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Höchste Eisenbahn für Bahnstrecke Meißen-Döbeln

Die Reaktivierung der Strecke ist nur noch eine Frage der Zeit. Doch so schnell wie die Strecke verschwunden ist, wird sie nicht wiederkommen.

Damit auf dem Bahnhof Nossen wieder Personenzüge einfahren, muss die Leit- und Sicherungstechnik generalüberholt werden.
Damit auf dem Bahnhof Nossen wieder Personenzüge einfahren, muss die Leit- und Sicherungstechnik generalüberholt werden. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die Bahnstrecke zwischen Meißen und Döbeln wurde eingestellt, weil sie sich mit rund 20 Fahrgästen am Tag nicht mehr rentierte. Jetzt soll die Strecke reaktiviert werden; wieder aus wirtschaftlichen Überlegung. Denn mit zwei Güterzügen am Tag sei die Infrastruktur der Bahnstrecke nicht zu finanzieren: "Im Moment zahlen wir mit jedem Güterzug drauf, der hier lang fährt", sagt der neue Betreiber Eckart Sauter und Geschäftsführer von der Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie (NRE). "Wir wären gezwungen, die Preise der Nutzung zu erhöhen - was auch nicht beliebig möglich ist."

Für Eckart Sauter ist die Bahnstrecke zum Herzensprojekt geworden. Deshalb hat er die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie (NRE) gegründet.
Für Eckart Sauter ist die Bahnstrecke zum Herzensprojekt geworden. Deshalb hat er die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie (NRE) gegründet. © Claudia Hübschmann

Eine solche Verbindung würde auch Dresden mit einbeziehen und einen Umstieg in Meißen somit obsolet machen: "Letztlich ist das eine Ausweitung des Speckgürtels in Dresden: Die Fahrgastzahlen werden dann wahrscheinlich über die Grundstückspreise in Dresden definiert", sagt Gerhard Liebscher, verkehrspolitischer Sprecher des Bündnis 90/Die Grünen. Doch zuerst müssten mindestens zehn Millionen Euro investiert werden, noch bevor der erste Personenzug fährt – darin noch gar eingerechnet, die Kosten für die Restaurierung des Bahnhofs Nossen: "So wie es hier aussieht, sah es 2015 auch schon aus", sagt Sauter. Vor allem das Dach der Haltestelle sei einsturzgefährdet – im Vergleich zu den Infrastrukturkosten minimal.

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Den größten Kostenblock würde die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik verursachen: "Diese Strecke ist ein technisches Museum", sagt Sauter, der das jedoch für einen Vorteil hält. "Diese Technik ist sicher, diese Technik ist zugelassen, diese Technik funktioniert." Theoretisch könnten die Züge sofort wieder rollen. "Es gibt nur einen Nachteil: Wir müssten 20 zusätzliche Mitarbeiter einstellen." Aufgrund der hohen Personalkosten eine unrentable Variante.

Stattdessen könnte komplett auf die alte Technik verzichtet werden und ein komplett neues, elektronisches Stellwerk gebaut werden. Dann reicht ein einziger Bediener. Sauter würde einen Kompromiss präferieren, mit relativ geringen Investitionen in die Infrastruktur. Dann würden zwei Jahre Bauzeit ausreichen. Allerdings wäre ein gewisser Personalstamm notwendig: "Aber daran soll der Nahverkehr nicht scheitern, sollte es auf lange Sicht effektiver sein am Anfang viel Geld zu investieren, um später keine Personalkosten mehr zu haben."

Nicht nur das Dach der Haltestelle müsste erneuert werden, auch die Bahnsteigkanten müssten auf die heutige Norm angepasst werden.
Nicht nur das Dach der Haltestelle müsste erneuert werden, auch die Bahnsteigkanten müssten auf die heutige Norm angepasst werden. © Claudia Hübschmann

"Wir wären über eine zusätzliche Verbindung froh", sagte Oberbürgermeister Olaf Raschke, Ende August am Rande des Baustarts für den neuen Bürgerpark - direkt an der künftigen Bahnstrecke. Eine Verbindung nach Nossen oder Altzella sei aus touristischer Sicht perfekt. Von der idyllischen Bahnstrecke würden die Fahrgäste allerdings nicht viel mitbekommen: Ein Gutachten der TU Dresden habe gezeigt, dass eine Bimmelbahn, wie sie bis 2015 existierte, heute keine Chance mehr hätte, fasst Sauter zusammen. Nur ein schneller Zug würde die erforderlichen Fahrgastzahlen bringen. Die TU rechne mit 1.000 Fahrgästen, der VVO mit etwa 900.

Gerhard Liebscher (links) im Gespräch mit Eckart Sauter. Dazwischen Karin Beese, die Direktkandidatin von Bündnis 90/Grünen. Sie hat die Verbindung schon als Kind genutzt.
Gerhard Liebscher (links) im Gespräch mit Eckart Sauter. Dazwischen Karin Beese, die Direktkandidatin von Bündnis 90/Grünen. Sie hat die Verbindung schon als Kind genutzt. © Claudia Hübschmann

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Liebscher könne sich vorstellen, dass die Züge auf lange Sicht mit Wasserstoff betrieben werden könnten. Bis die Technologie ausgereift sei, würde auf Batterie-elektrische Züge gesetzt. Eine ganz schöne Herausforderung bei einem großen Streckenabschnitt ohne Oberleitungen: "Der stromfreie Abschnitt wäre laut der TU zu schaffen, denn in Döbeln gibt es im Bahnhofsbereich ein Stück Oberleitung - da kann der Zug ein bisschen laden und ab Meißen-Triebischtal kann er wieder an eine Stromleitung andocken. Das wäre wohl zu schaffen", so Sauter.

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