merken
PLUS Meißen

Keine Ruhe im Kabelwerk Meißen

Die IG-Metall-Mitglieder des Betriebs treffen sich zur "aktiven Mittagspause" vor dem Werk. Sie verlangen höhere Löhne.

Etwa 50 Mitarbeiter treffen sich vor dem Kabelwerk Meißen: zur "aktiven Mittagspause". Sie fordern mehr Gehalt.
Etwa 50 Mitarbeiter treffen sich vor dem Kabelwerk Meißen: zur "aktiven Mittagspause". Sie fordern mehr Gehalt. © Martin Skurt

Meißen. Trillerpfeifen und Metal-Musik dröhnt vor dem Kabelwerk. Denn die Mitarbeiter sind unzufrieden. Erst vor zwei Wochen haben IG-Metall-Mitglieder ein Banner gegenüber dem Kabelwerk aufgehängt. Dort steht "11 Jahre ohne Lohnerhöhung im Kabelwerk sind genug". Am Montag versammeln sich deshalb etwa 50 Mitarbeiter vor dem Eingang des Betriebs. Zu einer "aktiven Mittagspause", wie Steven Kempe am Ort mitteilt. "Das ist noch kein Warnstreik", betont der Gewerkschaftssekretär der IG Metall Riesa. Deshalb treffe man sich auch nur eine halbe Stunde in der Pause. Auf diese Weise wird die Arbeit nicht niedergelegt. Vorerst.

Auch wenn Corona viele Betriebe straucheln lässt – die Gewerkschaftsmitglieder sehen nicht von ihren Forderungen ab. "Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt", erklärt Steven Kempe. "Seit 2009 werden die Mitarbeiter vertröstet. Jetzt reicht es." Auch Ottmar Giemsa, Vorsitzender des Betriebsrats im Kabelwerk und Mitglied der Tarifkommission, bestätigt die Stimmung unter seinen Kollegen. "Unsere Belegschaft hat in den vergangenen Jahren großen Einsatz gezeigt", sagt er. "Deshalb sind alle IG-Metall-Mitglieder der Meinung, dass sie eine Lohnerhöhung verdienen."

Anzeige
Wir gegen Corona!
Wir gegen Corona!

Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

Mittlerweile gibt es etwa 140 Arbeitnehmer im Kabelwerk Meißen. Nach Aussage der IG Metall mussten sie in den vergangenen Jahren mehr Arbeit leisten als noch 2009. Denn die Belegschaft wurde immer weiter reduziert. Erst dieses Jahr kündigte die Geschäftsführung zehn Mitarbeitern. Zudem seien die Aufgaben vielfältiger geworden, die sich nur noch auf wenigen Schultern verteilen, so Ottmar Giemsa. Deshalb sei auch der Krankenstand im Unternehmen hoch. "Die Geschäftsführung ist aber nicht bereit, auf uns zuzugehen."

Weiterführende Artikel

Warnstreik im Kabelwerk Meißen

Warnstreik im Kabelwerk Meißen

Der Arbeitskampf in dem Meißner Unternehmen geht weiter. Seit elf Jahren sind die Löhne eingefroren.

Kabelwerk-Belegschaft fordert mehr Lohn

Kabelwerk-Belegschaft fordert mehr Lohn

Seit 2009 gab es keine Erhöhung für die Arbeiter in Meißen. Gewerkschaftsvertreter und Geschäftsführer äußern sich.

Hintergrund ist, dass seit 2009 im Kabelwerk die Löhne nicht erhöht wurden. Deshalb seien sie 20 bis 30 Prozent niedriger, als in der Branche sonst üblich, mahnt Steven Kempe an. Um mehr Gehalt zu bekommen, wünschen sich die IG-Metall-Mitglieder im Betrieb eine Rückkehr in die Tarifbindung. Die wurde 2017 durch den Geschäftsführer Lars Balzer einseitig gekündigt. Auf eine SZ-Anfrage hat er bisher noch nicht geantwortet, warum er die Entscheidung damals so getroffen hat. Um die Tarifbindung wiederherzustellen, schließt Steven Kempe nicht aus, weitere Arbeitskampfmaßnahmen umzusetzen.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen