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Hochwasserschutz und Wasserqualität

Wie ist der Nitratwert der Freiberger Mulde? Wie werden Sandsäcke bei Hochwasser gestapelt? Diese und andere Fragen werden beim "Tag der Flüsse" beantwortet.

Übung für den Ernstfall. Neuntklässler des Gymnasiums in Nossen lernen, wie bei Hochwasser Sandsäcke richtig gestapelt werden.
Übung für den Ernstfall. Neuntklässler des Gymnasiums in Nossen lernen, wie bei Hochwasser Sandsäcke richtig gestapelt werden. © Claudia Hübschmann

Nossen. Es ist ein riesengroßer Spaß für die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen des Nossner Gymnasiums. Lachen und Kichern auf dem Gelände des Klosterparks Altzella. Allerdings – der Hintergrund ist ernst. Wie werden bei Hochwassergefahr Sandsäcke richtig befüllt und gestapelt? „Man kann auch viel falsch machen“, erklärt Andrea Gößl von der Sächsischen Landesstiftung für Natur und Umwelt. Peter Hollas von der Landestalsperrenverwaltung schaut genau hin. Ist es die richtige Menge an Sand, wurde eine richtige Reihe gebildet, um den Körper zu schonen? „Für die Reihe kann es nicht schwierig gewesen zu sein, bei dem Schnattern“, bemerkt Hollas. „Bissel anstrengend ist es“, sagt Amelie lachend. Zufrieden mit der Arbeit ist Hollas nicht wirklich, aber er ist sich sicher, für den Ernstfall haben die Neuntklässler etwas gelernt. Denn so wie die Sandsäcke in der Trockenübung gestapelt wurden, hätten sie überhaupt keine Wirkung, erklärt er am Ende der Übung.

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Diese Übung war nur eine von sieben Stationen rund um das Thema Wasser während eines Projekttages anlässlich des internationalen Tages der Flüsse. Der „Tag der Flüsse“ ist ein Projekt des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft und der Sächsischen Landestiftung Natur und Umwelt und wird gemeinsam mit der Landestalsperrenverwaltung, dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie der Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft ausgerichtet. Coronabedingt konnte dieser Projekttag in diesem Jahr nur mit einer Schule stattfinden. Die Wahl fiel auf das Geschwister-Scholl-Gymnasium. Schulleiter Bert Xylander freut sich über diese Zusammenarbeit. Denn auf Praxiserfahrungen setzt seine Schule. So gibt es auch den Tag der Naturwissenschaften der zwölften Klassen. „Lernen muss sich für Kinder lohnen. Und bei so einem Tag können sie praktisch umsetzen, was sie im Unterricht gelernt haben“, sagt Xylander.

An einem Umweltmobil der Landesstiftung Natur und Umwelt bestimmen die Schüler des Nossener Gymnasiums die biologische Wasserqualität. Stiftungsdirektor Dietmar Kammerschen (r.) und Schulleiter Bert Xylander (2.v.r) informieren sich über die Ergebnisse.
An einem Umweltmobil der Landesstiftung Natur und Umwelt bestimmen die Schüler des Nossener Gymnasiums die biologische Wasserqualität. Stiftungsdirektor Dietmar Kammerschen (r.) und Schulleiter Bert Xylander (2.v.r) informieren sich über die Ergebnisse. © lanu

Bei einer Station heißt es, Fragen in einem Quiz zu beantworten. Dabei ist auch ein wenig schätzen gefragt. Beispielsweise wie lang Sachsens Flüsse insgesamt sind? Oder welcher Fluss am längsten in Sachsen fließt. Die Elbe, Weiße Elster, die Lausitzer Neiße oder die Mulden? 67 Prozent der Schüler dieser Gruppe gaben die richtige Antwort: die Mulden. Hätte auch Bürgermeister Christian Bartusch (SPD) alles gewusst, der sich den Projekttag auch ansah. „Hm. Zumindest hätte ich die Mulden richtig beantwortet, schon aus Lokalpatriotismus“, sagt er lachend.

Interessant sind auch die beiden Stationen zur Gewässeruntersuchung mit den Umweltmobilen der Stiftung. So analysieren die Schüler an diesem Tag, dass die Mulde einen leicht erhöhten Phosphatwert hat. Der relative Nitratwert mit 37,5 sei relativ hoch und liege damit im unbefriedigenden Bereich, erklärt Susanne Bremer. Der ph-Wert mit 7,5 sei gut. Am zweiten Umweltmobil wird die biologische Wasserqualität bestimmt. „Leider haben wir nicht so viele Tiere gefunden“, sagt Leiterin Angelika Stahr. Mit dieser Untersuchung sei eine langfristige Auswertung der Wasserqualität möglich. Die Ergebnisse an der Freiberger Mulde zeigen, dass der Fluss mäßig verschmutzt sei.

Zuletzt wird eine Pegelmessstation vorgestellt, wo der Wasserstand und die Durchflussgeschwindigkeit überprüft werden. Das alte Pegelhaus wurde nach dem Hochwasser 2002 im Jahre 2004 dann durch ein neues ersetzt, was „hochwassersicher errichtet wurde“, sagt Uwe Köhler von der Betriebsgesellschaft. Interessant dabei, dass die Pegelstände zwar digital abgerufen werden, aber ebenso noch ein klassischer Pegelmesser mit Papierrolle läuft. „Dafür haben wir einen ehrenamtlichen Pegelbetreuer.“ Denn juristisch sicher sei das Papier.

Von acht bis 14 Uhr sind die Gymnasiasten unterwegs, bekommen praktische Einblicke, wozu beispielsweise eine Durchflussberechnung, wie sie in Physik ansteht, nötig ist. Und wie das in der Praxis aussieht. Auch werden den Schülerinnen und Schülern Berufe rund um das Wasser vorgestellt. Für Schulleiter Xylander ein wichtiger Tag. Denn gerade die Gymnasien gelten eher als praxisfern.

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