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„Ich habe noch allerhand vor“

Heiko Drechsler bereitet seinen Abschied aus Meißen vor. Die SZ sprach mit ihm über die anstehende Übergabe des Tierparks und seine Pläne für die Zukunft.

Das Känguru Gertrud ist Heiko Drechsler besonders ans Herz gewachsen. Bei sich zu Hause und in Meißen hat er sie mit dem Fläschchen aufgezogen, weil das Muttertier verstorben war.
Das Känguru Gertrud ist Heiko Drechsler besonders ans Herz gewachsen. Bei sich zu Hause und in Meißen hat er sie mit dem Fläschchen aufgezogen, weil das Muttertier verstorben war. © privat

Meißen. Noch bis zum Ende dieses Jahres ist Heiko Drechsler privater Pächter des Tierparks in Siebeneichen. Nachdem er in diesem Frühjahr eine Vereinbarung mit der Stadt unterzeichnet hat, bereitet sich der gelernte Tierpfleger und Leiter des von ihm betriebenen Tierparks auf den Abschied aus Meißen vor.

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Herr Drechsler, zum Jahreswechsel will die Lebenshilfe Meißen e. V. den Tierpark in Siebeneichen übernehmen. Und damit auch die Tiere in der Anlage?

Nein. Einen Großteil habe ich bereits verkauft und in anderen Tierparks untergebracht. Bei den Präriehunden oder Streifenhörnchen habe ich in diesem Frühjahr keine neuen Tiere mehr angeschafft, sodass diese Gehege bereits leer stehen. Die Tiere, die mir in Meißen in besonderer Weise ans Herz gewachsen sind – wie das Känguru Gertrud, Uhudame Frida, die zahme Schneeeule Hermine, den Gebirgslori Susi oder die lachenden Hänse – behalte ich. Zu Hause in Cossebaude kann ich dafür 40 Volieren nutzen, in denen ich bislang die Exoten zum Überwintern untergebracht habe.

Wäre es nicht sinnvoll, die Übergabe der Anlage gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem neuen potenziellen Betreiber zu regeln?

Die Stadt hat mich immer wieder ziemlich allein gelassen, und sie beließ es oft bei der Ankündigung von Hilfen. Im Winter, wenn ein Tierpark keine Einnahmen hat, aber Kosten für Energie, Wasser und Futter weiter anfallen, hätte ich einen Zuschuss von der Stadt gut gebrauchen können. Eine Arbeitsgruppe, in der alle Fraktionen des Stadtrates vertreten sind, sollte Ideen für die Zukunft des Tierparks erarbeiten. Das Papier, das sie am Ende des vorigen Jahres vorgelegt hat, empfahl die Auflösung des Pachtvertrages mit mir. Die Entscheider von Meißen gaben mir deutlich zu verstehen, was sie von dem halten, was ich in 18 Jahren in Siebeneichen investiert habe – an Herzblut, Kraft und eigenem Geld. Nun ist die Aufhebungsvereinbarung mit der Stadt unterzeichnet. Und die erfülle ich: Am 31. Dezember dieses Jahres übergebe ich das Gelände ohne Tiere und ohne die von mir errichteten Gehege und Umzäunungen.

Sie verkaufen die Tiere und bauen Anlagen ab. Kann man den Tierpark Meißen jetzt überhaupt noch besuchen?

Die meisten der Bauarbeiten zum Abbau werden erst im Oktober erfolgen, und viele Tiere werden erst dann ihren Besitzer wechseln, sodass der Tierpark geöffnet bleibt. Jetzt biete ich an den Wochenenden samstags und sonntags in der Zeit von 14 bis 15 Uhr Familienführungen durch die Anlage an. Ich hoffe sehr, dass ich im Herbst auch Gertruds Baby präsentieren kann, das dann so groß ist, dass es aus dem Beutel der Känguru-Mama herausschauen kann.

Jetzt können auch Zoos und Tierparks Corona-Hilfen beantragen, um Verluste durch fehlende Einnahmen im vorigen und diesem Jahr mindern zu können.

Das bringt mir aber überhaupt nichts. Denn in den Vorschriften für diese Soforthilfe steht auch, dass sie nur dann gezahlt wird, wenn die Anlage nicht zum Jahresende abgemeldet wird. Als das bekannt wurde, hatte ich den Aufhebungsvertrag mit der Stadt bereits unterschrieben. Zum Glück hatten einige private Spender dem Tierpark geholfen.

Ein Grund mehr, um Meißen im Zorn zu verlassen?

Nein! Die Jahre in Meißen sind für mich auch mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. Ich denke gern zurück an das Interesse und die leuchtenden Kinderaugen, wenn ich sie durch die Gehege geführt und sie ganz nah an die Tiere herangeführt habe. Gern habe ich auch Werbung für Meißen und den Tierpark gemacht – bei Messen ebenso wie im MDR-Fernsehen.

Was haben Sie vor, wenn der Tierpark in Meißen übergeben ist?

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Die Anlage in Siebeneichen soll nach dem Ausscheiden von Heiko Drechsler weitergeführt werden. Der Verein orientiert sich dabei an Oschatz und Bischofswerda.

Gemeinsam mit meiner Frau werde ich im nächsten Jahr erstmal ausgiebig Urlaub machen. Das war in den vergangenen Jahren nicht möglich. Und dann habe ich noch allerhand vor. Ich möchte ein Naturbildungszentrum in Sachsen gründen, vielleicht auch im Zusammenwirken mit einer Naturschutz-Organisation. Dort sollen nur wenige Tierarten präsentiert werden, sodass man es auch den kleinsten Zoo Deutschlands nennen könnte. Dieses Naturbildungszentrum soll Anlaufpunkt für Exkursionen von Schulkassen oder Kindergruppen sein.

Das Gespräch führte Harald Daßler.

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