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„Kultige Typen“ - Im Portrait: Doc Winkler

5 Fragen – 5 Antworten an und von Dr. Uwe Winkler, auch Doc Winkler genannt. Heute eröffnen wir unsere Reihe „Kultige Typen“ aus Meißen und Umgebung.

Doc Winkler neben seinen Fotografien in Schwarz-Weiß.
Doc Winkler neben seinen Fotografien in Schwarz-Weiß. © Foto: Christiane Weikert

„Uwe, wie bist du zur Fotografie gekommen?“

„Ich bin Journalist, wurde auch als Reportagefotograf ausgebildet. Viele Jahre habe ich bei Zeitungen, in Agenturen und Verlagen mit Fotografen zusammengearbeitet, mit ihnen Bildideen für Publikationen entwickelt, die Ergebnisse kritisch betrachtet und mich über gelungene Reportagen gemeinsam mit den Kollegen gefreut. Ab und an habe ich selbst zur Kamera gegriffen. Als ich mich vor gut zwölf Jahren beruflich neu orientierte, habe ich die Fotografie stärker in meinen Fokus gerückt. Das fiel mit einer Reise nach Kuba zusammen. Extra für diese Reise habe ich mir wenige Tage vor dieser Reise eine digitale Kamera gekauft, meine „Analoge“ habe ich Zuhause gelassen. Ich hatte Null Ahnung von digitaler Fotografie. So habe ich meine gesamte Reise im JPG-Format fotografiert. Mit den Fotos bin ich auch heute noch zufrieden. Vielleicht, weil ich jemand bin, der das Bild »Out of Cam« bevorzugt, so wie es im Kopf zuvor entstanden ist."

Black & White Photography-Oscars: »And the Winner is«: Doc Winkler from East-Germany, Meißen

„Du hast bei den „Black & White Spider Awards“ in Los Angeles (USA), dem weltgrößten Fotowettbewerb für künstlerische Schwarz-Weiß-Fotografie, im Oktober und kürzlich bei den »International Color Awards« sogenannte »Fotografie-Oscars« gewonnen. Respekt und Glückwunsch. Wie kam es dazu?“

„Im Februar 2020 bin ich für eine Woche nach Lappland gereist, angeregt von einer Freundin und Fotoausstellung, die mich im Jahr zuvor mit den unendlichen Weiten des Nordens fasziniert hatte. Im und um den Nationalpark Pallas-Yllästunturi im finnischen Lappland konnte ich dank unseres naturverbundenen Guides in eine solche atemberaubende Landschaft eintauchen. Bei einer Schneeschuhwanderung kamen wir in ein „Whiteout“. Das ist nicht mit einem Schneesturm vergleichbar, sondern ist ein besonderes Wetterphänomen. In einer solchen Situation geht jede Orientierung verloren. In wenigen Minuten steht man auf einmal wie auf einem Blatt Papier – alles weiß, dazu schnell fallende Temperaturen, Eisnebel. War die Wanderung bis dahin schon beeindruckend, sah ich auf einmal wie das Nebelgrau des Himmels am Horizont mit dem Weiß des Schnees verschmolz. In einem Foto habe ich diesen Moment festgehalten: Zwei aus dem Schnee herausragende Baumspitzen, eine jeder grafischen Regel entgegenstehende fallende Linie, das in das Weiß fallende und sich darin auflösende Grau."

Das Gewinnerfoto

„Honorable Mention“ (erster Platz), Serie „Whiteout“, Kategorie Nature I Professional
„Honorable Mention“ (erster Platz), Serie „Whiteout“, Kategorie Nature I Professional © Doc Winkler
„Nominee“ (dritter Platz), Serie „Whiteout“, Kategorie Nature I Professional
„Nominee“ (dritter Platz), Serie „Whiteout“, Kategorie Nature I Professional © Doc Winkler

„Whiteout“ - das Verschwinden von Raum- und Zeitgefühl in einer weißen Leere ohne Kontrast

Zur Erklärung: „Whiteout“ ist ein Wetterphänomen, das vor allem in Polargebieten und in Hochgebirgen auftritt. Starke diffuse Reflexionen des Sonnenlichts und eine sehr hohe minimale Leuchtdichte führen zu sehr starken Kontrastverminderungen. In dessen Folge verschwindet der Horizont, der schneebedeckte Boden und der Himmel gehen ineinander über, Konturen und Schatten verschwinden und sind nicht mehr wahrnehmbar. Der Beobachter fühlt sich in einem unendlich grauen Raum, in dem eine Orientierung nur noch mit technischen Hilfsmitteln möglich ist.

„Wie hast du deine Chancen auf den Oscar gesehen?“

Er lacht. "Ich hatte einerseits das Gefühl, dass dieses Bild etwas Besonderes ist. Auch die Aufnahmen zuvor mit dem Baumreihen. Aber ich wusste auch, dass es sehr abstrakt ist und kontrastarm als würde man ein weißes Ei auf weißem Hintergrund fotografieren. Aber ich wage zu behaupten, das Foto beinhaltet alle zehn Zonen zwischen Schwarz und Weiß, wie sie Altmeister Ansel Adams in seinem berühmten Zonensystem einst für die analoge Fotografie beschrieb. Dass ich mit dem Foto bei dem Wettbewerb unter die »Winner« in der Kategorie »Nature« aufrückte, ein weiteres Foto sich zusätzlich platzieren konnte, das hätte ich nicht erwartet. Immerhin senden bei dem Wettbewerb über 6000 Fotografen aus 70 Ländern knapp 20.000 Fotos ein. Die Jury setzt sich zudem aus den großen Namen der internationalen Kunstwelt zusammen, darunter sind renommierte Fotogalerien, Museen sowie Auktionshäuser und Verlage. Ich gestehe, als ich die Nachricht aus L.A. erhielt, dass ich zu den Gewinnern gehöre, lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken und es hat etwas gedauert, bis ich geglaubt habe, dass da tatsächlich mein Name zur Online-Übertragung aus L. A. auf dem Bildschirm eingeblendet wurde – und dauerhaft geschrieben stand."

“Verbindest du deine Arbeit mit einer eigenen Philosophie?“

„Meine Fotos entstehen, wie es so schön heißt, im Kopf. Ich versuche abzubilden, was ich sehe, was ich empfinde. Ich liebe das Grafische, deshalb liebe ich die Schwarz-Weiß-Fotografie besonders. Manchmal wartet man auf den berühmten Moment, die die Bildkomposition perfekt macht, das andere Mal muss man schnell sein. Zugegeben, das klappt nicht immer.

In der Nachbearbeitung ist beste Bildbearbeitung für mich jene, die ich nicht machen muss. Nur wenige Korrekturen, möglichst kein Bildbeschnitt. Ich setze beim Fotografieren auf Minimalismus und auf das, was Grundprinzipien der analogen Fotografie waren und sind. Sowohl in Schwarz-Weiß als auch in Farbe. Und möglichst mit kurzer Brennweite ganz nah dran sein."

„Was sind so deine nächsten Vorhaben?“

„Sobald es möglich ist, geht es mit Kollegen wieder zu einem Fotobiwak in die Alpen. Aber schöne Natur gibt es auch vor unserer Haustür. Ich versuche gerade, dass in den letzten Monaten entdeckte in Bildern festzuhalten, mit unterschiedlichen Fotografietechniken. Zudem arbeite ich an einem Buch über einen englischen Stahl- und Kupferstecher, der in Leipzig und Dresden wirkte. Er lieferte sich Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen Stahlstichwerken faktisch einen Wettlauf mit der damals aufkommenden Fotografie. Seine detailgetreuen Landschaftsstiche erinnern mich immer wieder an kontrastreiche Schwarz-Weiß-Fotografien. Zu seinen Stichen gehören viele Ansichten sächsischer Städte und Gegenden. Gewissermaßen schließt sich hier der Kreis zu einem meiner weiteren Fotoprojekte. Es ist zudem nicht ausgeschlossen, dass es mich – sofern möglich – in diesem Jahr noch nach Irland, in den europäischen Norden oder nach Osteuropa zieht. Zumindest habe ich dann natürlich zumindest eine Kamera dabei."

Dann schauen wir mal weiter, wie Doc Winkler in der nächsten Zeit die Welt sieht und lässt uns hoffentlich daran teilhaben.

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