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Ewiges Aufräumen: Meißnerin im Kampf gegen Müll

Meißen hat ein Problem mit illegalen Müllkippen – Katrin Markert kennt sie alle. Hat sie einen Schandfleck beräumt, dauert es nicht lange, bis sich wieder Müll türmt.

Katrin Markert kennt im Stadtgebiet zehn Müllecken in dieser Größenordnung.
Katrin Markert kennt im Stadtgebiet zehn Müllecken in dieser Größenordnung. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es ist wie mit einem Gips-Arm: Katrin Markert kann nicht mehr vor die Tür gehen, ohne Müll zu entdecken, der ihr früher gar nicht aufgefallen wäre. Angefangen hat das vor zehn Jahren, als die Meißnerin beim Spazierengehen erst über lauter Bauschutt, dann über eine tote Perserkatze stolperte. "Ich war wie versteinert und kann es immer noch nicht fassen, dass jemand seine Katze einfach so entsorgt", sagt die 42-Jährige. Seitdem hat sich Markert selbst die Mission gegeben, Meißen von Müll zu befreien.

Ob Matratzen und Windeln in der Triebisch oder Autoreifen und Kinderbetten im Wald, es gibt kaum etwas, was Markert noch nicht entdeckt hat. Die Schandflecken dokumentiert sie mit Fotos für Ordnungsamt und Mängelmelder. "Letztens hatte ich Glück: Bei einem Müllberg lag auch ein Brief dabei, der auf den Verursacher schließen ließ. Das ist allerdings die Ausnahme."

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Heute ist Markert zu einer Stelle unweit der Triebisch unterwegs, wo Fotos fürs Ordnungsamt nichts bewirken: Vorbei an saftig grünen Buchen, zwitschernden Vögeln und surrenden Insekten verspricht ein ausgetretener Trampelpfad noch mehr Idylle. Tatsächlich führt er zu einer heruntergekommenen, vollgekritzelten Gartenlaube.

Man kann sich nur noch schwer vorstellen, dass hier einmal hinter weißen Spitzenvorhängen eine gemütliche Sitzecke hervorgelugt haben könnte. Heute fungiert die Laube nämlich als Müllcontainer für rissige Felgen, Glasflaschen, Essensreste, verbeulte Töpfe und verrostete Ölfässer. Sogar eine Brotschneidemaschine findet sich: "Die geht vielleicht sogar noch", entfährt es Markert ungläubig. Dazwischen jede Menge blaue und schwarze Müllsäcke: "Ich will gar wissen, ob hier vielleicht ein totes Tier drin ist."

Ein Magnet für Müllsünder

Damit ihr der viele Müll nicht über den Kopf wächst, hat sie sich vor drei Jahren Unterstützung gesucht und eine Sauberkeits-Arbeitsgruppe mit zehn mehr oder weniger aktiven Mitgliedern ins Leben gerufen: "Wir räumen weg, was wir können. Aber bei so einem Ausmaß seh' ich das auch nicht ein."

Besonders krass am Lauben-Müllcontainer: Die Stelle lässt sich gar nicht mit einem Auto anfahren. Das heißt, irgendjemand habe seinen Sperrmüll lieber in den Wald getragen, anstatt eine Sperrmüllkarte auszufüllen.

Insgesamt kenne Markert im Stadtgebiet zehn illegale Müllkippen in dieser Größenordnung. Warum die einfach nicht verschwinden, habe verschiedene Gründe: Zum einen würden sich viele Müllecken in Privatbesitz befinden – das Ordnungsamt sei deshalb nicht zuständig. "Andere Stellen wirken wie ein Magnet auf Müllsünder. Die werden zwar vom Bauhof beräumt, doch es dauert nicht lange, bis sich dort wieder Müll türmt."

Auch an der Aussichtsplattform am Ratsweinberg ist der Ausblick von leeren Glasflaschen und Verpackungsmüll getrübt...
Auch an der Aussichtsplattform am Ratsweinberg ist der Ausblick von leeren Glasflaschen und Verpackungsmüll getrübt... © Claudia Hübschmann
... der seit Jahren nicht weggeräumt werde. Das Problem: Die Stadt sei nicht zuständig, es handele sich um ein Privatgrundstück.
... der seit Jahren nicht weggeräumt werde. Das Problem: Die Stadt sei nicht zuständig, es handele sich um ein Privatgrundstück. © Claudia Hübschmann

Aufgeben kann und möchte Markert deshalb nicht: "Natürlich macht mich das sprachlos, aber aus dieser Sprachlosigkeit wird Wut, und dann muss ich weitermachen, statt einfach zusehen, wie es noch mehr wird." Den Lauben-Müllcontainer hat Markert bereits Pfingsten 2012, auf einem Spaziergang zur Buschmühle entdeckt: "Da sah es noch nicht ganz so schlimm aus und der Müll hat sich noch nicht ganz bis zur Fensterkante gestapelt." Ihren unglaublichsten Fund macht Markert im Stadtwald: 25 Autoreifen und Kinderbetten wurden beim alten Auffangbecken einfach abgekippt.

Verheerend: Gartenabfälle

Schwer einsehbare Parkplätze seien besonders beliebt: Marko Groß, Revierleiter des Staatswalds Moritzburg, hat an solchen Ecken schon Kühlschränke und Chemiekanister entdeckt: Dass Öl und Kühlflüssigkeit Tausende Liter Grundwasser verunreinigen können, liegt auf der Hand. Doch auch Gartenabfälle können verheerende Auswirkungen auf die Natur haben: "In unseren Gartenböden finden sich ganz andere Pflanzen, Lebewesen und Pilze, mit denen der Waldboden nicht zurechtkommt", so Groß. Mit starken Wurzeln könnten sie sich extrem schnell vermehren und heimische Arten verdrängen. So sei auch der Japanische Knöterich in unsere Wälder gekommen: "Eigentlich als Zierpflanze für den Garten gedacht, verdrängt er mittlerweile heimische Pflanzen."

Allein zwischen Oktober und März habe der Meißner Bauhof 140 Kubikmeter illegalen Müll eingesammelt. Bei so viel Müll reiche der jährliche Putztag "Meißen putzt sich raus" nicht aus. Markert organisiert deshalb eigene Putzaktionen und hat sich dafür eine richtige Ausrüstung zugelegt: "Um Müll aus der Elbe zu fischen, habe ich einen großen Kescher, um nirgends reinzutreten eine Wathose und Gummistiefel." Denn sobald die Elbe etwas zurückgeht, komme einiges zum Vorschein: "Wir haben im Winter 2018 zu viert und eher symbolisch angefangen, Müll aus der Elbe zu holen.

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Wer selbst aktiv werden möchte oder Ideen zur Müllvermeidung hat, mitmachen möchte, kann sich über die Facebook-Gruppe AG Sauberkeit Meißen ° für eine müllfreie Stadt ° mit Katrin Markert in Verbindung setzen.

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