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"Ich kann einfach nicht aufhören"

Plastiker Peter Strang gehört seit 71 Jahren zur Porzellanmanufaktur Meissen. Käufer für seine Werke zu finden, ist kein Problem.

Findet den Rummel um seine Person übertrieben: Manufakturist Peter Strang bei der Eröffnung der neusten Sonderausstellung umgeben von seinen Porzellankunstwerken.
Findet den Rummel um seine Person übertrieben: Manufakturist Peter Strang bei der Eröffnung der neusten Sonderausstellung umgeben von seinen Porzellankunstwerken. © Claudia Hübschmann

Meißen. Gerade erst 14 Jahre alt war Peter Strang, als er sich zusammen mit seiner Mutter und einigen seiner Zeichnungen auf den Weg in die Meißener Porzellanmanufaktur machte. Trotzdem wusste er schon: "Ich will Künstler werden", erzählt er 71 Jahre später im Festsaal des Museums der Meissen Porzellan-Stiftung. Denn stur war er damals schon. Wie es der Zufall oder das Glück will, ist genau an diesem Tag die Nachprüfung für die Lehrlinge der Manufaktur, an der Peter Strang ohne Vorbereitung teilnimmt und besteht.

Mit fast 85 Jahren ist er der letzte große Porzellan-Künstler, der selbst 20 Jahre nach seinem Ruhestand noch für die Manufaktur arbeitet. Anlässlich seines Geburtstages am 7. Juli zeigt sie eine Sonderschau mit 30 seiner Unikate. In der Mitte stehen großformatige Tänzerinnen, die Peter Strang entworfen hat. An den Wänden hängen Plastiken aus dem Jahr 1989. Peter Strang sitzt neben seiner Frau auf einen Stock gestützt und findet den Aufruhr um seine Person übertrieben: "Das ist doch alles völlig uninteressant", sagt er, und spricht gleich das Thema an, das ihn sein ganzes Leben beschäftigt: "Ich habe immer versucht, eine Lösung für das Material zu finden, aber bin bis heute damit nicht richtig fertig geworden."

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Das sieht Tillmann Blaschke, Geschäftsführer der Porzellanmanufaktur etwas anders: "71 Jahre Meissen und Sie sind bis heute Porzellan-Künstler durch und durch", sagt er in seiner Laudatio. Außerdem sei Peter Strang nicht nur durch seine Arbeit mit dem Porzellan prägend gewesen, sondern auch durch seinen Blick dafür, wer etwas kann: "Dieses Können wird von Generation zu Generation weitergegeben und viele junge Mitarbeiter haben von Ihnen gelernt und von Ihren Erfahrungen profitiert", so Blaschke.

Gezeichnet hat Peter Strang schon immer, sagt er: "Das war eine Flucht für mich, und wenn ich mal wieder in der Klemme war, habe ich für meine Schulkameraden Indianer gezeichnet." Nach seiner Ausbildung zum Modellierer an der Manufaktur geht er 1955 zum Kunststudium an die Hochschule für Bildende Künste nach Dresden, die damals noch Studenten sucht. Er spezialisiert sich auf das Modellieren von Plastiken und schließt mit Diplom ab.

Die Handschrift ist unverkennbar. Kenner werden diese Meissener Plastik sofort dem 85-jährigen Künstler Peter Strang zuordnen.
Die Handschrift ist unverkennbar. Kenner werden diese Meissener Plastik sofort dem 85-jährigen Künstler Peter Strang zuordnen. © Claudia Hübschmann

Danach kehrt er in die Manufaktur zurück und gründet 1960 zusammen mit vier Kollegen das Kollektiv für künstlerische Entwicklung. Die Fünf haben ihr eigenes Atelier im Schloss Moritzburg, wo bekannte Figuren-Serien wie die Musik- und Zirkus-Clowns, figürliche Serienteile, Wandbilder und ab 1977 auch erste Unikate von Peter Strang entstehen. Viele Jahre bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2001 prägt er als künstlerischer Leiter und Chefplastiker entscheidend die Entwicklung von Meissen: "Ich hatte die Wahl, mich einem Chef unterzuordnen oder es selbst zu machen und habe mich für Letzteres entschieden", sagt Peter Strang, der mit seiner Frau in Moritzburg lebt.

Bis heute sind beide fast täglich zwei Stunden am Tag in der Manufaktur. Peter Strang entwirft und modelliert nach wie vor unikative Sachen, wie er sagt. Er kann einfach nicht aufhören, denn ein Künstler müsse sich immer ausdrücken. Nur das Bemalen funktioniert im hohen Alter nicht mehr gut. Deshalb überlässt er es einer Kollegin, der er seit Jahren vertraut. Seine Frau, die eigentlich Landschaftsgärtnerin ist, wirkt seit Jahren als seine Assistentin und steht ihm unterstützend zur Seite. Strangs Unikate sind nach wie vor sehr begehrt. "Die Liebhaber drohen die Stücke aufzukaufen", sagt die Kuratorin der Ausstellung, Susanne Bochmann, mit einem Augenzwinkern. "Viele der aktuellen Werke sind deshalb nur kurz in der Ausstellung zu sehen."

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Die Auswahl aus Tausenden der Strangschen Stücke im Stiftungsbestand ist nicht leichtgefallen: "Unsere Vitrinen in der Dauerausstellung sind zum Bersten voll mit seinen Stücken", sagt Susanne Bochmann, "und wir haben uns gefragt, was wir machen sollen." Letztendlich kommt ein Künstler aber über seine Unikate am besten zur Geltung, so die Kuratorin. Peter Strang spiele das Porzellan wie ein Musiker sein Instrument.

  • Die Sonderausstellung „Unikate“ ist vom 24. Juni bis 21. Juli 2021 im Museum der Meissen Porzellan-Stiftung zu sehen.

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