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„Meißen braucht Bauland“

Der Flächennutzungsplan der Stadt wird überarbeitet. Angebote sollen nicht nur auf der grünen Wiese geschaffen werden.

Von Harald Daßler
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In Lercha wurden vor zwei Jahren 16 Eigenheime zur Abrundung des Wohngebietes Stadtblick gebaut.
In Lercha wurden vor zwei Jahren 16 Eigenheime zur Abrundung des Wohngebietes Stadtblick gebaut. © Claudia Hübschmann

Meißen. Etwa 2.000 Bauland-Anfragen gehen im Jahr bei der Stadtverwaltung ein. Diese Zahl hat Stadtrat Holger Metzig in Erfahrung gebracht. Und er hat im Gegenzug gecheckt, was die Stadt denjenigen anbieten kann, die sich hier ansiedeln wollen und sich mit dem Gedanken tragen, ein Eigenheim zu bauen. Das Fazit ist ernüchternd: „Derzeit können im Jahr durchschnittlich 15 Eigenheime neu auf Meißner Flur gebaut werden“, sagt Holger Metzig, der für die Unabhängige Liste Meißen (U.L.M.) in der gemeinsam mit den Stadtratskollegen und -kolleginnen von CDU, FDP und Freie Bürger für Meißen gebildeten Großfraktion wirkt.

Allein diese beiden Zahlen zeigen den Handlungsbedarf, ist Holger Metzig überzeugt. Das Interesse in Meißen zu wohnen ist vorhanden. Und die Stadt sollte ein Interesse daran haben, dem zu entsprechen. Der Zuzug und die Ansiedlung junger Familien wirkt sich nicht nur auf die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt aus. Entscheiden sie sich für Meißen als Wohnort, dann sind sie hier auch Steuerzahler. Für ein Mittelzentrum wie Meißen ist das von großer Bedeutung, zumal die Stadt bislang sehr viel Geld in Schulen und Kindergärten investiert hat.

Die positiven Effekte der Neuansiedlung in der Stadt zeigen sich in Lercha, nennt Holger Metzig ein Beispiel: Hier wurden vor zwei Jahren 16 Eigenheime zur Abrundung des Wohngebietes Stadtblick gebaut. Zwölf der neuen Häuser bewohnen Zuzügler in die Stadt. In 13 Eigenheimen leben Familien mit Kindern. Vier der neuen Meißner Familien sind aktiv im Lerchaverein. Sowohl auf dem Spielplatz als auch beim Lerchafest zeige sich die Belebung im Stadtteil, berichtet Holger Metzig.

Im Namen seiner Fraktion hat er einen Antrag formuliert und den Stadträten zur Abstimmung vorgelegt. Demnach wird die Stadtverwaltung beauftragt, ein Konzept zur Entwicklung neuer Wohnbaustandorte im Stadtgebiet zu erarbeiten. Als Ziel nennt der Antrag „die kontinuierliche Bereitstellung bedarfsgerechter Angebote für die Ansiedlung in den nächsten 25 Jahren“.

Zunächst mal müsse alles unter die Lupe genommen werden, fordert Holger Metzig. Für diese Bestandsanalyse fallen die Altstadtsanierung ebenso ins Gewicht wie die Bemühungen um Aufwertung in bestehenden Wohngebieten sowie in den vergangenen Jahren neu gebaute Mehrfamilienhäuser. Geschaut werden müsse auch danach, für welche Brachen eine neue Entwicklung möglich wäre.

„Das reicht aber nicht aus“, sagt Holger Metzig. Der diplomierte Bauingenieur und Inhaber eines Ingenieurbüros, der gerade ein Wohnhaus in der Görnischen Gasse denkmalgerecht saniert, weiß auch aus eigener Berufserfahrung um Angebot und Nachfrage in der Stadt. Das Interesse an einem Eigenheim ist nach wie vor sehr stark ausgeprägt, das belegten auch die eingangs erwähnten Zahlen zu den Bauland-Anfragen in Meißen.

Wohnbauprojekte auf städtischer Flur wie am Fürstenberg oder in Korbitz sowie Projekte auf privaten Flächen befinden sich noch in der Entwicklung. Die derzeitige Knappheit an baureifen Grundstücken in der Stadt treibe die Bodenpreise in die Höhe, was abschreckend auf Interessenten wirkt. Auch deshalb braucht die Stadt ein Angebot an Baugrundstücken. Und daran mangelt es zurzeit in Meißen.

Die Stadträte der Großfraktion Holger Schmidt (l.) und Holger Metzig.
Die Stadträte der Großfraktion Holger Schmidt (l.) und Holger Metzig. © Harald Daßler

„Wir wollen Interessenten und potenziellen Käufern von Grundstücken für den Wohnungsbau Mut machen“, pflichtet CDU-Stadtrat Holger Schmidt seinem Fraktionskollegen Holger Metzig bei. Vom angestrebten Konzept, das kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen vorsehen sollte, müsse das Signal ausgehen: Es lohnt sich an Meißen zu glauben, so Holger Schmidt.

Dazu muss der Meißner Flächennutzungsplan kritisch durchgesehen werden. Inzwischen ist es 15 Jahre her, dass er per Stadtratsbeschluss an aktuelle Entwicklungen angepasst wurde. Stadtplaner sollten ihn Stadtteil für Stadtteil durchgehen. Dabei sollte auf Entwicklungen in einzelnen Wohngebieten wie starke Überalterung oder inzwischen entstandene Brachen reagiert werden. Neben der Darstellung möglicher Wohnstandorte geht es dabei auch um die Anpassung an die Verkehrsentwicklung, Freizeitangebote und Versorgung sowie die Ausweisung von Ausgleichsmaßnahmen.

Ein Gesamtkonzept für die Stadtentwicklung in den nächsten 25 Jahren, fasst Holger Metzig seine Erwartungen an die Stadtverwaltung zusammen. Neue Wohnbauflächen sollten „nicht nur auf der grünen Wiese“ ausgewiesen werden, fügte er hinzu, als der den Antrag seiner Fraktion im Stadtrat einbrachte. Diesen Hinweis würdigten Ute Czeschka (Bürger für Meißen/SPD) und Tilo Hellmann (Linke). Letztlich stimmten alle 21 anwesenden Stadträte dem Antrag zu.

Für die Verwaltung beginnt nun die Arbeit an der Umsetzung dieses Beschlusses. Im nächsten Frühjahr, wenn die Stadträte wieder zu einer Klausurtagung zusammenkommen, wird Baudezernent Albrecht Herrmann einen ersten Bericht dazu abgeben.