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Hafenstraße Meißen kann mit der Stadt rechnen

Neben einem jährlichen Zuschuss bekommt der Verein die Miete erlassen. Nicht alle Stadträte stimmten dem zu.

„Seit Jahren machen wir soziokulturelle Arbeit": Ralf Urban, Chef des Vereins Hafenstraße e.V.
„Seit Jahren machen wir soziokulturelle Arbeit": Ralf Urban, Chef des Vereins Hafenstraße e.V. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das sagenhafte Stadtbuch von Meißen ist soeben erschienen. Um die 40 Kinder und Jugendliche aus Meißen haben daran mitgearbeitet. Sie haben Geschichten und Begebenheiten aus der Stadt zusammengetragen, sich mit den Märchen und Sagen der Stadt Meißen, „aber auch mit den historischen Stadtansichten befasst, die es nun in einem gebundenen Buch zu erkunden gilt“, wie der Chef des Hafenstraße e.V. Ralf Urban informiert.

Nach zweijähriger Arbeit konnten er und einige der Autoren dieser Tage ein erstes Exemplar des Buches an Oberbürgermeister Olaf Raschke überreichen. „Selbst gezeichnete Bilder und ein eigens komponiertes Kinderlied runden das sagenhafte Stadtbuch ab und machen es für die ganze Familie zu einem besonderen Erlebnis. Das Buch haben die beteiligten Kinder und Jugendlichen „für sich“ gemacht, erläutert Ralf Urban die Idee dieses Projektes. Sie sollen dieses Buch später mal ihren eigenen Kindern vorzeigen. Andererseits fließen die Ergebnisse der Erkundungen in einen interaktiven Stadtplan ein, der im Internet-Auftritt des Vereins zu finden ist.

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Einige Exemplare des hochwertig verarbeiteten Buches stellt der Verein der Stadt und zur Verfügung – auch damit andere von der Idee profitieren und ähnliche Projekte auf die Beine stellen können. Mithilfe von Sponsoren können kurzfristig noch einige Hundert Exemplare gedruckt werden, sagt Ralf Urban.

Viele Angebote und Projekte

Das sagenhafte Stadtbuch ist eines von vielen Projekten zur sinnvollen Freizeitbeschäftigung im Hafenstraße e.V., die vom Gitarrenunterricht über die Hausaufgabenhilfe bis zu Tanz-Projekten reicht. Auch wenn wegen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen derzeit nicht alle Angebote wie gewohnt stattfinden können, steht das blaue Haus an der Hafenstraße in diesen Tagen offen.

Die Stadt unterstützt den Verein finanziell. Im nächsten Jahr erhält der Hafenstraße e.V. 55.000 Euro aus dem städtischen Haushalt. In den Jahren bis 2025 soll sich diese Summe um jährlich 5.000 Euro verringern, sodass der Hafenstraße e.V. 2025 noch mit einem städtischen Zuschuss von 35.000 Euro rechnen kann. So haben es die Stadträte im Sozial- und Kulturausschuss beschlossen. Hinzukommt jetzt der Erlass der Miete für die Haus an der Hafenstraße 28 auf städtischem Grund. Nach dem in der vorigen Woche im Stadtrat gefassten Beschluss verzichtet die Stadt bis 2025 auf jährlich 11.142 Euro.

Mit dieser im Vergleich zu anderen Vereinen der Stadt hohen Förderung waren nicht alle Stadträte einverstanden. „Wir zementieren eine Situation, die unbefriedigend ist“, hatte Linken-Stadtrat Tilo Hellmann in der Stadtratssitzung erklärt. Wie Stadtratskollegen der Bürger für Meißen/SPD-Fraktion ist er der Ansicht, der Verein hätte die mit der Förderung für das Jahr 2020 verbunden Auflagen nicht erfüllt. Er brachte gar ein Interessenbekundungsverfahren ins Gespräch, um einen neuen Betreiber für die Institution Hafenstraße zu finden.

Streit um einen Begriff

Die Kritiker führen den Begriff Soziokultur an, von dem der Verein sich abwenden würde. Ralf Urban widerspricht energisch: „Seit Jahren machen wir soziokulturelle Arbeit – mit unseren Angeboten und Projekten beziehen wir viele ein und erreichen breite Schichten in allen Altersgruppen“, sagt Ralf Urban. Er habe lediglich einmal laut darüber nachgedacht, den sperrigen Begriff Soziokulturelles Zentrum durch Bürgerzentrum oder Bürgertreff zu ersetzen, fügt er hinzu.

Zu keiner Zeit hat der Hafenstraße e.V. erklärt, nicht mehr im soziokulturellen Bereich tätig zu sein. „Eine solche Entscheidung obliegt auch nicht einem Vorstandsmitglied, sondern müsste als Satzungsänderung von einer Mitgliederversammlung beschlossen werden“, heißt es in einer Erklärung, die der Verein auf seiner Website veröffentlicht hat. Der Verein will sich auch daran beteiligen, ein soziokulturelles Netzwerk in der Stadt zu gründen. Deshalb hat er einen Stammtisch vorgeschlagen, an dem Vertreter von Kinder- und Jugendtreffs regelmäßig zusammenkommen – auch, um sich gegenseitig das Wasser abzugraben, wie Ralf Urban sagt.

Unterstützung erhielt der Verein im Stadtrat vom Familienamt. Dessen Leiterin Katrin Nestler widersprach der Darstellung von Stadträten der BI/SPD-Fraktion, wonach er Auflagen, an welche die Vereinsförderung für das Jahr 2020 geknüpft war, nicht erfüllt habe. Seit dem 26. Juni liege in der Stadt ein überarbeitetes Konzept des Vereins vor, zu dessen Beratung sechs Termine im Familienamt stattfanden. Außerdem bescheinigte sie dem Verein, an der Entwicklung eines soziokulturellen Konzepts für die Stadt mitzuwirken. Für die Abrechnung der Förderung sowie die Projektevaluierung könne noch keine Aussage getroffen werden, weil diese erst zum 31. Januar 2021 vorliegen.

Die Kritiker ließen sich davon nicht umstimmen. Dennoch fand der Beschlussentwurf zum Mieterlass für den Hafenstraße e.V. eine Mehrheit, bei sechs Gegenstimmen und einer Stimmenthaltung.

Ziel: Flexibel reagieren

Ralf Urban und seine Mitstreiter freuen sich natürlich darüber, dass sie in den nächsten Jahren mit der Stadt rechnen können. Der städtische Zuschuss sowie der Mieterlass machen aber nur einen Teil dessen aus, was der Verein bracht, um seine Angebote für die sinnvolle Freizeitgestaltung aufrechterhalten zu können.

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Um weiteres Geld bemüht sich der Verein über die sogenannte Projektförderung aus Mitteln bei Stiftungen oder Programmen von Bund und Ländern. Dies sei auch wichtig, um flexibel auf den Bedarf derjenigen reagieren zu können, die in die Hafenstraße kommen – sei es, um Hilfe bei den Hausaufgaben zu bekommen, sich künstlerisch zu betätigen oder auch, um einfach mal nur abzutanzen.

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