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Meißen.Lokal

"Wann ist das doofe Corona vorbei?"

Die Kindheit wird nicht ohne Grund als die schönste Zeit des Lebens bezeichnet. Doch viele Kinder können davon aufgrund der Corona-Pandemie nur träumen.

©  Pixabay

Früh aufstehen, anziehen und ab in den Kindergarten oder die Schule. Gemeinsam neue Dinge lernen. In der Freizeit zusammen kleine Abenteuer erleben und Neues entdecken. Am Wochenende Ausflüge mit den Eltern in den Zoo, ins Schwimmbad oder einfach in den nächstgelegenen Park. Mit den liebsten Freunden auf dem Spielplatz in eine eigene Fantasiewelt abtauchen und sich austoben. Lange Klassenfahrten und erlebnisreiche Wandertage sowie spannende Ferienprogramme für Groß und Klein. Die Kindheit wird nicht ohne Grund als die schönste Zeit des Lebens bezeichnet.

Die Pandemie verändert

Bereits seit über einem Jahr hält die Corona-Pandemie die Welt in Atem. Alles hat sich drastisch geändert. Ein Jahr. Was ist ein Jahr? Auf die Summe der Jahre im Leben eines Erwachsenen wahrscheinlich: Nichts. Doch im Leben eines Kindes: Alles. "Ein Jahr hinterlässt im Hirn eines 7-Jährigen so viele Spuren wie zehn Jahre im Hirn eines 70-jährigen", sagte Neurobiologe Gerald Hüther im Deutschlandfunk am 24. Januar 2021.

Einsamkeit, Stress und Belastung statt Freude, Spiel und Spaß stehen seit Beginn der Corona-Pandemie und den langwierigen Lockdowns an der Tagesordnung. Bildung, Freizeit und Spiel sind Kinderrechte, die jetzt teilweise nicht mehr in vollem Umfang gewahrt werden können.

Nicht nur Probleme, die die Kinder direkt durch z. B. Homeschooling und die Kindernotbetreuung erfahren, sondern auch jene, die sich wie eine Kettenreaktion auf die Kinderpsyche auswirken. Gemeint sind hier die Eltern, die ebenfalls mit den Pandemie-Bedingungen leben müssen. Die psychische Befindlichkeit von Kindern steht immer in Verbindung mit der der Eltern. Home-Office und zeitgleich die eigenen Kinder beaufsichtigen, bei den Schulaufgaben helfen und sich vielleicht sogar noch mit finanziellen Ängsten beschäftigen – Stress ist da vorprogrammiert. In der Familie entstehen so Anspannungen, die sich viel schneller und einfacher in Streit entladen.

Etwa ein Drittel der Kinder und Jugendlichen zeige negative Verhaltensauffälligkeiten seit Beginn der Pandemie, erklärte Silvia Schneider, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, gegenüber dem Bundesministerium für Bildung und Forschung am 25. März. Vordergründig sei hier der Anstieg von Ängsten. Aber auch Hyperaktivität und aggressives Verhalten seien laut Schneider auffälliger geworden.

Spiel und Spaß? Fehlanzeige!

"Mama, darf ich zu meinem Geburtstag endlich wieder alle meine Freunde einladen?", fragt der kleine Teo (4). Seine liebsten Spielkameraden fehlen ihm.

Ab dem Kindergarten-Alter von 3 Jahren zeigen Kinder nicht mehr nur einfaches Interesse an anderen Kindern, sondern schließen bereits selbstständig kleine Freundschaften. Sie entwickeln von nun an ein intensiveres Sozialverhalten und der Kontakt zu anderen Kindern wird immer wichtiger. Sie lernen voneinander und miteinander. Kinder beobachten, wie andere agieren, wie sie sich verhalten, wie sie etwas tun und können dadurch selbst Anregungen und Ideen gewinnen und anwenden. Durch die Corona-Pandemie mussten KiTas schließen und oft eine Kindernotbetreuung in Anspruch genommen werden. Doch die Kindernotbetreuung stellt keinesfalls einen Ersatz dar. Der ständige Wechsel von KiTa-Besuch und Hausbetreuung unterbreche zudem die Routine der Kleinen und verzögere die Eingewöhnung in die KiTa, so Schneider.

Kein Unterricht? Nicht cool!

"Ich bin total genervt. Seit November hatten wir nur eine einzige Woche Schule. Ansonsten nur Homeschooling. Ich habe oft das Gefühl, dass wir die Aufgaben nur bekommen, um irgendwie beschäftigt zu sein, aber nicht, um viel zu lernen. Ich vermisse auch meine Mädels und einfach mal mit ihnen zu quatschen wie sonst in der Schule, oder ins Kino zu gehen." (Lia, 14)

Zusätzlich zur Einsamkeit und dem Fehlen menschlicher Nähe, leiden besonders Schulkinder unter erhöhtem Druck. Notdürftige Bildungsmaßnahmen per Homeschooling sind unvergleichlich mit dem richtigen Schulbesuch, der zu einem großen Teil pädagogische Erziehung beinhaltet. Leistungsdruck, Verzweiflung vor den Hausaufgaben, die eigenen Eltern als Lehrer, die keine Lehrer sind. Bemerken die Eltern erste Verhaltensänderungen, können sie auf ihr Kind zugehen und darauf ansprechen oder sich über Beratungsstellen Hilfe holen.

Doch oftmals ist es so, dass sich Kinder mit Sorgen und Problemen zuerst an ihre Freunde bzw. Gleichaltrige wenden. Die Erwachsenen sind also häufig nicht die ersten Ansprechpartner und bekommen nicht immer direkt etwas mit. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass Kinder wissen, wohin sie sich wenden können und wo sie Hilfe finden – bei eigenen Problemen, aber auch vor allem, wenn enge Freunde ihnen die Sorgen und Ängste anvertrauen, bei denen offensichtlich keine Umarmung mehr ausreicht.

Wo finden Kinder Hilfe?

Ob per Telefon, Internet oder persönlich vor Ort - mittlerweile gibt es für Kinder, aber auch Jugendliche verschiedene Möglichkeiten, wie ihnen bei Sorgen und Ängsten geholfen werden kann.

Über Kinderpsychologinnen/-psychologen vor Ort können Therapien in Anspruch genommen werden. An vielen Schulen arbeiten mittlerweile auch Pädagogen und Berater, die sich auf die psychischen Probleme von Kindern spezialisiert haben und zu denen die besorgten Kinder Kontakt suchen können.

Schnell erreichbar und anonym ist das Kinder- und Jugendtelefon der 'Nummer gegen Kummer' unter 116 111.

Wann das doofe Corona vorbei ist, kann leider niemand beantworten. Doch wenn alle mehr Acht auf einander und insbesondere die Kinder geben, könnte die Pandemie-Zeit für viele weniger doof sein.

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