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Keine Lösung im Kabelwerk-Konflikt

Während die Mitarbeiter beharrlich auf Tarifverträge pochen, zieht sich die Geschäftsführung weiter zurück.

Die Gewerkschaftsmitglieder sorgen sich darum, genügend Lohn für ihr Leben zu bekommen.
Die Gewerkschaftsmitglieder sorgen sich darum, genügend Lohn für ihr Leben zu bekommen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Schnee steht für Stillstand. Doch am Donnerstag hindert das einige Kabelwerker sowie Gewerkschaftsfunktionäre nicht, ihre Forderung mit Plakaten vor dem Werk zu bekräftigen. Denn in ihren Augen sei es nun nach elf Jahren überfällig, die Löhne zu erhöhen. Seit mehreren Wochen treffen sich die Metaller jeden Montag, um zu streiken. Sie werfen dem Geschäftsführer des Kabelwerks vor, dass er die Arbeiter ignoriert. Unterstützt werden die Streiks durch die IG Metall Riesa.

„Unsere Türen stehen weiter offen“, so Steven Kempe, Gewerkschaftssekretär der IG Metall. „Die Plakate sollen den Geschäftsführer daran erinnern, dass die Kollegen den Arbeitskampf fortsetzen werden.“ Dass die Plakate auf dem Arbeitsweg des Geschäftsführers hängen, sei angeblich zufällig. Auf ihnen steht: „Hier entsteht Altersarmut“, „Wir fordern einen Tarifvertrag“ oder „Geht’s noch?“. Nach der Meinung der Gewerkschaft muss Kabelwerk-Chef Lars Balzer die öffentliche Kritik aushalten. Denn es gehe vor allem darum, mit ihm ins Gespräch zu kommen, einen gemeinsamen Kompromiss auszuarbeiten, der dann in einen neuen Tarifvertrag mündet. So solle den Arbeitern ein besseres Leben ermöglicht werden, sagt Steven Kempe.

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Trotz Wintereinbruch in Meißen setzen sich die Gewerkschaftsmitglieder öffentlich für einen neuen Tarifvertrag ein. Die Geschäftsführung möchte momentan keine neuen Tarifverhandlungen führen. Diese würden Arbeitsplätze gefährden. Denn das Kabelwerk hat 20
Trotz Wintereinbruch in Meißen setzen sich die Gewerkschaftsmitglieder öffentlich für einen neuen Tarifvertrag ein. Die Geschäftsführung möchte momentan keine neuen Tarifverhandlungen führen. Diese würden Arbeitsplätze gefährden. Denn das Kabelwerk hat 20 © Claudia Hübschmann

Geschäftsleitung bezahlt Mitarbeiter, die nicht streiken

Anfang vergangener Woche gab es eine Meldung auf MDR Online. Dort stand in einer früheren Version, die Sächsische.de vorliegt, dass unter anderem die Geschäftsführung auf die Gewerkschafter zukommen werde. Weiter hätte es ein Angebot seitens des Kabelwerks zum gemeinsamen Frühstück gegeben, das die Streikenden aufgrund der Corona-Pandemie absagten. Darüber hinaus hätte die Geschäftsführung versprochen, einen Bonus von 75 Euro pro Tag zu zahlen. An alle Mitarbeiter, die sich nicht am Streik beteiligen.

Ein Anruf bei Dominik Schilling. Er kümmert sich seit mehreren Wochen im Kabelwerk um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Marketing-Profi und ehemalige Redakteur arbeitet seit 2008 selbstständig als Krisenmanager. Er komme dann ins Unternehmen, „wenn‘s brenne“. Denn er sei die „Marketing-Feuerwehr“, wie es auf seiner Internetseite steht. Dominik Schilling kommentiert die getroffenen Aussagen im MDR-Artikel so: Diese seien falsch. Es habe weder eine Einladung zum Frühstück gegeben, noch wurde ein Gesprächsangebot versprochen.

Die Stimmung wird zunehmend gereizter. Zuvor hing an dieser Stelle ein Plakat der Gewerkschaft IG Metall, auf dem stand: "11 Jahre ohne Lohnerhöhung im Kabelwerk sind genug!"
Die Stimmung wird zunehmend gereizter. Zuvor hing an dieser Stelle ein Plakat der Gewerkschaft IG Metall, auf dem stand: "11 Jahre ohne Lohnerhöhung im Kabelwerk sind genug!" © Claudia Hübschmann

Dem widersprechen die Mitglieder der Gewerkschaft. Denn es gebe jährlich im Januar dieses gemeinsame Frühstück am Tag der Inventur. „Doch dieses Jahr haben die Arbeiter eigenständig beschlossen, wegen Corona nicht daran teilzunehmen“, erklärt ein Mitglied der gewerkschaftlichen Tarifkommission aus dem Kabelwerk.

Zum Bonus von 75 Euro sagt der Gewerkschaftler, dass im Unternehmen Plakate hingen, die diese Prämie versprachen. Und zwar für alle pro Tag, die nicht am Streik teilnehmen. „Einige sind in der Vergangenheit nicht zum Streik gekommen“, so Steven Kempe. „Solche Prämien dienen immer nur einzelnen Arbeitern, wir wollen aber Lösungen für alle. Wir werden sehen, ob die Geschäftsleitung diesen Bonus am Ende auszahlt.“ Pressesprecher Dominik Schilling kommentiert das nicht, er verweist auf die Pressemitteilung Ende November.

Maximalforderungen gefährden den Standort

Dort betonte Geschäftsführer Lars Balzer, dass er im Durchschnitt der vergangenen acht Jahre jährlich 1,45 Millionen Euro Schulden macht. Insgesamt seien es schon 20 Millionen Euro. „Wir konnten das Unternehmen in den vergangenen Jahren nur mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Gesellschafter und mit einer großen Flexibilität der Beschäftigten am Laufen halten“, so der Geschäftsführer. Um Arbeitsplätze zu sichern, musste das Kabelwerk zudem den bis 2017 gültigen Tarifvertrag kündigen.

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In der Pressemitteilung wirft er außerdem dem Betriebsrat vor, mit Maximalforderungen den Standort Kabelwerk Meißen zu gefährden und eine Insolvenz zu riskieren. Die Gewerkschafter betonen jedoch, dass nicht der Betriebsrat Forderungen aufstellt, sondern die Mitglieder der Tarifkommission von IG Metall. Mit der Plakataktion möchten sie nun öffentlichen Druck auf die Geschäftsleitung ausüben. Steven Kempe: „Wenn diese dann noch immer nicht reden möchte, werden wir weiter streiken.“ Solange, wie der Geschäftsführer nicht mit den Gewerkschaftlern redet.

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