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Meißen.Lokal

Kosmische Insektenkunst im Schaufenster

Schwarzlichtkunst und kreative Insekten aus Butterbrotpapier. Kunst ist alles - und Alles im Schaufenster.

Robert Maier und Gerd Melchinger
Robert Maier und Gerd Melchinger © Foto: Christiane Weikert

Es ist wieder eine tolle Aktion in unserer Stadt. Seit 02.07.2021 präsentieren sich Meißner Künstler in den Schaufenstern der Altstadt. Ein wahrer Kunstgenuss. Mit zwei Künstlern hat Meißen.lokal gesprochen.

Kunst im Schaufenster Meißen

Gerd Melchinger, ein vielseitiger und individueller Künstler aus Meißen. Er macht aus vielem Kunst, auch wenn es gerade in der Küche herumliegt, wie Butterbrotpapier.

Gerd, wie bist du zur Kunst gekommen?

„Das Gefühl für Kunst hatte ich schon immer in den Fingerspitzen. Als Kind habe ich viel gebastelt und gemalt und alles aneinandergeklebt, was rumlag. Meine Mutter war nicht immer davon begeistert.

Gelernt habe ich im väterlichen Betrieb den schönen, handwerklichen Beruf des Maurers. Von Anfang an stand eigentlich für mich fest, dass, wenn man auch kunstfertig Steine übereinanderstapeln kann, dass trotzdem nicht viel mit Kunst zu tun hat. Mein Vater sah das Ähnlich. Unsere Wege trennten sich und so ging ich zur weißen Feinsteinkeramik über. Ich landete in den 80ziger Jahren in der Porzellanmanufaktur und wurde Vorarbeiter in der Unterglasur. Bis zur Wende habe ich dort gearbeitet und habe dann aber mein Glück in den alten Bundesländern gesucht. Gesucht und nicht gefunden.

Melchinger geht in die Luft

Danach wollte ich mich in die Lüfte erheben und habe 1997 eine Ausbildung zum „Freiballonführer“ innerhalb eines Jahr absolviert. Vorher habe ich immer als Korbballast gedient und habe viele Ballonfahrten als Begleiter mitgemacht oder war „Verfolger“ also quasi der Assi vom Piloten“ erzählt Melchinger lachend weiter.

„Das klingt jetzt alles sehr einfach und spaßig, aber das ist es natürlich nicht. Schließlich trägt man die Verantwortung für Menschenleben. Einmal jährlich absolviere ich eine fliegerärztliche Untersuchung und muss viele Checkfahrten durchführen. Immer unter dem wachen Auge des Luftfahrtbundesamtes.“

Danach wurde Gerd Melchinger wieder an die Leine genommen und schwebte in einem festverankerten Gasfesselballon auch über der Göltzschtalbrücke.

„Da kam manchmal schon lange Weile auf und so habe ich angefangen zu schnitzen. Als das Holz alle war und der Winter kam, habe ich sämtlichen Schnee auf dem Gelände zusammengeschoben und haben über 100 Tiere aus Schnee gebaut.“

Diese Aktion wiederholte Melchinger auch im Lockdown 2020/2021 an der Beachbar in Meißen und baute seine Schneeskulturen. Dort verarbeitete er auch seine Sehnsucht nach Normalität. Es entstand ein Wanderschuh, ein Seestern und ein Dampfschiff. „Wem meine Schneeskulpturen nicht gefallen, muß auf Tauwetter warten – meine Aktionskunst ist vergänglich“ lachte Melchinger im Februar 2021.

Nun haben es ihm Insekten angetan, welcher er aus verschiedenen Materialien – wie in diesem Fall Butterbrotpapier – formt und von Robert Maier verzieren lässt.

Robert Maier, ein Ausnahmekünstler.

Seine Werke spiegeln die unterbewussten Ebenen seines Ich´s wieder. Seine Sichtweise über das Leben und unsere Galaxie, Makro- & Mikrokosmos. Durch die Schwarzlichtmalerei erschließen sich ihm verborgene, nie erahnte Möglichkeiten: Gedanken, Energieflüsse und jede andere Art und Form kosmischer Existenz in mystisch-magischer und durch Leuchtkraft verschleierter Weise dazustellen und als Abbild zu verewigen. Dabei ist seine Herangehensweise durchaus „aus dem Bauch heraus“ und auch der Zufall spielt mitunter eine Rolle. Seine Arbeiten sind 100% ehrlich und authentisch und eher weniger durch verkopfte Kunsttheorie beeinflusst.

Maier: „Die Realität erfasst viel mehr als das, was mit bloßem Auge sichtbar ist und unsere Vorstellungskräfte Zugang gewährt.“

Unterschiedlicher können eigentlich beide Künstler nicht sein.

Während bei Melchinger immer ein Witz im Satz mitschwingt, ist Robert Maier eher der Ruhigere.

Robert Maier, Ur-Meissner, Jahrgang 1975, machte eine schwierige Phase in seinem Leben durch. Erst in einer Therapie fand er den richtigen Weg, Dinge zu verarbeiten die ihn beschäftigten. Aber es war ein langer Weg.

„Als gelernter Tischler habe ich nie gearbeitet. Ich habe mich gleich nach meiner Lehre als Transportunternehmen selbstständig gemacht und bin Tag für Tag quer durch Europa gefahren. Irgendwie stauten sich in dieser Zeit viele Dinge auf, die ich nicht verarbeiten konnte. Es kam dann zu einer tiefen Krise in meinem Leben. Aber das haben ja viele große Künstler. Genie und Wahnsinn liegen immer nah beieinander“ lacht Maier.

„Mittlerweile arbeite ich erfolgreich im Bereich der Restauration von historischen Fenster und Türen als Subunternehmer. Ich bin viel in alten Gebäuden, wie Villen, Kirchen oder im Schloß Pillnitz. Das ist ein angenehmes arbeiten und ich mache das sehr gern, weil es mich kreativ fordert und fördert.“

Die Kunstszene kennt Robert Maier

Ein Unbekannter in der Kunstszene ist Robert Maier mit seiner Schwarzlichtkunst seit langem nicht mehr. Mittlerweile hat er über 25 Ausstellungen deutschlandweit hinter sich gebracht.

„Meine größte Ausstellung war damals im U3-Tunnel, einer Eventlocation am Potsdamer Platz in Berlin. Dort präsentierten sich 40 Künstler aus 18 Ländern. Das war großartig dabei zu sein. Allerdings nur alleine von der Kunst kann man nicht leben. Ich habe das von 2004 – 2008 versucht. Jeder Versuch macht klug.“

Das gestaltete Schaufenster der beiden Künstler, kann noch bis Ende Juli auf dem Theaterplatz 1 bestaunt werden.

Die tolle Besonderheit: Ab 20 Uhr werden die ausgestellten fluoreszierenden Werke mit Schwarzlicht beleuchtet. Kosmisch galaktisch einmalig!

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