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"Die Stollenpakete sind dieses Jahr kleiner"

Wegen Corona. Aber trotzdem verkaufen Bäckereien viel Süßgebäck. Eine Umfrage im Landkreis Meißen.

Stollen hinter Plexiglas. Für das Zeitungsfoto nahm Ramona Wehnert extra ihren Mund- und Nasenschutz ab. Sie ist sichtlich zufrieden mit dem Stollengeschäft in diesem Jahr, auch wenn bis jetzt weniger gekauft wurde als sonst.
Stollen hinter Plexiglas. Für das Zeitungsfoto nahm Ramona Wehnert extra ihren Mund- und Nasenschutz ab. Sie ist sichtlich zufrieden mit dem Stollengeschäft in diesem Jahr, auch wenn bis jetzt weniger gekauft wurde als sonst. © Claudia Hübschmann

Für Ramona Wehnert ist Weihnachten vorbei. "Ich schaue jetzt schon nach Ostern", scherzt sie. Denn wie jedes Jahr verpacken sie und ihre Mitarbeiter am Buß- und Bettag Stollenpakete, die in ganz Europa verschickt werden wie zum Beispiel nach Frankreich. Zwar fragen in etwa dieselben Kunden nach, allerdings bestellen sie weniger Stollen. "Die Pakete sind deshalb dieses Jahr kleiner", sagt die Bäckereimeisterin. "Das ist nachvollziehbar, denn es wird weniger Familienfeiern geben als in den vergangenen Jahren."

Handwerksbäcker liegen im Trend

Im Café Wehnert gibt es neben den Stollenklassikern sächsischer Christstollen, Schokoladenstollen, Mohnstollen und -striezel etwas Besonderes: den sogenannten Gourmetstollen. Das ist ein normaler Rosinenstollen mit einem Kern aus Marzipan. Alle Stollen werden in der eigenen Bäckerei produziert. Es kaufen allerdings weniger Kunden in dem Café der Meißner Altstadt, sagt Ramona Wehnert. Sie ist aber froh, dass das Café so eine große Stammkundschaft habe und nicht nur Stollen anbiete. "Sonst wäre der finanzielle Einbruch groß." Alle Gebäcke können per E-Mail unter [email protected] bestellt werden.

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Bei Christina Haas laufe es sehr gut, sagt sie am Telefon. Gefühlt mache sie mehr Umsatz als vor Corona. "In den vergangenen Monaten kamen so viele neue Kunden in unsere Bäckerei." Christina Haas arbeitet in der Bäckerei schon mehr als 40 Jahre. "Viele Kunden kommen schon genauso lang zu uns. Manche erkenne ich am Telefon sogar an der Stimme." Sie schaut deshalb trotz Corona optimistisch in die Zukunft. Nächstes Jahr übernimmt ihre Enkelin, und das ist heutzutage nicht üblich. Christina Haas ist mittlerweile schon in Rente.

In der Bäckerei Riedel wird wiederum noch traditionell mit Mehl von Mühlen aus der Umgebung Meißens gebacken. Inhaber Sebastian Riedel meint, er merke im Stollengeschäft kaum einen Unterschied zu anderen Jahren. Er gibt dazu seine Bäckerweisheit mit: "Wenn es schon eher kalt wird, fängt der Stollenverkauf zeitiger an und umgekehrt." Wie jedes Jahr gibt es bei ihm im Triebischtal den Meißner Christstollen sowie Mandel-, Mohn-, Schoko- und Marzipanstollen. Per E-Mail unter [email protected] können die ein bis zwei Kilogramm schweren Stollen bestellt werden. Versand ist möglich.

Der Obermeister der Bäckerinnung Meißen sagt generell, dass sich Covid-19 insgesamt auf den Stollenabsatz auswirkt. Denn es fehlen Kunden in der Gastronomie sowie Wiederverkäufer, zum Beispiel für Weihnachtsmärkte, so Karsten Liebscher. Ein Teil der Firmenkunden sei ebenso zurückhaltender beim Versand von Präsenten. Die private Nachfrage könne diese nicht ausgleichen. In den meisten Bäckereien seien die Preise für den Stollen trotzdem konstant geblieben.

Umsatzeinbußen vor allem durch Cafés

Noch hat Matthias Brade keinen genauen Überblick, wie der Stollenverkauf dieses Jahr läuft. Mit 18 Filialen ist die Bäckerei Brade im ganzen Landkreis Meißen vertreten. Dort oder unter www.baeckerbrade.de können die Stollen bestellt und gleich gekauft werden. Es gibt die klassischen Rosinen- und Mandelstollen. Jedes Jahr findet eigentlich das Stollenfest statt. Das muss wegen Corona aber ausfallen. "Trotzdem wollen wir unseren Kunden einen Sonderverkauf anbieten." Der findet einmalig am 28. November von 13 bis 16 Uhr statt, und zwar in Fahrzeughalle der Bäckerei auf der Nossener Straße 48 in Riesa.

Generell läuft es für die Bäckerei in der Coronakrise gut. Vereinzelt machen Filialen bis zu 40 Prozent weniger Umsatz. Im ländlichen Raum gibt es dafür kaum Probleme. "Wir sind relativ glimpflich davongekommen", erklärt Matthias Brade. Allerdings empfindet er die momentane Situation als lähmend, da sie so unsicher sei. Im Gegensatz zum Hochwasser 2002: Da habe es schon nach zwei Wochen Planungssicherheit gegeben, meint der Geschäftsführer. Jetzt versucht er, die Betriebsabläufe zu straffen und sein Geld zusammenzuhalten. Zudem sind seit der Pandemie alle Cafés der Brade Bäckerei geschlossen. "Das ist sowieso nicht unser Hauptgeschäft."

Die neun Cafés von Unser Bäcker aus Klipphausen hatten wiederum in den vergangenen Monaten fast die ganze Zeit geöffnet. "Die Nachfrage nach Stollen ist dieses Jahr sehr gut", teilt die Geschäftsführerin Rommy Schumann mit. "Besonders der Kuchenverkauf ist spürbar explodiert, im Vergleich zum letzten Jahr." Neben den Klassikern gibt es wie jedes Jahr die hauseigene Spezialität: den Markgrafenstollen. Der werde immer schon im September gebacken und bis zu Weihnachten bei sechs bis zehn Grad gelagert. "Davon haben wir dieses Jahr insgesamt 12.000 Stück produziert." Der sei auch am beliebtesten bei den Kunden neben Mohnstollen und -striezel. Alle Stollen können zum Beispiel online unter www.unser-baecker.de bestellt werden.

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Trotz wirtschaftlichen Einbußen begrüßt Ramona Wehnert aus Meißen entschieden den Lockdown: "Unsere Gesundheit ist wichtiger als der Gewinn." Zudem freue sie sich dieses Jahr auf ein entspanntes Weihnachten im engen Kreis der Familie. Sonst sitze man oft völlig kaputt an Heiligabend bei der Familie. "Dieses Jahr ist das stressfreier, da weniger zu tun ist. Ich nutze die Zeit deshalb für mich, um mal runterzukommen."

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