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Eigentumswohnungen in alter Schule

Lommatzsch wirbt für Wohnen auf dem Land. In Wachtnitz plant die Stadt ein neues, aber auch riskantes Projekt.

Das Bürgerhaus in Wachtnitz soll umfassend saniert werden. Auch zwei Eigentumswohnungen solle hier entstehen.
Das Bürgerhaus in Wachtnitz soll umfassend saniert werden. Auch zwei Eigentumswohnungen solle hier entstehen. © Planungsbüro Hubert

Lommatzsch. Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Die Landflucht ist gestoppt. Von einer Trendumkehr kann zwar noch keine Rede sein, jedoch ziehen seit einigen Jahren viele Stadtbewohner aufs Dorf. Gründe sind vor allem die stark gestiegenen Grundstückspreise und Mieten. In manch Ballungszentren können sich selbst Familien mit zwei Verdienern kein Grundstück und mitunter auch nicht mehr die Miete leisten. Sie ziehen dann auf das meist deutlich günstigere Land.

Ein weiterer Grund ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank und die damit verbundenen Negativzinsen, auch auf Privatkonten. Statt ständig Geld zu verlieren, investieren viele lieber in Wohneigentum. Das ist zwar so lange die Kredite laufen, kaum günstiger als Miete, doch im Alter können sie dann mietfrei wohnen.

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Einwohnerschwund gebremst

In den Einwohnerzahlen der Dörfer macht sich das zumeist aber nicht bemerkbar, insgesamt hält der Einwohnerschwund an, weil nach wie vor mehr Menschen sterben als geboren werden. Immer noch macht sich bemerkbar, dass nach der Wende vor allem junge Menschen ihre Heimat verließen, weil sie hier keine Arbeit mehr fanden. Zurückgeblieben sind die Älteren, die nun nach und nach wegsterben.

Durch den Zuzug wird der Einwohnerschwund aber gebremst. Ein Beispiel dafür ist Lommatzsch. Das ist zwar formal eine Stadt, die aber mit 38 Ortsteilen vor allem ländlichen Charakter hat.

So soll das sanierte Bürgerhaus in Wachtnitz einmal von der Hofseite her aussehen
So soll das sanierte Bürgerhaus in Wachtnitz einmal von der Hofseite her aussehen © Planungsbüro Hubert

Insgesamt sind in Lommatzsch von Juni 2020 bis Juni 2021 59 Menschen mehr gestorben, als im gleichen Zeitraum Kinder geboren wurden. Der Einwohnerschwund lag jedoch nur bei 21. Grund sind die vielen Zuzüge. Einige Orte konnten ihre Einwohnerzahl sogar erhöhen, Wuhnitz um elf, Paltzschen um fünf sowie Churschütz und Altlommatzsch um jeweils vier Einwohner.

Abriss als Alternative

Dies alles ist für die Stadt Lommatzsch ein Grund, jetzt ein neues und auch mutiges Projekt zu starten. Das Bürgerhaus in Wachtnitz soll saniert und umgebaut werden. Dort sollen auch zwei Eigentumswohnungen entstehen. "Das 1928, in der Zeit der Weimarer Republik, gebaute Haus, ist identitätsstiftend. Wir wollen mit dem Projekt Identität und junge Familien zusammenbringen", sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Das Haus war einst Schulgebäude, später auch Kindergarten und Sitz der Gemeindeverwaltung. Die letzten Mieter der beiden Wohnungen zogen vor vielen Jahren aus. In dem Gebäude befinden sich noch Räume für die Gemeinde, den Tennisklub und die Feuerwehr. Unter Denkmalschutz steht das Haus nicht. Die Alternative sei der Abriss gewesen, so die Bürgermeisterin.

Entstehen sollen nach den Plänen der Ingenieurbüros Hubert aus Diera-Zehren zwei Maisonettewohnungen, also über zwei Etagen, mit einer Wohnfläche von 125 beziehungsweise 140 Quadratmetern Wohnfläche. "Jede Wohnung wird einen Balkon haben. Auch eine Gartennutzung ist auf Wunsch möglich", sagt Dietmar Hubert.

"Voraussetzung für sie Sanierung ist aber, dass wir die Wohnungen vorher verkauft kriegen", so die Bürgermeisterin. Denn die Planungen sehen vor, dass die beiden Wohnungen zunächst an die Interessenten verkauft, saniert und schlüsselfertig übergeben werden. Die Vermarktung hat das Immobilienbüro Kienzle aus Weinböhla übernommen. Der Verkauf soll im Sommer nächsten Jahres stattfinden, Baubeginn 2023 sein. Einziehen sollen die Eigentümer dann 2024.

Das Kellergeschoss soll auch künftig die Feuerwehr Wachtnitz mit Umkleiden, Sanitärräumen, Lagerräumen, Büro für den Wehrleiter und Lagerräume nutzen. Im Erdgeschoss bleiben die Räume für den Tennisverein sowie der Gemeinderaum.

Bushaltestelle vor dem Haus

Zu den Preisen kann oder will man sich im derzeitigen Stadium noch nicht äußern. "Sie werden auf jeden Fall günstiger sein als für ein Eigenheim", versichert Makler Henry Kienzle. Die Wohnfläche entspricht der eines durchschnittlichen Eigenheimes.

Die Wohnungen seien für Familien mit mittlerem Einkommen und zwei Kindern ideal, so Bürgermeisterin Anita Maaß. "Das können Familien sein, die bei uns wohnen bleiben, sich aber verändern wollen, aber auch welche, die zu uns ziehen möchten", sagt sie und preist die Vorzüge des Hauses.

Wachtnitz sei ein ruhiger Ort, die Straße vor dem Haus eine 30er-Zone. Die Verkehrsanbindung sei gut, die Bushaltestelle befindet sich direkt vor dem Gebäude. Und falls es - was sich niemand wünscht - doch mal brennt, ist die Feuerwehr ganz schnell da. Sie ist in einem Nebengebäude untergebracht.

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"Dieses Projekt ist für uns Neuland. Der Bau beziehungsweise die Sanierung können erst beginnen, wenn die Finanzierung gesichert ist, also wenn die Wohnungen verkauft sind. Natürlich ist das mit einem Risiko für uns behaftet", macht die Bürgermeisterin deutlich. Und was, wenn das nicht klappen sollte? Das Haus selbst zu sanieren und die Wohnungen dann zu vermieten, dafür habe die Stadt kein Geld, sagt sie. Dann bliebe wohl doch nur der Abriss. Doch daran will sie keinen Gedanken verschwenden. "Wir wollen das Haus retten, etwas für das Dorf tun und hoffen, dass es klappt."

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