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Meißen.Lokal

Ja, er steht noch. Der „Hamburger Hof“ von Meißen

Still und schön schläft der „Hambi“ seinen Dornröschenschlaf. Aber der richtige Prinz ist noch nicht gefunden.

© Christiane Weikert

Ein trauriger Zeitzeuge der Stadtgeschichte. In diesem Jahr feiert das baufällige und über die Jahre vergessene Prunkhaus „Hamburger Hof“ seinen 125. Geburtstag.

Meißen.lokal möchte dieses Jubiläum zum Anlass nehmen, in den nächsten Wochen die Geschichte des „Hambi“, wie er liebevoll von den Meißner genannt wird, noch einmal zu erzählen. Wie schon so oft. Dieses architektonische Meisterwerk darf nicht in Vergessenheit geraten.

Die Geschichte beginnt

Der Vorläufer des Hamburger Hofes ist eine kleine Schankwirtschaft aus dem Jahr 1814 in Meißen-Cölln, das Gasthaus „Stadt Hamburg“ welches 1891 in den Besitz der Gebr. Bahrmann von der Meißner Brauerei übergeht. Zu verdanken hatte die Cöllner Schänke die Bezeichnung, welche ab 1844 verwendet wurde, der Elbanbindung nach Hamburg, welches auf das „Tor der Welt“ verweisen sollte und so den Zuspruch der vielen Reisenden finden sollte.

Gasthaus "Stadt Hamburg", Dresdner Straße 9
Gasthaus "Stadt Hamburg", Dresdner Straße 9 © Foto: Stadtarchiv Meißen

Der damalige Gastwirt Robert Wolf förderte den Zuspruch seiner Gastlichkeit mit ständigen Erweiterungen. So fügte er 1870 einen Biergarten mit Veranda hinzu, 1877 eine Kolonnade (Säulengang) mit einem Gartensalon. Bereits 1884 wurde eine Kegelbahn am Nachbargrundstück hinzugefügt.

© Foto: Stadtarchiv Meißen
© Foto: Stadtarchiv Meißen

Im Jahr 1895, der Gründerzeit, beginnt der Abbruch der Gastlichkeit und an der Stelle wird das Etablissement „Hamburger Hof“ mit drei Restaurationsräumen in Partere errichtet. Der Bau war notwendig geworden, weil das „Vergnügungsbedürfnis“ immer größer wurde und die erste „Erlebnisgastronomie“ von den Meißnern und ihren Besuchern begeistert aufgenommen wurde.

Die feierliche Eröffnung

Am 17.5.1896 erfolgt die feierliche Eröffnung. Architekt Baurat Prof. Karl Bruno Seitler (geb. 25.10.1851, gest. 11.12.1925 in Dresden) gestaltet das Haus im Gründerzeitstil mit Jugendstilelementen, das entsprach dem damaligen Zeitgeist. Eine Mischung aus mittelalterlicher Architektur an den Fenstern und den geschwungenen Ornamenten an der Fassade.

2 Monate später, am 30.07.1896, erfolgt die Einweihung des großen holzgetäfelten Festsaales im Obergeschoss zum Unterschied des Erweiterungsbaues im Bauhausstil.

Zur damaligen Zeit beherbergte Meißen bereits einige stattliche Veranstaltungshäuser, wie die damals größte Gaststätte mit Saalbetrieb in Siebeneichen, die „Geipelburg“ und das „Gasthaus zur Sonne“. Ab 1897 wurden an diesen Standorten bereits kinematographische Vorführungen gezeigt, selbstverständlich auch im neu entstandenen Saal des "Hambi". 1930 wurde hier der erste Tonfilm von der Titanic-Katastrophe vorgeführt.

© Foto: Kunstverlag Brück & Sohn, Meißen

Der erste Weltkrieg

Über die Nutzung im ersten Weltkrieg ist nicht viel überliefert, nur, dass die es dem Geschäftsbetrieb abträglich war. Die Menschen hatten andere Sorgen und Nöte, als sich zu Vergnügen. Auch die steigende Arbeitslosigkeit ab 1918 war ein gravierender Punkt dafür. Erst ab 1920 ist ein kleiner Anstieg zu erkennen.

Am 21. Dezember 1921 findet im Saal des „Hamburger Hofes“ eine Wohltätigkeitsveranstaltung der Stadtkapelle für „Erwerbslose“ ohne Eintritt und Trinkzwang statt. Auch das kann die Stimmung wenig heben, das Ausmaß der Arbeitslosigkeit ist einfach zu groß.

Ein Neuanfang durch den „Keglerverein“

1921 übernimmt die Genossenschaft „Gesellschafshaus Hamburger Hof Keglerheim e.G.m.b.H.“, welche im April des gleichen Jahres gegründet wurde das Haus, nachdem 8 Asphalt-Kegelbahnen angebaut worden sind. Ziel der neuen Eigentümer: „Das Ziel unserer Bestrebungen geht dahin, dass das Gesellschaftshaus ein Heim für die Meißner Vereine, gleichviel ob dieselben dem Sport, der Unterhaltung, dem Gewerbefleiß, der Kunst, dem Gesang oder der Geselligkeit dienen, werden soll.“

275 Mitglieder waren bereits 1 Jahr nach Gründung Mitglieder im Verein. Diese unterstützen auch mit ihren 702 Anteilen am Haus, den im Bauhausstil gehaltenen Erweiterungsbau des großen Saales im Obergeschoß, der 1929 seine Einweihung hatte. Leider musste dafür der Restaurations-Garten weichen.

Die bis heute bestehende „Sonnen-Apotheke“ zog 1929 ebenfalls in das Haus. Davor gab es dort eine Möbelausstellung und eine Musikalienhandlung.

Und wie geht die Geschichte weiter? Bleiben Sie gespannt!

Zeitzeugenaufruf! - Können Sie sich erinnern?

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Erinnerungen an „ihre Zeit im Hambi“ zukommen lassen. Geschichten die das Leben schreibt. Hier stellen wir sie vor.

Kontakt: Meißen.lokal Christiane Weikert, [email protected] oder 03521- 4104 55 34

Quellen: Meißner Tageblatt Verlags GmbH, „Stadtlexikon Meißen“ von Günter Naumann, „Unser Meißen 1929-2004“ von Gerhard Steinecke, Roswitha Schäfer, Stadtarchiv Meißen

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