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Günstig Wohnen mit Licht und Schatten

Auf der Baustelle am Albert-Mücke-Ring wurde jetzt gefeiert – nicht nur, weil das Richtfest Ende vorigen Jahres ausgefallen war.

Staatsminister Thomas Schmidt (M.) war unter den Gästen bei der offiziellen Übergabe eines weiteren energieautarken Wohnhauses am Albert-Mücke-Ring.
Staatsminister Thomas Schmidt (M.) war unter den Gästen bei der offiziellen Übergabe eines weiteren energieautarken Wohnhauses am Albert-Mücke-Ring. © Claudia Hübschmann

Meißen. Vier Zimmer, dazu ein Bad und ein weiteres WC, eine Kammer und ein Balkon. In jede der 16 Wohnungen ziehen schon bald vier Studenten ein. Eine Küche zur gemeinsamen Nutzung gehört zur Ausstattung für jede der künftigen WG's in diesem Haus am Albert-Mücke-Ring, das die Stadtentwicklungs- und -erneuerungsgesellschaft Meißen mbh (SEEG) am Mittwoch offiziell zum Einzug übergab.

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Wie das benachbarte, ebenfalls von der SEEG errichtete Haus mit 20 Wohnungen versorgt es sich selbst mit Energie. Über neun jeweils 100 Meter in die Tiefe getriebene Bohrungen kann aus dem aus Meißner Granit bestehenden Untergrund außergewöhnlich viel Erdwärme gewonnen werden. Mittels Pufferspeichern im Kellergeschoss wird die Energie für die Warmwasseraufbereitung und Fußbodenheizung erzeugt. Solarelemente auf dem Dach und an der Südseite, wo sie so angebracht sind, dass auch in der untersten Etage das Sonnenlicht optimal ausgebeutet und zugleich Fenster verschattet werden können, sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, machen die beiden neuen Häuser am Albert-Mücke-Ring 14 und 14a energieautark.

Die weitgehende Selbstversorgung mit Energie soll sich auf die Kosten für das Wohnen auswirken. Statt der sonst üblichen Betriebskosten zahlen die Mieter hier eine Energiepauschale. Wie SEEG-Chefin Birgit Richter informiert, liegt die Nettokaltmiete bei durchschnittlich 7,65 Euro für den Quadratmeter Wohnfläche. Für die Energiepauschale wurden 1,45 Euro je Quadratmeter ermittelt. Damit verbindet sich in diesem Projekt der Klimaschutz mit sozialverträglichen Mieten.

Das war aber nur eines der Ziele, als ein Konzept für das Wohnquartier am Stadtrand entwickelt wurde. Neben dem Bau der beiden innovativen Wohnblocks sieht es auch die Sanierung der Plattenbauten, den Bau von 15 Reihenhäusern sowie die Neugestaltung von Außenanlagen in dem Wohngebiet vor. „Neben der Schaffung von generationsübergreifendem Wohnen soll das soziale Miteinander unterstützt werden“, heißt es in einer vom Staatsministerium für Regionalentwicklung verfassten Information anlässlich der Fertigstellung beider Häuser. Einen Beitrag dazu soll auch ein Nachbarschaftstreff leisten.

Einen symbolischen Schlüssel für das neue Haus überreichte SEEG-Chefin Birgit Richter an Felix Hoffmann vom Staatsbetrieb SIB (l.) sowie an den Rektor der Hochschule Meißen Prof. Dr. Frank Nolden.
Einen symbolischen Schlüssel für das neue Haus überreichte SEEG-Chefin Birgit Richter an Felix Hoffmann vom Staatsbetrieb SIB (l.) sowie an den Rektor der Hochschule Meißen Prof. Dr. Frank Nolden. © Jens Wittich

Meißner Wohnen 4.0

Insgesamt 21 Millionen Euro investiert die städtische SEEG am Albert-Mücke-Ring, davon allein vier Millionen Euro in den Bau der beiden energieautarken Häuser. An diesem Vorhaben hat sich der Freistaat Sachsen mit einem Zuschuss von 200.000 Euro beteiligt. Für die auch als „Meißner Wohnen 4.0“ bezeichneten Mehrgenerationenhäuser, die sich selbst mit Wärme und Strom versorgen, hatte die SEEG im Juni einen Zukunftspreis der Deutschen Immobilienwirtschaft verliehen bekommen.

Während die Wohnungen im ersten der beiden neuen Häuser vor einigen Wochen an Mieter übergeben wurden, ist nun auch das zweite Haus bezugsfertig. Mit dem Beginn des neuen Semesters am 1. September können Studenten der Hochschule Meißen hier einziehen.

Nachdem auf dieser Baustelle Ende vorigen Jahres das Richtfest wegen der Pandemie abgesagt werden mussten, fand nun die Übergabe eines symbolischen Schlüssels im Rahmen einer Feierstunde am Mücke-Ring statt. Den Schlüssel nahmen Felix Hoffmann vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) sowie der Rektor der Hochschule Meißen Prof. Dr. Frank Nolden entgegen. Denn der Freistaat Sachsen mietet die 16 Wohnungen für fünf Jahre an, um sie Studenten der Hochschule als Unterkunft anzubieten.

Die SEEG-Geschäftsführerin nutzte die Gelegenheit, sich bei allen an diesem Projekt beteiligten Partnern – Planern, Baufirmen und Handwerkern – zu bedanken. Ein besonderes Dankeschön und einen Blumenstrauß erhielt Andrea Welzig, die in den vergangenen zwei Jahren als Bauleiterin im Auftrag des Meißner Architekturbüros Hauswald dieses Projekt verwirklichte.

Genau beobachtet und analysiert

„Hochinteressant“ nannte es Sachsens Staatsminister für Regionalentwicklung Thomas Schmidt. Hier werden Klimaschutz und sozialverträgliche Mieten verbunden. Er verwies darauf, dass bis 2050 der Gebäudesektor in Deutschland nahezu klimaneutral sein soll. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das nur zu erreichen ist, wenn möglichst viele Häuser Solarwärme und -strom für ihren Energiebedarf produzieren und speichern“, sagte der CDU-Politiker während der Feierstunde auf der Baustelle.

Eine Studie wird es noch geben. Dabei soll genau beobachtet und analysiert werden, wie sich Verbräuche, Aufwand und Nutzen entwickeln. Aufschluss wird auch über das Nutzungsverhalten der Mieter erwartet – und natürlich auch darüber, ob und wie es sich beeinflussen lässt.

„Meißen kann auch modern“, hob Bürgermeister Markus Renner das Zukunftsweisende dieses Projekts am Stadtrand hervor. Dass es hier nicht nur bei einer Idee blieb, sei vor allem der Beharrlichkeit von SEEG-Chefin Birgit Richter zu verdanken: Ihr sei es gelungen, die Stadt, den Aufsichtsrat und Fördermittelgeber zu überzeugen.

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Hochschul-Rektor Nolden verwies auf den Bedarf an Aus- und Fortbildung für die Verwaltung im Freistaat Sachsen, in der momentan etwa 100.000 Menschen beschäftigt sind. Zur Sicherung des Nachwuchses sowie zur Fortbildung werde die Verwaltungshochschule in Meißen künftig 1.200 bis 1.300 Studierende im Jahr haben. Das vom Freistaat auf fünf Jahre angemietet Haus am Mücke-Ring 14a sei ein Beitrag, um auch attraktive Angebote an Unterkünften in Meißen zu haben.

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