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„Für Meißen begeistern“

Mit Dresden, Radebeul und Moritzburg will Meißen den Tourismus ankurbeln. Wie das funktionieren soll, wollte SZ von Stadtmarketing-Chef Friedel wissen.

Christian Friedel ist seit 2015 Amtsleiter für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur im Meißner Rathaus.
Christian Friedel ist seit 2015 Amtsleiter für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur im Meißner Rathaus. © Claudia Hübschmann

Herr Friedel, je mehr das Ende der pandemiebedingten Einschränkungen absehbar wird, umso mehr werden wir mit Werbung für Reiseziele regelrecht bombardiert. Im Fernsehen, Rundfunk und im Internet machen Regionen wie Kärnten oder Bayern aber auch Kreuzfahrt-Anbieter massiv auf sich aufmerksam. Was kann Meißen dem entgegensetzen?

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Auch in diesem Jahr werden viele ihren Urlaub im Inland planen. Das ist unsere Zielgruppe, bei der auch wir auf unsere Stadt aufmerksam machen. Dabei können wir auf dem Maßnahmenpaket von 2020 aufbauen. Das hat dazu beigetragen, dass Beherbergungsbetriebe im vorigen Sommer – nach dem ersten Lockdown – eine Auslastungsquote von 80 bis 90 Prozent verzeichnen konnten und die Stadt von sehr vielen Gästen besucht wurde.

Was haben Sie vor?

Zusätzlich zu den regulär eingeplanten Marketingaktivitäten haben wir im Amt für Stadtmarketing, Tourismus und Kultur ein neues Soforthilfe-Maßnahmenpaket geschnürt, um direkt und indirekt vom Tourismus abhängige Betriebe zu unterstützen. Das soll vor allem durch Werbung in der digitalen und realen Welt, neue kulturelle und Maßnahmen im Bereich Wirtschaftsförderung und die Optimierung der touristischen Infrastruktur in der Stadt geschehen.

Was ist unter der Optimierung der touristischen Infrastruktur zu verstehen?

Dazu gehören die neuen Fahrradfahrer-Rastplätze samt Fahrradboxen, Service-Station, E-Bike-Aufladung, Picknickecke, die gerade am Kaendlerpark in Betrieb genommen wurden. Weitere kommen an der Marktgasse dazu. Seit kurzem hat sich Meißen einem Bike-Sharing-System angeschlossen: An der Tourist-Info am Markt, am Elbkai und in Kürze auch an der Porzellan-Manufaktur kann man Fahrräder per Handy-App mieten und an anderen Orten im Elbland wieder abgeben. Außerdem sind wir gerade dabei, die Ausschilderung von Wanderwegen zu erneuern und zu verbessern. All diese neuen Aktiv-Angebote werden natürlich zielgerichtet beworben.

Im vorigen Jahr konnten Sie über zusätzlich 70.000 Euro verfügen, die die Stadträte aus dem Meißner Haushalt für das Stadtmarketing freigegeben hatten. Infolge sinkender und ausfallender Einnahmen in die öffentlichen Kassen ist nun aber überall Sparen angesagt. Wie soll Ihr Maßnahmenpaket finanziert werden?

Etwas Geld konnte eingespart werden. Wegen der Pandemie fielen touristische Messen aus, auf denen sich Meißen präsentieren wollte. Dadurch wurden Mittel in Höhe von 10.000 Euro frei. Zudem sind vom zusätzlichen Budget aus dem vorigen Jahr 10.000 Euro übrig und ins Jahr 2021 übertragen. Für einzelne Maßnahmen wurde des Weiteren eine Förderung beantragt. Um eine ebenso hohe Reichweite wie vergangenes Jahr zu erzielen, haben wir uns mit anderen Kommunen wie Moritzburg und Radebeul, touristischen Einrichtungen wie der Porzellan-Manufaktur sowie dem Tourismusverband Elbland-Dresden e.V. und der Dresden Marketing GmbH zusammengeschlossen, um auch gemeinsam überregional für einen Besuch in Meißen und dem Sächsischen Elbland zu werben.

Wo hat Werbung für Meißen und das Elbland die besten Chancen?

Wir selber haben vor allem Ballungsräume in Sachsen sowie in den benachbarten Bundesländern Thüringen und Brandenburg, aber auch Polen und Tschechien im Blick. Gemeinsam mit den touristischen Partnern werden wir in ausgesuchten deutschen Metropolen auf Großplakaten sowie in Berlin auf 30 Bussen auf uns aufmerksam machen. Auch werden Anzeigen in überregionalen Zeitungen wie den Magazinen von Zeit und Süddeutscher Zeitung, im Berliner Tagesspiegel geschalten. Wir werden zudem in der Reisesendung eines viel gehörten Radiosenders werben, um auch in Bayern und Baden-Württemberg ins Elbland einzuladen.

Läuft Meißen nicht Gefahr, unter den vielen Sehenswürdigkeiten aus Dresden, Radebeul und Moritzburg kaum noch wahrgenommen zu werden?

Nein, keinesfalls, da Meißen über hervorragende Alleinstellungsmerkmale verfügt. Ich sage nur die historische Altstadt mit Albrechtsburg und Dom, das Meissener Porzellan, den Wein, die traumhafte Landschaft im Elbtal und vieles mehr. In der gemeinsamen Werbekampagne für das Elbland tritt die Stadt Meißen mit einem eigenen Motiv an. Das vergangenes Jahr initiierte Jahresthema „Romantik pur“ – bei dem wir uns auf die Wahl Meißens zu einer der romantischsten Städte Deutschlands beziehen – wird während der Pandemie fortgeführt und auch unsere klassischen Alleinstellungsmerkmale dadurch kommuniziert. Am Jahresthema für 2021 arbeiten wir gerade, dazu in Kürze mehr.

„Romantik pur“ zielt vor allem auf diejenigen potenziellen Besucher, die Städte sehen, bummeln, shoppen und genießen wollen. Sie wollen aber auch auf Plattformen wie Outdoor-Active und Komoot, die Programme für Aktivtouristen zusammenstellen, für Meißen werben. Was haben wir dieser Zielgruppe zu bieten?

Diese Plattformen, die ganz individuelle Touren vorschlagen, erfreuen sich wachsender Beliebtheit, auch bei Fahrradtouristen. Das will ich nutzen, um für Meißen als Etappenziel zu begeistern – zum Beispiel diejenigen, die auf dem Elbradweg in Richtung Sächsische Schweiz unterwegs sind, oder auch diejenigen, die unsere Stadt gezielt anfahren.

Im vorigen Jahr konnten die Ausfälle durch den ersten Lockdown sicher auch dadurch in Grenzen gehalten werden, weil das Wetter „mitspielte“ und es einen heißen Sommer gab. Was empfehlen Sie Meißen-Besuchern an verregneten und kalten Tagen?

Besonders im Städtetourismus kann man doch auch allerhand bei schlechtem Wetter unternehmen. Die Albrechtsburg, die Manufaktur mit ihrer Schauwerkstatt und dem Porzellan-Museum oder das Stadtmuseum bieten sehr gute Möglichkeiten, um auch bei schlechtem Wetter Interessantes und Spannendes zu entdecken.

Welche Rolle spielen die Meißner in Ihren Überlegungen?

Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Stadt. Alles, was wir tun, um Besucher für Meißen sowie die Geschäfte, Gaststätten und Unterkünfte der Stadt zu begeistern, kommen letztlich den dort Beschäftigten zugute. Die Meißnerinnen und Meißner profitieren zudem von neuen kulturellen Angeboten, dem in dieser Woche startenden Wein-Pavillon oder von der Geschenkgutschein-Aktion, für die wir in der Vorweihnachtszeit ein Bonusheft einführen. Käufer der Gutscheine erhalten einen Aufkleber dafür. Wer am Ende eines Jahres die meisten Aufkleber im Heft hat, also die meisten Geschenkgutscheine kaufte, kann attraktive Preise gewinnen. Wie schon im vorigen Jahr wollen wir als Stadt denjenigen ein kleines Dankeschön zukommen lassen, die durch die Pandemie besonders gefordert waren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen sowie von mobilen Pflegediensten erhalten einen Gutschein für eine kostenlose Stadtführung oder einen Besuch im Stadtmuseum.

Aufsehen erregten im vorigen Jahr die Freitagskonzerte und die Open-Air-Veranstaltungen beim „Heißen Sommer“ des Theaters. Gibt es eine Fortsetzung in diesem Jahr?

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Das Gespräch führte Harald Daßler.

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