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Gelacht, getanzt, getrunken. Und geschlagen?

Während des Meißner Weinfestes soll der Angeklagte Polizisten angegriffen und beleidigt haben. Die sind nicht zimperlich.

Bei einem Polizeieinsatz beim Meißner Weinfest soll sich ein Mann gegen Beamte gewehrt und diese beleidigt haben.
Bei einem Polizeieinsatz beim Meißner Weinfest soll sich ein Mann gegen Beamte gewehrt und diese beleidigt haben. © Archiv/Uwe Soeder

Meißen. Es sollte ein schöner Abend werden für den damals 38-Jährigen beim Meißner Weinfest 2018. "Ich war mit einem Kumpel in Meißen unterwegs. Wir haben gelacht, getanzt, getrunken." Doch der Abend, besser gesagt, der frühe Morgen dieses 30. September, endet für ihn bitter.

Weil die Bar, in der die Freunde gefeiert haben, schloss, wollen beide auf die andere Seite über die Altstadtbrücke laufen. Dort gibt es gerade eine größere Schlägerei. Die Polizei ist vor Ort, führt einen Tatverdächtigen zu einem Streifenwagen. Eine ganze Meute folgt ihnen, darunter auch der Angeklagte. Weil die Leute mitten auf der Straße laufen, fordert sie die Polizei auf, den Fußweg zu benutzen. Alle machen das, nur der Angeklagte nicht. Ein Beamter der Bereitschaftspolizei schiebt ihn daraufhin in Richtung Fußweg. Da soll der Mann sich gewehrt und mit einer Armbewegung gegen den Polizisten ausgeholt haben, gleichzeitig fliegt sein voller Bierbecher weg.

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Der Beamte und einer seiner Kollegen deuten das als Angriff, stürzten sich auf den Delinquenten, bringen ihn zu Boden, fesseln ihn. Dabei soll der Mann die Polizisten mit einem Kraftausdruck beleidigt haben. Er hat keinen Ausweis bei sich, die Beamten nehmen seine Personalien auf. Dabei soll er sie erneut beleidigt haben.

"Nicht verstanden, was los war"

Nun sitzt der Mann wegen tätlichen Angriffs auf Polizisten und Beleidigung vor dem Meißner Amtsgericht. Er versteht das alles nicht, habe doch nur zwischen zwei Polizeiautos aus Neugier geschaut, was da vor sich geht. Dann sei plötzlich ein Mann gekommen, habe "Verpiss dich" gesagt und ihn geschubst. Er habe sich gewehrt, dabei sei sein voller Bierbecher weggeflogen. Dass der andere ein Polizist in Uniform war, habe er nicht gesehen, es sei dunkel gewesen, sagt er. "Ich habe gar nicht verstanden, was los war", so der Angeklagte. Er habe nicht zum Schlag ausgeholt, sondern die Hände gehoben. "Ich habe Respekt vor der Polizei", sagt der zweifache Familienvater, der nicht vorbestraft ist.

Obwohl die Sache zweieinhalb Jahre her ist, haben die Polizisten sehr genaue Erinnerungen. Er habe den Mann mehrfach aufgefordert, die Straße zu verlassen, doch dieser sei dem nicht nachgekommen, so einer der Beamten. Nach der Ausholbewegung konnte er ihn wegstoßen. Um weitere Angriffe zu verhindern, sei der Mann fixiert worden, sagt er aus. Bereitschaftspolizisten gelten allgemein nicht gerade als zimperlich.

Auf Facebook habe es ein Video gegeben, auf dem die Aktion zu sehen sei, sagen sowohl der Bruder als auch die Mutter des Angeklagten. Es sei auch zu sehen, dass ein Polizist den Angeklagten mit beiden Händen schubse. Danach gab es einen Kameraschwenk. Als sie zurückschwenkt, sei der Mann bereits am Boden gewesen, während Polizisten auf ihm knieten. Wie er zu Boden kam, ist auf dem Film aber nicht zu sehen. Das Video ist allerdings gelöscht worden.

Anwalt: Polizisten völlig unglaubwürdig

Für den Staatsanwalt haben sich die Tatvorwürfe bestätigt, die Aussagen des Angeklagten seien durch die Polizisten widerlegt. Normalerweise droht eine Mindeststrafe von drei Monaten Haft. Weil die Sache lange zurückliege, der Angeklagte nicht vorbestraft sei und betrunken war, könne aber mit einer Geldstrafe reagiert werden. Die hat es mit 4.800 Euro aber in sich.

Der Verteidiger sieht das ganz anders, fragt nassforsch, ob der Staatsanwalt vielleicht bei einer anderen Verhandlung war als er. Die Aussagen der Polizisten seien völlig unglaubwürdig, ein Beweis für die Schuld seines Mandanten sei in keiner Weise zu führen gewesen. Lediglich für die Beleidigungen soll sein Mandant zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt, im übrigen freigesprochen werden, fordert er.

So urteilt auch die Richterin, verhängt allerdings mit 1.575 Euro eine deutlich höhere Geldstrafe. Ein Nachweis für einen tätlichen Angriff auf die Polizisten und eine versuchte Körperverletzung sei nicht überzeugend zu erbringen, begründet sie. In diesen Punkten wird der Mann freigesprochen.

Der Verteidiger und sein Mandant nahmen das Urteil an, die Staatsanwaltschaft ließ offen, ob sie Rechtsmittel einlegt. Schon vor den Plädoyers hatte der Staatsanwalt in einem Rechtsgespräch deutlich gemacht, dass eine Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage für ihn nicht infrage kommt.

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