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Ins Messer gegriffen

Der angeklagte Klipphausener ist seit über 30 Jahren schwer kriminell. Er ist ein Babymörder und Brandstifter.

Als sich der Angegriffene zu wehren versucht, greift er in das Messer des Angeklagten.
Als sich der Angegriffene zu wehren versucht, greift er in das Messer des Angeklagten. © Symbolfoto: Sebastian Schultz

Meißen. Der 54-jährige Mann aus Klipphausen, der da auf der Anklagebank des Meißner Amtsgerichtes sitzt, ist gerichtserfahren. Elfmal wurde der Arbeitslose bereits verurteilt, saß mehrfach im Gefängnis. Bereits im September 1990 bekam der Mann noch nach DDR-Recht wegen versuchten Mordes eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren.

Er hatte das jüngste seiner drei Kinder erstickt, wollte sich damit an seiner Frau rächen, die sich von ihm trennen wollte. Er goss dem vier Monate alten Mädchen erst den Inhalt des Fläschchens ins Gesicht, warf danach den wehrlosen Säugling ins Kinderbett und bedeckte ihn vollständig mit einer Federdecke. Dann ging er ins Wohnzimmer, trank seelenruhig Bier und schaute sich eine Sportsendung an, während das Kleinkind qualvoll erstickte. Schon damals war er schwerer Alkoholiker, trank am Wochenende 20 Flaschen Bier.

Haus angezündet

Am 9. Mai 2013 zündete er das Fachwerkhaus seines Mitbewohners in Rothschönberg an. Das Haus brannte vollständig ab. Schon mehrfach zuvor waren dort Brände ausgebrochen, die die Feuerwehr aber löschen konnte. Das Landgericht Dresden verurteilte ihn im Februar 2014 zu drei Jahren Haft. Im Gegensatz dazu, sind die jetzt angeklagten Taten ein paar Nummern kleiner. Ihm wird ein Einbruch in einem Nossener Garagenkomplex vorgeworfen. Außerdem soll er einen Mann mit einem Messer an der Hand verletzt haben.

Auch der Brand eines Fachwerkhaus in Rothschönberg geht auf das Konto des Angeklagten. Dafür bekam es damals drei Jahre Haft.
Auch der Brand eines Fachwerkhaus in Rothschönberg geht auf das Konto des Angeklagten. Dafür bekam es damals drei Jahre Haft. © Claudia Hübschmann

Als sich Mitte Dezember 2017 eine Nossenerin in ihre Garage aufmacht, um Weihnachtsschmuck zu holen, lässt sich der Schlüssel nicht drehen. Die Tür ist offen, dass alte DDR-Einsteckschloss geknackt. Der Riegel eines zweiten Schlosses, ein etwas neueres Kastenschloss, liegt auf dem Boden in der Garage. In dieser befindet sich kein Fahrzeug, sondern es ist mehr oder weniger ein Lager. Unter anderem befinden sich dort Erbstücke, unter anderem Vasen aus Bleikristall, Holzskulpturen, Glasschalen, eine Reisetasche. Dies alles ist weg.

Doch etwas anders, was da nicht hingehört, findet sich: weiße Gummihandschuhe. Die muss wohl der Einbrecher vergessen haben. Das Landeskriminalamt untersucht sie, findet DNA-Spuren und landet einen Treffer. Sie passen zu einem 54-jährigen Mann aus Klipphausen. Dessen DNA ist seit der Brandstiftung von Rothschönberg gespeichert.

Ein Messer gegen Ausländer

Ständig und seit Jahren Streit hat der Angeklagte mit einem 72-jährigen Klipphausener. An einem Februartag dieses Jahres nachts um zwei Uhr schlägt er wieder bei dem alten Mann auf. Laut Anklage hat er von diesem Limonade, ein Fahrrad und Bargeld gefordert, ihn „Judensau“ genannt und gegen einen Schrank geschubst. Als der sich weigert, ihm die gewünschten Sachen zu geben, soll der Angeklagte versucht haben, diesen mit beiden Händen am Hals zu packen. Dabei hat er ein Jagdmesser mit einer 16,5 Zentimeter langen Klinge in der Hand. In der Dunkelheit sieht das der Angegriffene nicht, versucht, sich zu wehren, greift dabei in das Messer und zieht sich eine sechs Zentimeter lange und zwei Zentimeter tiefe Schnittwunde an der linken Hand zu. Zum Glück werden keine Sehnen getroffen. Die Wunde wird im Krankenhaus genäht.

Das Messer wird später bei ihm während eines anderen Polizeieinsatzes gefunden. Die Polizisten finden es in einer Beintasche. Er habe das Messer "zu seiner Verteidigung, speziell gegen Ausländer" mitgeführt, sagt er den Polizisten.

Der Klipphausener streitet die Vorwürfe rundweg ab. Er sei zwar nachts bei seinem ehemaligen Mitbewohner gewesen, habe ans Fenster geklopft, doch der sei gar nicht herausgekommen. Erst als die Polizei da war, habe er sich aus der Wohnung getraut, so der Angeklagte. Auch den Einbruch und Diebstahl in der Garage streitet er rundweg ab. „Ich habe die Straftaten nicht begangen, war noch nie in diesem Gargenkomplex“, behauptet er. Wie denn die Handschuhe mit seiner DNA in die Garage gekommen seien, will die Richterin wissen. Ja, vielleicht habe sie sein Kumpel dort hingelegt, sagt er.

Nachdem alle Zeugen gehört sind, räumt er die Taten ein. "Kann sein, dass es so war", sagt der Mann jetzt, der nach eigenen Angaben in einem Wohnwagen lebt, seit 1997 nicht mehr gearbeitet hat und schwer alkoholabhängig ist.

Wegen des Einbruchsdiebstahls wird er zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt. Darin einbezogen wird allerdings ein weiteres Urteil wegen Diebstahls. Die gefährliche Körperverletzung bringt ihm weitere acht Monate ein. Beide Strafen werden für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Als Bewährungsauflage wurde ihm verboten, dass Grundstück des 72-Jährigen ohne dessen Genehmigung zu betreten. Macht er das doch, muss er mit dem Widerruf der Bewährung rechnen. Dann findet er sich dort wieder, wo er schon zwölf Jahre und fünf Monate seines Lebens verbrachte: im Gefängnis.

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