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Für vorsichtige Öffnung der Schulen

Sachsens Ministerpräsident antwortet auf einen offenen Brief der Lommatzscher Bürgermeisterin. Sie widerspricht.

Mit dem Ablegen von Kinderschuhen vor dem Lommatzscher Rathaus machten sich Eltern Luft gegen die Zwangsschließungen von Schulen.
Mit dem Ablegen von Kinderschuhen vor dem Lommatzscher Rathaus machten sich Eltern Luft gegen die Zwangsschließungen von Schulen. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Auch in Lommatzsch gab es am 21. März Protestaktionen gegen die zwangsweise Schließung von Schulen und Kindereinrichtungen. Am Rathaus wurden wie in vielen Städten symbolisch Kinderschuhe abgelegt. Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) solidarisierte sich mit der Aktion, schrieb an den sächsischen Ministerpräsidenten einen offenen Brief. In diesem sprach sie sich dafür aus, das Infektionsgeschehen in den Schulen und Kindereinrichtungen einzeln zu betrachten. Aufgrund von offenbar gestiegenen Inzidenzwerten im Kreis könne nicht kausal darauf geschlossen werden, dass von den Schulen und Kindereinrichtungen eine hohe Gefährdung der gesamtgesellschaftlichen Gesundheit beziehungsweise die Gefährdung der Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems ausgehe", schrieb sie.

Kein Patentrezept

Jetzt kam eine Antwort des Ministerpräsidenten. Er könne die Proteste gegen die Schulschließungen verstehen, nehme die Sorgen und Nöte der Bürger sehr ernst, heißt es da. "Ich bin selber Vater und weiß, was es bedeutet, wenn die Kinder nicht mehr in die Schule können, nicht lernen und ihre Freunde treffen können", so Kretschmer. Doch wir befänden uns mitten in der dritten Welle, die nach Aussagen der Experten schlimmer werden könne als die beiden Wellen zuvor. Die Zahlen seien erschreckend , heißt es in dem auf den 21. April datierten Schreiben. Der stärkste Anstieg sei bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren zu beobachten.

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Was Kretschmer nicht beachtet: Gerade diese Gruppe wurde in den vergangenen Wochen besonders oft getestet, in der Regel zweimal pro Woche. Selbst sein Bildungsminister Christian Piwartz (CDU) räumte kürzlich in einem Interview ein, dass es bei anderen Gruppen ähnliche Ergebnisse gegeben hätte, wären diese Gruppen ebenso oft getestet worden.

Er habe wie alle kein Patentrezept in der Krise, so Kretschmer weiter. "Wir geben unser Bestes, um die Bevölkerung zu schützen. Wir alle haben es selber in der Hand, dass die Infektionszahlen sinken", heißt es abschließend.

Inzidenz wieder leicht angestiegen

Die Bürgermeisterin befriedigt das nicht. Sie widerspricht. "Die vorsichtige Öffnung der Schulen und Kindereinrichtung in Sachsen, mit konsequenter Teststrategie und Hygienemaßnahmen, sollte sowohl dem Infektionsschutz als auch den Rechten der Kinder auf Bildung und soziale Teilhabe gerecht werden", sagt sie . Vor diesem Hintergrund sei die sächsische Regierung über die Änderung des Infektionsschutzgesetzes am 21. April durch den Bundestag selbst sehr unzufrieden. "Seit dem 26. April haben wir die Folgen dieser Gesetzesänderung zu spüren bekommen. Wieder mussten wir unsere Schulen und Kindereinrichtungen schließen. Wieder wird Kindern und Eltern Großes abverlangt", so Anita Maaß.

Erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 165 dürfen Schulen und Kindereinrichtungen wieder öffnen. Danach sieht es nicht aus. Im Landkreis Meißen ist sie wieder auf 173 gestiegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Corona-Neuinfektionen es innerhalb von sieben Tagen hochgerechnet auf je 100.000 Einwohner gegeben hat. (SZ/jm)

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