merken
PLUS Meißen

So liefen die Weinfeste in Meißen und Radebeul

Zehntausende Besucher haben im Elbtal die Weinlese gefeiert. Für die Organisatoren in Altkötzschenbroda und Meißen war es ein Spagat.

Die Sächsische Weinkönigin Nicole Richter (l.) und die Sächsische Weinprinzessin Sabrina Papperitz genießen zum Radebeuler Weinherbst auf dem Anger in Radebeul-Altkoetzschenbroda ein Glas sächsischen Rotwein. Sie waren auch gemeinsam beim Meißner We
Die Sächsische Weinkönigin Nicole Richter (l.) und die Sächsische Weinprinzessin Sabrina Papperitz genießen zum Radebeuler Weinherbst auf dem Anger in Radebeul-Altkoetzschenbroda ein Glas sächsischen Rotwein. Sie waren auch gemeinsam beim Meißner We © Norbert Millauer

Meißen/Radebeul. Der große Parkplatz an der Elbe ist brechend voll und auf der Altstadtbrücke strömen die Menschen am späten Samstagnachmittag Richtung Innenstadt. Wer sich nicht sofort in den größten Trubel am Heinrichsplatz stürzen will, biegt erst einmal links ab in Richtung Rote Schule. Aber nicht bevor man sich direkt am Eingang das erste Glas vom Weingut Schloss Proschwitz genehmigt. Im Innenhof der Roten Schule ist das Festareal der Winzergenossenschaft Meißen. Links und rechts stehen voll besetzte Bänke, ein Stand der Winzergenossenschaft und eine große Bühne, auf der gerade das Duo Boomerang aus Dresden seine Lieblingslieder covert.

Wenige Schritte weiter hat sich der Kleinmarkt in einen Minirummel verwandelt, mit altem Karussell, Luftballonverkauf und Imbissständen. Auf dem übervollen Heinrichsplatz begrüßt Fellbach, die Partnerstadt von Meißen, die Gäste mit baden-württembergischen Weinen. Hier steht die größte Bühne und tummeln sich die meisten Besucher. Das Fest und die Stimmung in Meißen erinnern im Vergleich zu Radebeul eher an ein großes Volksfest als an ein Weinfest.

Anzeige
Europas größte Pferdshow ist wieder da
Europas größte Pferdshow ist wieder da

Europas beliebteste Pferdeshow kehrt auf die Bühne zurück. Am 23. und 24. Oktober gibt es in der SACHSENarena das Beste aus den vergangenen Jahren zu erleben.

Blick auf den Heinrichsplatz. Hier präsentierten sich die Fellbacher Winzer.
Blick auf den Heinrichsplatz. Hier präsentierten sich die Fellbacher Winzer. © Claudia Hübschmann

Auch das Weinfest in Meißen will so viel wie möglich an das traditionelle Flair vor Corona anknüpfen und trotzdem die Vorsicht nicht zu kurz kommen lassen. Wie auch in Radebeul steigt das größte Fest der Stadt ohne 2G- oder 3G-Regelung. Dafür bleibt der historische Marktplatz leer, um zu viel Gedränge zu vermeiden. Das Fest verteilt sich auf 15 Standorte in der Altstadt sowie auf die rechte Elbseite mit der Weinmeile Spaar.

Trotzdem ist es fast so voll wie in normalen Jahren: „Das Konzept die Besucheranzahl zu minimieren, geht nicht wirklich auf“, sagt ein Besucher, „das läuft hier ziemlich aus dem Ruder.“ Im Gegensatz zum Radebeuler Weinherbst ist eine Kontrolle der Besucherzahlen, aufgrund der vielen Zugänge zur Altstadt, nicht möglich. Auf die Maskenpflicht wird vor den Buden hingewiesen, aber wie in Radebeul trägt hier niemand den Mundnasenschutz.

Enger als geplant ging es auf der Burgstraße zu.
Enger als geplant ging es auf der Burgstraße zu. © Claudia Hübschmann

Um einiges beschaulicher ist es da auf dem Gelände der ehemaligen Rollschuhbahn auf dem Weinkulturplatz Spaar. Der Radebeuler Gitarrist Julian Wolf hat gerade sein Konzert beendet, überall auf dem Platz stehen Tische verteilt, an denen Wein getrunken und dem Programm gelauscht werden kann. Von hier aus gelangt man in nur wenigen Schritten hinauf zum Mariaberg von Winzerin Anja Fritz, für die das Meißner Weinfest diesmal direkt auf ihrem Weinberg stattfindet: „In der Altstadt ist es mir inzwischen zu kommerziell und zu überlaufen“, sagt die Winzerin, „ich finde unseren Weinkulturplatz sehr schön, denn hier treffen sich alle Winzer aus Spaar.“ Das Weingut Schwarz, Mariaberg, Vincenz Richter und die Weinbaugemeinschaft Spaar.

Seit 2011 stand Anja Fritz sonst beim Weinfest auf der Marktgasse oder dem Theaterplatz, aber sie und ihre Besucher finden: „Das Schönste ist doch, den Wein dort zu trinken, wo er wächst.“ Sie bewirtschaftet zwei Hektar mit Traminer, Grauburgunder, Weißburgunder und Schieler. Leider ist die Weinlese dieses Jahr eine Notlese, sagt die Winzerin: „Die Witterung war zu schlecht und nass.“

Steam Punker treffen auf Gäste aus Magdeburg und trinken zusammen Wein auf dem Theaterplatz.
Steam Punker treffen auf Gäste aus Magdeburg und trinken zusammen Wein auf dem Theaterplatz. © Claudia Hübschmann

Auf dem Theaterplatz in Meißen sind Einheimische mit Touristen aus Magdeburg ins Gespräch gekommen: „Das ist typisch für das Weinfest, dass man hier Leute kennenlernt“, sagt Christian Friedemann aus Weinböhla. Er, seine Begleiterin Marina und Thomas Unger tragen Outfits der Subkultur Steampunk, die an die Mode des viktorianischen Zeitalters erinnert. Wie gefällt ihnen das veränderte Weinfest? „Eigentlich merken wir kaum einen Unterschied“, sagen sie, „mal abgesehen vom leeren Marktplatz ist eigentlich alles wie immer.“ Nur das Angebot an Meißner Winzern könnte größer sein, finden sie: „Wir haben eine Weile gesucht, bis wir, abgesehen von der Winzergenossenschaft, noch etwas anderes gefunden haben.“

Alle Bänke auf dem Kirchplatz von Altkötzschenbroda sind am frühen Samstagnachmittag besetzt, als die Band Krambamuli aus Dresden zu spielen beginnt. Auf den Tischen stehen Weingläser, gefüllt mit Federweißer, Schieler, Weißburgunder oder einem anderen Tropfen der Radebeuler Weine. Zu dieser Zeit ist die Veranstaltungsinsel vor der Friedenskirche die bestbesuchte. Hier stehen auch die meisten Radebeuler Winzer mit ihren Ständen: Die Weingüter Drei Herren, Frédéric Fourré, Karl Friedrich Aust und Ulf Große zum Beispiel.

Im Gegensatz dazu ist der Anger von Altkötzschenbroda im Vergleich zu den Vorjahren fast leer. Dort, wo sich sonst Büdchen an Büdchen reiht, stehen jetzt nur vereinzelt wenige kleine Händler, die Federweißer und Zwiebelkuchen anbieten. Gegen 15 Uhr flaniert die frisch gekürte sächsische Weinkönigin Nicole Richter in Begleitung der Weinprinzessin Sabrina Papperitz über den Platz am Kuffenhaus: „Gestern Abend haben wir das Weinfest in Meißen mit einem Trinkspruch eröffnet“, sagen die beiden Weinhoheiten. Heute freuen sie sich auf das ein oder andere Glas Bacchus oder Traminer, die sie am liebsten mögen.

Am Stand des Radebeuler Weingutes Ulf Große auf dem Radebeuler Weinherbst auf dem Anger in Radebeul-Altkötzschenbroda schenkt ein junger Mann Weißwein der Sorte Schieler in ein Glas.
Am Stand des Radebeuler Weingutes Ulf Große auf dem Radebeuler Weinherbst auf dem Anger in Radebeul-Altkötzschenbroda schenkt ein junger Mann Weißwein der Sorte Schieler in ein Glas. © Norbert Millauer

Am Eingang zum Kirchplatz stehen Andrea Müller und Maria Ludwig. Sie zählen die Besucher, die das Festgelände betreten. Wenn der Halbkreis auf ihrem Handy in den roten Bereich vorrückt, müssen sie die Gäste auf eine der anderen beiden Veranstaltungsinseln verweisen: „Zurzeit sind über 400 Leute drin, aber wir mussten noch niemanden wegschicken, weil gleichzeitig ja auch viele Besucher das Gelände verlassen“, sagen sie.

Maximal 750 Gäste dürfen auf das Gelände vor der Friedenskirche, denn die Händler, Musiker und Artisten werden auch mitgezählt. Außerdem stehen zwei Buden auf dem Anger, wo sich die Besucher ihr persönliches Weingläschen für zwei Euro kaufen und es den Rest des Tages verwenden können. Auch das gehört zum Hygienekonzept auf dem Weinherbst.

Einige Abstriche mussten die Veranstalter beim kulturellen Programm machen. Das Wandertheaterfestival war mit sieben Solokünstlern und Gruppen dabei und ebenso mehrere Solomusiker und Bands. Dennoch fehlte vor allem das Straßentheater, das sonst an allen Festtagen über den Anger verteilt die Besucher unterhält. Am Samstagnachmittag spielten unter anderem die Elbzigeuner auf den Streuobstwiesen und im Hoftheater der Hausnummer 15 trat der Clown Flash Gonzalez vor 400 voll besetzten Stühlen auf und brachte das Publikum zum Lachen und Jubeln. Auf dem Kirchplatz in Altkötzschenbroda spielten die Musiker von Krambambuli Gypsy Swing, klassische Musette, gefühlvollen Tango sowie Jazz und Folk.

In Radebeul dreht das Theaterkarussell von Georg Traber und dem Duo Draak vor dem Kuffenhaus auf dem Anger in Radebeul seine Runden.
In Radebeul dreht das Theaterkarussell von Georg Traber und dem Duo Draak vor dem Kuffenhaus auf dem Anger in Radebeul seine Runden. © Norbert Millauer

Auf einer Bank inmitten des Angers sitzt die dreiköpfige Familie Döring aus der Dresdner Neustadt. Der junge Familienvater kennt das Radebeuler Weinfest noch aus anderen sehr vollen Jahren und findet das neue pandemiebedingte Konzept sogar besser: „Es ist viel angenehmer so, weil überall weniger Trubel ist, denn ich mag so große Menschenmassen nicht besonders“, sagt der Dresdner, der in Radebeul arbeitet.

Die Veranstalter haben alles gut durchdacht, finden sie, und sie haben gesehen, dass die Einlasskontrollen an den Veranstaltungsinseln eingehalten werden. Eine Flasche vom Winzerhof Rößler aus Radebeul haben sie sich auch gesichert.

Weiterführende Artikel

So reagiert das Kulturamt auf die Kritik am Weinfest

So reagiert das Kulturamt auf die Kritik am Weinfest

Am zweiten Tag nach dem Festwochenende zieht der Organisator ein Resümee. Zuvor gab es unzufriedene Stimmen.

Weinfest Meißen mit weniger Alkoholopfern

Weinfest Meißen mit weniger Alkoholopfern

Dank einer Unfallhilfsstelle vor Ort konnten die Helfer des DRK die Krankenhäuser und den Rettungsdienst vor unnötigen Einsätzen bewahren.

Harsche Kritik hagelt es für das Radebeuler Weinfest

Harsche Kritik hagelt es für das Radebeuler Weinfest

Lange Schlangen am Eingang und vorm Imbiss mussten die Besucher erdulden. Sie gehen in sozialen Netzwerken mit dem diesjährigen Konzept hart ins Gericht.

Es gibt aber auch Besucher, die von den Absperrungen vor dem Kirchplatz und dem Kuffenhaus wenig halten: „Das führt nur zu unnötigen Menschenansammlungen statt zu Verteilung und ist somit wenig zielführend“, sagt ein Besucher aus Dippoldiswalde. Wegen des neuen Festformates war der Eintritt zum Radebeuler Weinfest in diesem Jahr frei. Die Veranstalter hatten allerdings darauf hingewiesen, dass Besucher gern eine Spende in den Hut werfen können.

Mehr zum Thema Meißen