arten), aber die 300 Vogelarten, die in Deutschland vorkommen, schon eher.

Mit 18 Jahren schloss ich mich mit Dieter Scharnhorst der Fachgruppe Ornithologie Meißen an. Die Vögel lernt man nach und nach in den Jahren kennen. Ornithologie – die Vogelkunde – ist dabei oft mehr als nur ein Hobby. Mir ging es manchmal so, dass ich im Monat Mai jeden Samstag und Sonntag, früh um 5 Uhr oder 6 Uhr, eine Vogelstimmenwanderung hatte.

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Meiner Frau war das gar nicht recht und sie meinte, dass ich übertreibe. Im Nachhinein betrachtet, hatte sie wahrscheinlich recht. Zu DDR-Zeiten machten wir ja alles umsonst - ohne einen Pfennig – so waren wir erzogen. Es hatte aber auch sein Gutes !

Nur was man kennt, wird man schützen

Das Kennenlernen der Vögel ist eine wichtige Voraussetzung für den Vogelschutz: Denn nur was man kennt, wird man auch schützen. Dieser Schutz war aber gar nicht so einfach. Das merkte ich von Oktober 1990 bis Mai 1992, als ich unter Günter Naumann Referatsleiter Naturschutz im Landratsamt Meißen war. Zu dieser Zeit wurde die Nassau zum Landschaftsschutzgebiet.

Wir hatten damals circa 30 Brutpaare vom Kiebitz über Rebhühner, Schafstelzen und Braunkehlchen bis hin zum Wiesenpieper. Es blühten auch noch Orchideen. Dann wurde entwässert, Drainagerohre gelegt. Das war der Anfang vom Artenschwund. Heute ist nichts mehr da.

Früher schrieb ich oft Artikel über Vögel in der SZ . Von 1979 bis 2011 war ich Vogelberinger, beringte mit Helfern in 32 Jahren insgesamt 13.338 Vögel aus 126 Arten. 27 Jahre war ich Bezirksberingungsobmann vom Regierungsbezirk Dresden, 40 Jahre lang Artbetreuer des Weißstorches im Altkreis Meißen und Objektbetreuer vom Roitschberg Gröbern am Rande der Nassau.

Dann konnte ich auch 16 Jahre als Umweltpädagoge im Jugend-Öko-Haus Dresden im Großen Garten arbeiten. Es erschienen 16 Naturkundliche Jahresschriften Großer Garten Dresden. Hier konnte ich viele Kinder und Jugendliche für unsere schöne Natur begeistern. Einige danken es mir heute noch.

Entspannung, Erholung, Abschalten vom Stress

Die Vögel waren schon immer die Lieblinge der Menschen. Deshalb ist deren Beobachtung – am besten mit einem guten Fernglas – nicht nur ein schöner Zeitvertreib, nein – mehr noch: es ist Entspannung, Erholung, Abschalten vom Stress bis hin zur Freude und zum Erlebnis. Wer ein Futterhaus vor dem Fenster hat, sieht jetzt Kohl-, Blau-, Tannen-, Hauben- und Sumpfmeisen. Bunt- und Grünspechte, Amseln, Kleiber, Buch-, Grün- und Bergfinken, auch Haus- und Feldsperlinge, vielleicht auch Rotkehlchen und Zaunkönig.

Auch wenn viele Vogelarten verschwunden sind, dürfen wir nicht nachlassen, für unsere Vögel zu kämpfen. Bei mir am Futterhaus werden die Vögel weniger; dann werde ich auch traurig, da ein Teil meines Lebens schwindet. Damit die Vögel bleiben, füttere ich verschiedene Sorten Futter, vom Meisenknödel bis hin zu Beeren aus der Natur und die unverwüstlichen Sonnenrosenkerne.

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