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Hilfe aus Meißen

Kay Leonhardt vom Verein Meißen-Arita erinnert an die Dreifach-Katastrophe, die Japan vor zehn Jahren ereilte. Und an eine in Meißen gestartete Aktion.

Kay Leonhardt ist Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft Meißen-Arita. Im Stadtanzeiger der japanischen Partnerstadt berichtet er regelmäßig aus Meißen.
Kay Leonhardt ist Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft Meißen-Arita. Im Stadtanzeiger der japanischen Partnerstadt berichtet er regelmäßig aus Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen/Arita. „Ich kann mich noch sehr genau an diesen Tag erinnern: Es war ein sonniger Samstag hier in Meißen“, berichtet Kay Leonhardt, wie er den 11. März 2011 erlebte. An diesem Tag vor zehn Jahren brachen gleich drei Katastrophen über die japanische Region Fukushima herein. Vor der nordöstlichen Küste ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 9,0, das einen Tsunami auslöste. Von den Auswirkungen waren die Atomanlagen von Fukushima betroffen. In mehreren Reaktoren kam es zu Kernschmelzen, die eine hochgradige atomare Verseuchung in einem Radius von rund 40 Kilometern verursachten. Die Zahl der Toten liegt nach Behördenangaben bei mehr als 20.000. 470.000 Menschen wurden obdachlos.

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Am frühen Morgen des 12. März – der Zeitunterschied zu dem fernöstlichen Land beträgt sieben Stunden – erhielt der Künstler und Designer, der auch Vorsitzender der Freundschaftsgesellschaft Meißen-Arita/Japan ist, ungezählte Anrufe aus ganz Deutschland. Viele wandten sich an ihn, der mehrere Jahre in Meißens japanischer Partnerstadt Arita gelebt und gearbeitet hatte: Herr Leonhardt, die Bilder sind so schrecklich! Uns fehlen die Worte! Und schließlich die bange Frage: Ist unsere Partnerstadt, sind unsere Freude auch betroffen?

Mit dieser Zeichnung erinnert der Künstler Kay Leonhardt an die Katastrophe von vor zehn Jahren.
Mit dieser Zeichnung erinnert der Künstler Kay Leonhardt an die Katastrophe von vor zehn Jahren. © Kay Leonhardt

„Wir hatten in den Wochen davor gerade wieder mit viel Freude und Einsatz unseren Jugendaustausch vorbereitet“, berichtet Kay Leonhardt, dessen Verein einen regelmäßigen Jugendaustausch zwischen Partnerstädten organisiert. Die Meißener Jugenddelegation wäre nur 14 Tage später nach Arita abgereist. Damals musste der Austausch abgesagt werden. Die Zusammenkunft, bei der die Teilnehmer das entschieden haben, war zugleich der Start für eine Spenden-Aktion, die deutschlandweit Unterstützung fand.

„Arita war von den Katastrophen nicht direkt betroffen. Aber die traurigen Bilder, die damals unvorhersehbaren Folgen für die Menschen in Nordjapan waren überall ganz nah“, schreibt Kay Leonhardt in seiner aktuellen Kolumne im Stadt-Anzeiger von Arita, wo er regelmäßig aus der Partnerstadt Meißen berichtet. In der März-Ausgabe erinnert er an die vor zehn Jahren in Meißen gestartete Spendenaktion „Hilfe für Japan“ So fand ein Benefizkonzert im Theater statt, dem weitere Aktionen folgten, um Geld für die Menschen in Japan zu sammeln.

Am 19. März 2011 wurde die gemeinsame Aktion „Hilfe für Japan“ der Stadt Meißen und der Freundschaftsgesellschaft Meissen-Arita/Japan e.V. ins Leben gerufen. An der Spendenaktion beteiligen sich Menschen aus Meißen, dem Landkreis, der Landeshauptstadt Dresden und darüber hinaus. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dresden und Leipzig unterstützen die Aktion. „Kleinen Initiativen“ von Schulen und Kindertagesstätten sorgen dafür, dass unsere Hilfe für die Menschen in Japan steigt. Zahlreiche Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Initiativen vervielfachten den Spendenstand.

Am 6. Mai 2011 übergaben die Mitglieder der Freundscahftsgesellschaft Anne und Sebastian Möbius 62.000 Euro der Meißner Aktion „Hilfe für Japan“ an den Bürgermeister der Partnerstadt Arita, Masaaki Tashiro. Bis 2012 kamen in ganz Deutschland über 100.000 Euro für die "Hilfe für Japan" zusammen.

Die Silhouette Meißens zierte vor zehn Jahren das Logo der deutschlandweiten Aktion "Hilfe für Japan".
Die Silhouette Meißens zierte vor zehn Jahren das Logo der deutschlandweiten Aktion "Hilfe für Japan". © Freundschaftsgesellschaft Meißen-Arita/Japan e.V.

„Heute, im März des Jahres 2021, denken wir besonders an die Menschen in Kesenuma“, schreibt Kay Leonhardt. In dieser Stadt im Norden Japans hatte Arita damals den unter den Folgen der Dreifach-Katastrophe betroffenen Menschen geholfen. Mit dem über die „Hilfe für Japan“ gesammelten Spenden wurden Hilfs-Sets mit Arita-Yaki finanziert. Das war eine Geschirr-Grundausstattung für diejenigen Menschen, die alles verloren hatten. Auch für den Wiederaufbau des Hashigami-Kindergartens in Kesennuma wurde das Geld verwendet.

Die Kinder von damals sind heute Schüler und Jugendliche, so wie unsere Teilnehmer damals am Jugendaustausch, die auch alle für die Menschen in Japan gespendet hatten. Außerdem konnte ein Teil des Geldes angelegt werden. So wurde es möglich, mit Hilfe der Spende aus Meißen im August 2020 für das städtische Krankenhaus von Kesenuma einen mobilen Brutkasten für Frühgeborene anzuschaffen.

„Mögen alle Neugeborenen, Kinder und Jugendlichen gesund aufwachsen und von solchen Katastrophen wie vor zehn Jahren für immer verschont bleiben“, schreibt Kay Leonhardt in seiner Kolumne für Arita. Vielleicht kommt sogar der Eine oder Andere im Laufe seines Lebens mal nach Meißen – „und wir können uns dann alle gemeinsam an der Schönheit unserer Städte und der Freundschaft der Menschen erfreuen“.

Kay Leonhardts Kolumne in der aktuellen Ausgabe des Stadtanzeigers in Meißens japanischer Partnerstadt Arita.
Kay Leonhardts Kolumne in der aktuellen Ausgabe des Stadtanzeigers in Meißens japanischer Partnerstadt Arita. © Kay Leonhardt

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