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„Quantensprung“ am Plossenhang

Für ein Bauprojekt, das bislang auf Vorbehalte in der Stadt stieß, wurden jetzt neue Entwürfe präsentiert – und im Stadtrat abgesegnet.

Keine "monotone Bebauung": Nur noch zwei Wohngebäude sehen die neuen Pläne für das private Bauvorhaben am Plossenhang vor, wie dieser Ausschnitt aus dem Entwurf zeigt.
Keine "monotone Bebauung": Nur noch zwei Wohngebäude sehen die neuen Pläne für das private Bauvorhaben am Plossenhang vor, wie dieser Ausschnitt aus dem Entwurf zeigt. © Stadt Meißen

Meißen. Für ein seit Jahren umstrittenes privates Bauvorhaben am Plossen ist ein Kompromiss gefunden worden. Nach einjähriger Debatte hinter den Kulissen scheint klar, wie das Grundstück oberhalb der Hornschen Villa zwischen Plossen- und Kapellenweg bebaut werden soll.

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Was von den Planungen in den vergangenen beiden Jahren an die Öffentlichkeit gelangt war, stieß in Meißen auf Vorbehalte. Von Würfelhäusern war ebenso die Rede wie von moderner Architektur, die nicht hierher passe. Die nun im Stadtrat abgesegneten Pläne sehen den Bau von nur noch zwei Wohngebäuden vor. In einem der Gebäude mit zwei Geschossen sollen zwei Wohnungen entstehen, wie die Dresdner Architektin Bettina Krah erläuterte. Ein weiteres Gebäude soll zwei Geschosse im Flügel zum Kapellenweg haben. Ein vom Kapellenweg wegführender Gebäuderiegel treppt sich am Hang ab, sodass Raum für ein drittes Geschoss entsteht. In diesem zweiten Wohngebäude sehen die Pläne der Architektin drei Wohnungen vor. Die hangseitigen Grundstücksflächen bleiben unbebaut.

Zwischen beiden Gebäuden verbleibt ein etwa 15 Meter breiter Freiraum. „In dieser Bauweise verschwindet das untere Geschoss optisch im Hang und der Versatz sowie die Reduzierung auf zwei Gebäude ermöglichen eine große und breite Öffnung in der Mitte des Grundstückes, um die Sichtlinie auf die Altstadt zu erhalten. Um einer monotonen Bebauung vorzubeugen, sind die Baukörper in unterschiedlichen Formen gestaltet“, heißt es in der Begründung des Beschlusses.

Einwendungen berücksichtigt

Die neuen Entwürfe, die Bettina Krah während der Stadtratssitzung erstmals der Öffentlichkeit präsentierte, berücksichtigen Einwendungen und Forderungen, die im bisherigen Verlauf des Verfahrens zur Sprache gekommen waren. Vor einem Jahr hatte eine Mehrheit der Stadträte beschlossen, einen Planungsworkshop einzuberufen, um dort alle strittigen Punkte dieses Projekts zu behandeln und Lösungen zu finden.

Die Runde, in der neben Planern und Vertretern des Gestaltungsbeirates auch Stadträte aller Fraktionen mitwirkten, hatte zweimal getagt, informierte Steffen Erhardt vom Bauverwaltungsamt. Zu den Festsetzungen, die dort abgestimmt und niedergeschrieben worden sind, gehört neben der Höhe der Gebäude und der für die Fassaden zu verschiedenen Farben auch, dass sie Flachdächer erhalten, die begrünt werden. Damit sind Photovoltaikanlagen ausgeschlossen, fügte die Architektin hinzu. Die Verkehrserschließung zu den Wohngebäuden erfolgt über den Kapellenweg. Die Baukörper sollen so platziert werden, dass keine Umverlegung des in der Mitte zwischen Kapellenweg und Plossenweg verlaufenden Abwasserkanals notwendig ist.

Am Hang oberhalb der Hornschen Villa sollen zwei Gebäude mit insgesamt fünf Wohnungen errichtet werden.
Am Hang oberhalb der Hornschen Villa sollen zwei Gebäude mit insgesamt fünf Wohnungen errichtet werden. © Claudia Hübschmann

Stadträte aller Fraktionen lobten das Ergebnis des Workshops sowie die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Ingolf Brumm (Linke), der bei diesem Bauvorhaben nach eigenem Bekunden „von Anfang an dagegen“ war, nannte den gefundenen Kompromiss einen Quantensprung. Der Workshop habe auch gezeigt, dass hier nicht jeder bauen könne, wie er will. Dass er dem vorliegenden Beschluss dennoch nicht zustimmen könne, begründete Ingolf Brumm mit der aus seiner Sicht nach wie vor ungeklärten Frage, ob auf dem Grundstück gebaut werden darf.

Wie berichtet, gehört die etwa 1,5 Hektar umfassende Fläche am Hang zum Erbe, das der Meißner Kaufmann und Kunstsammler Otto Horn der Stadt hinterlassen hatte, als er kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem Leben schied. Er hatte seinen Grundbesitz der Stadt mit der Auflage einer „Nutzung für öffentliche Zwecke“ vermacht. Aus Sicht der Stadt ist dieses Testament nicht bindend, und sie beruft sich dabei auf zwei Grundsatzurteile des Bundesgerichtshofes aus den Jahren 1997 und 2004.

Die AfD-Fraktion betrachtet das Erbe-Thema als erledigt, erklärte deren Fraktionschef Thomas Kirste. Er begrüßte, dass mit den vorliegenden Entwürfen Meißen in seiner Altstadt-Optik erhalten bleibt.

Als „eines der umstrittensten Projekte der vergangenen Jahre“ bezeichnete Heiko Schulze das private Bauvorhaben am Plossenhang. „Aus unserer Sicht ist eine sehr gute Lösung gefunden und Kritik ausgeräumt worden“, erklärte der Chef der Bürger für Meißen/SPD-Fraktion. Angesichts einiger strittiger Bauvorhaben in der Stadt sollte dieses Verfahren weiter so gehandhabt werden.

Für die Großfraktion aus CDU, Freie Bürger, FDP und Unabhängige Liste Meißen (U.L.M.) wandte sich Uwe Köhler an den privaten Eigentümer und demnächst Bauherren und dankte ihm für seine Geduld.

Öffentliche Auslegung

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Der von den Stadträten bei drei Gegenstimmen mehrheitlich gefasste Entwurfs- und Auslegungsbeschluss bildet die Grundlage weiterer Planungen. Zunächst wird er öffentlich ausgelegt. In der Zeit vom 2. August bis zum 1. September kann der Bebauungsplan Plossenweg/Kapellenweg mit seinen Anlagen und Gutachten in der Bauverwaltung in der Leipziger Straße 10 während der Dienstzeiten von allen Interessierten eingesehen werden. Einwendungen und Anregungen werden erfasst. Mögliche Änderungen, die sich aus deren Abwägung ergeben, fließen in den Satzungsbeschluss ein. Findet er eine Mehrheit im Stadtrat, wird der Bebauungsplan rechtskräftig – und der erste Spatenstich kann erfolgen.

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