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Meißen: Stadteingang soll grüner werden

Eine alte Aufgabe der Stadt Meißen sorgt für neue Verwirrung.

Von Peter Anderson
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Ein großer Tag 2019 für die DLRG: In Meißen kann sie ihr neues Zentrum einweihen. Zwei Jahre später spielt der Standort erneut eine Rolle im Meißner Stadtrat.
Ein großer Tag 2019 für die DLRG: In Meißen kann sie ihr neues Zentrum einweihen. Zwei Jahre später spielt der Standort erneut eine Rolle im Meißner Stadtrat. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ein Tagesordnungspunkt zum Neubau der Kreisstraßenmeisterei in Bohnitzsch hat beim jüngsten Meißner Stadtrat verblüffte Gesichter produziert. Schließlich ist der Komplex bereits seit 2014 in Betrieb. Die Zustände in der alten Kreisstraßenmeisterei an der Leipziger Straßen neben dem Kloster Heiligkreuz waren schon die Jahre zuvor kaum mehr tragbar. Für das viele Personal gab es zu wenig Duschen und WCs. Es existierte keine Möglichkeit, die nassen Sachen zu trocknen. Es fehlten ein Salzlager und ausreichend Garagenplätze für die Fahrzeugtechnik.

In Bohnitzsch sind diese Defizite längst behoben. Trotzdem schleppt Meißen seit 2014 eine Altlast mit sich. Als die Stadt das alte Gelände an der Hochuferstraße vom Landkreis übernahm, verpflichtete sie sich gleichzeitig zum Rückbau der dortigen Gebäude und zum Beseitigen des Betons auf dem Hof und den Wegen. Letztlich kam es allerdings anders. 2016 wurde die Immobilie an die DLRG Niederes Elbtal übergeben. Fünf Hochwasserrettungsboote, drei Autos, die persönliche Schutzausrüstung, die Utensilien fürs Ferienlager – all das und noch viel mehr fanden nach Baumaßnahmen Platz in fünf Lkw-Garagen. Im Hauptgebäude selbst entstanden ein geräumiger Schulungstrakt, eine Teeküche, die Toiletten und Verwaltungsräume.

Damit allerdings waren die Pläne für den Rückbau obsolet. Eine neue Lösung musste her. Nach Auskunft des Rathauses wurde ein Ausgleich durch einen Gehölzschutzstreifen gegen Schlammfluten von den Korbitzer Feldern geschaffen. Zudem sei der Bürgergarten im Triebischtal begrünt worden. Für die Zukunft ist geplant, den Stadteingangsbereich an der früheren Kreisstraßenmeisterei aufzuwerten.

Stadtrat Helge Landmann (Bürger für Meißen) wünscht sich, die Gelegenheit zu nutzen, um das Parkplatzproblem für das durch ihn vertretene Hahnemannzentrum im Kloster Heiligkreuz zu beheben. Rund 20 Mitarbeiter suchten täglich einen Platz für ihr Auto. Sie könnten zwar auf das Gelände der DLRG ausweichen, müssten dafür jedoch bezahlen. Es könne nicht angehen, dass das Hahnemannzentrum über die Parkgebühren einen anderen Verein subventioniere, so Landmann. Die Stadt habe diese Frage offenbar "nicht auf dem Schirm".

Für Kopfschütteln sorgt diese Argumentation beim Vorsitzenden der sogenannten Großfraktion Martin Bahrmann (FDP). Aus seiner Sicht handele es sich um eine artfremde Diskussion. Er finde es befremdlich, dass sich Landmann hier in einer Doppelfunktion als Stadtrat und Beteiligter äußere. Es stelle sich die Frage der Befangenheit. Er finde es zudem nicht korrekt, dass hier möglicherweise über den Kopf der DLRG hinweg debattiert werde.

DLRG kommt schnell an die Boote ran

Auch Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) verteidigt das Projekt. Die Führung der B6 und die gesamte Verkehrssituation müssten an dieser Stelle neu betrachtet werden. Da der Stadt die Fläche gehöre, könne sie dort nach ihrem Willen gestalten. Der Stadtentwicklungsausschuss werde sich mit dem Thema befassen.

Gleichzeitig sei er froh, mit der früheren Straßenmeisterei einen sehr guten Standort für die DLRG gefunden zu haben. Die Helfer könnten von dort sehr schnell die Elbe erreichen, was vom alten Lager nicht möglich gewesen sei. Er erinnerte an die Probleme, welche es 2002 gab, als das sogenannte Brückenohr in der Elbe verschwand. "Für die Wasserrettung ist die neue Lösung ein riesiger Gewinn", so Raschke. Der Stadtrat folgte letztlich mit zwei Enthaltungen dem Vorschlag der Verwaltung, nach neuen Ausgleichsmaßnahmen für die Flächenversiegelung an der Leipziger Straße zu suchen. Der Zeitrahmen dafür bleibt vorerst offen.