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„Kultige Typen“: Martin Bahrmann

5 Fragen – 5 Antworten an und von Martin Bahrmann, Meißner Stadtrat, sympathischer Mensch und er liebt seine Stadt mit vollem Herzen.

©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Martin Bahrmann vertritt bereits seit 12 Jahren die Belange seiner Heimat im Stadtrat. Oft sieht man den sympathischen Ur-Meißner im Gespräch mit den Bürgern. Er kümmert sich mit viel Herzblut um die Belange in seiner Stadt und die seiner Einwohner. Und das ist nicht immer ein einfaches Ehrenamt.

Lieber Herr Bahrmann, was verbindet Sie mit Meißen?

„Meißen ist meine Heimat und hier liegen meine Wurzeln. Unsere Familie betrieb seit 1875 den Kohlehandel Schindler auf der Hochuferstraße. Bis meine Mutter in den Ruhestand ging, war die Firma eines der ältesten noch inhabergeführten Unternehmen in der Stadt. Symbol, und vielen Meißner noch sehr gut in Erinnerung, war der kleine „Kohleteufel“ der das Eingangstor zierte. Leider hat er die Zeit bedingt durch die Wettereinflüsse der vielen Jahrzehnte nicht überstanden.

Meine Familie und ich leben hier in einem 4-Generationenhaus, von der Uroma bis zum Enkelkind und 3 Katzen. Ich arbeite hier, lebe hier, beobachte Veränderungen, nehme Menschen wahr. Ich will dazu beitragen, dass es vorwärtsgeht und möchte die Schönheit meiner Heimat, meiner Stadt erhalten, gestalten und kulturell erlebbar machen. Darum engagiere ich mich ehrenamtlich im Stadtrat von Meißen und kann so vieles mitgestalten. Ich sehe durch meine Arbeit und die der anderen Stadträte, wie sich die Stadt verändert und weiterentwickelt, aber man muss immer dranbleiben, manchmal auch nervig sein, Geduld aufbringen, Nerven aus Stahl und einen langen Atem haben. Und, mit dem Herzen dabei sein, sonst braucht man das nicht zu machen.“

„Die letzten Jahre habe ich als Geschäftsführer einer Stiftung in Dresden gearbeitet. Aber die Pendelei jeden Morgen und jeden Abend war sehr mühselig. Auch meine Familie hat darunter gelitten, dass der Papa immer erst nach dem „Sandmännchen“ nach Hause kam und ich einfach zu wenig Zeit hatte.

Dann ergab sich die Möglichkeit eines Jobangebotes in der „Euroakademie“ hier in Meißen und das habe ich natürlich dankend angenommen. Eingestiegen bin ich als Marketing- und Vertriebs-verantwortlicher am Standort auf der Neugasse, nach relativ kurzer Zeit war ich dann Standortleiter.

Gute Vernetzung durch Arbeit als Standortleiter

In Hinblick auf meine Arbeit als Stadtrat, ist mein Job eine ziemlich gute Verbindung.

Unsere Akademie bildet Erzieher, Sozialassistenten und Altenpfleger aus, die sich um alte wie auch um junge heranwachsende Menschen kümmern. Ich bin als Standortleiter ganz oft selber mit in den Einrichtungen, in welchen ausgebildet wird und komme so mit unwahrscheinlich vielen Leuten in Kontakt und demzufolge auch ins Gespräch. So kann ich verschiedene Perspektiven sehen und die Probleme in den unterschiedlichen Altersgruppen verstehen. Durch die Pandemie wurde das leider ausgesetzt, steht aber wieder ganz oben auf meiner Liste, wenn es wieder umfänglich erlaubt ist.

In meinem persönlichen Alltag fließen natürlich auch einige Komponenten zusammen. Als Standortleiter, Stadtrat, Meißner Einwohner und Vater. Es ist eine total spannende Verbindung und daraus kann man auch seine Schlüsse für den Stadtrat daraus ziehen.“

Was wollen Sie mit Ihrer Arbeit als Stadtrat in Ihrer Heimatstadt bewirken?

Zuhörer und Problemlöser

„Viele Probleme werden an mich herangetragen ob von Eltern in der KITA, ob von Einwohnern oder auch von Auszubildenden. Diese Anregungen nehme ich mit in den Stadtrat und versuche, eine Lösung herbei zu führen und zu helfen. Egal wie lange es dauert aber Hartnäckigkeit zahlt sich auch manchmal aus.

Ein großer Erfolg war für mich, als die DLRG Niederes Elbtal ihren neuen Standort beziehen konnte.

Ich habe lange gegängelt und getrommelt, auch in meiner Position als Kreisrat, dass der Verein einen näher an der Elbe gelegenen Stützpunkt braucht um z.B. beim Hochwasser schneller ausrücken zu können. Eine Grundlage für perfekte Arbeitsfähigkeit und auch die Trainingsmöglichkeiten sind jetzt gegeben. Das finde ich spannend an meiner Arbeit und es zeigt sich dann an solchen Ergebnissen, was dieses ehrenamtliche Engagement auch bewirken kann. Allerdings muss ich auch sagen, dass man nicht allen helfen kann. Es passiert auch, dass man eine Entscheidung zu Gunsten der Stadt und nicht zu Gunsten des Bürgers treffen muss. Das muss immer genau abgewogen und ausgehandelt werden, weil im Vordergrund der Bürger steht.“

Herr Bahrmann, Sie sind Ehemann, Familienvater, Stadtrat, Standortsleiter der Euroakademie und Freizeitkarnevalist – wie bekommt man alles unter einen Hut?

„Der Hut ist relativ groß und heißt Mehrgenerationenhaus. Da ist der Eine für den Anderen da, passt mal auf die Kinder auf oder füttert sie Katze. Außerdem, und das ist das wichtigste für mich, habe ich eine sehr verständnisvolle und geduldige Frau die mich – Gott sei Dank – so kennengelernt hat und genau wusste, auf was Sie sich eingelassen hat“, lacht Herr Bahrmann. „Aber überstrapazieren darf ich weder die Geduld meiner Frau noch meiner Eltern.“

„Es bedarf natürlich einer harten Koordination. Da sitze ich schon mal bis nachts 2 Uhr am Schreibtisch und tüte 2.000 Briefe ein. Meinem kleinen Sohn ist das aber ziemlich egal. Wenn er morgens gegen 4 Uhr Hunger hat und sein Fläschchen will, dann muss das auch sofort sein. Die Sirene ist gnadenlos.

Ich muss mich, um alles unter diesen Hut zu bekommen, auf wichtige und wesentliche Dinge konzentrieren. 40-Stunden-Arbeitswoche, plus 20-Stunden-Ehrenamt als Stadtrat, plus Funktionen und Aufgabenbewältigung im Kreisrat und in meiner Partei und meine Familie.

Die steht an erster Stelle und darf nicht zu kurz kommen. Wir unterstützen uns auch gegenseitig unter Kollegen im politischen Geschehen oder auch auf Stadt- oder Kreisebene.“

Die nächste Generation: Die Bahrmann´schen Orgelpfeifen

„Meine Kinder sind 6, 4 und 1,5 Jahre alt. Die Familienplanung ist nun abgeschlossen, liegt manchmal auch am Zeitmanagement“ lacht Herr Bahrmann. „Aber ich habe ja drei wunderbare Kinder, eine tolle Frau und 3 Katzen. Leider kann ich nicht mehr so aktiv im Meißner Karnevalsverein mitmischen. Das bedauere ich manchmal etwas. Aber dafür habe ich ja den Stadtrat“, schmunzelt er.

Wo ist der Ruhepunkt, wenn man mal Abstand von Politik, Arbeit und Familie braucht um den Akku aufzuladen?

„Obwohl ich auch mal gerne in eine schöne Gaststätte in Meißen gehe, hat man ja dort auch nicht unbedingt seine Ruhe. Es wird immer das Gespräch gesucht. Ist ja aber normal.

Nein, ich habe mir eine alte MZ gekauft, welche in einem echt miserablen Zustand war und an der schraube und tüftle ich sehr gern herum. Mein Hobby.

Mein Vater war gelernter KFZ-Schlosser, hat aber immer im Kohlehandel gearbeitet und hat mir sehr vieles beigebracht über das Reparieren. Ich habe alles an altem Werkzeug von ihm übernehmen können und auch noch ein paar alte Ersatzteile. Also TÜV habe ich bekomme und seit dem Zeitpunkt, brause ich durch den Landkreis und genieße die Fahrt auf dieser alten Schüssel. Aber meist sitzt die Arbeit in Gedanken trotzdem auf dem Sozius und ich notiere mir genau in Gedanken, was mir während meiner Fahrt aufgefallen ist.

Wenn ich dann nach Hause komme, werden Emails verfasst an die dafür zuständigen Stellen.“ lacht er freudig.

Was sind Ihre Wünsche für Meißen und können Sie für diese Umsetzung auch penetrant sein?

„Man sagt mir eher nach, ein diplomatischer Mensch zu sein und das versuche ich auch zu vermitteln. Manchmal sind die Positionen festgefahren, man versucht ausgleichend zu wirken um vielleicht nicht gleich alles zu bekommen was man gerne möchte, aber ein Anfang ist gemacht.

Eine optimale Lösung zu finden ist manchmal schwer aber, wenn man sich hinstellt und sagt, ich will das jetzt so, kommt man an mancher Stelle nicht weiter

Eine eigene Meinung und eine feste Position

Ich habe eine eigene Position, die stabil aber nicht festgefahren sein soll. Ich muss mich auch in andere Meinungen reindenken und diese verstehen, abwägen, was die sinnhafteste Variante ist. Wenn ich für mich entschieden habe, dass ist richtig oder falsch, dann möchte ich schon, dass es auch so funktioniert – ich bin aber auch kritikfähig und lasse mich mit neuen Argumenten auch zum Neudenken bewegen.

Ich habe feste Überzeugungen und weiß auch, in welche Richtung ich gehen will. Ich bleibe dabei. Meine Überzeugung ist Freiheit und Eigenverantwortung, so bin ich erzogen worden. Wenn ich was erreichen will, muss ich was tun und dafür kämpfen, auch wenn es schwierig ist. Und diese Erziehung meiner Eltern hat mich geprägt in meiner Überzeugung. Wenn ich als Kind was haben wollte, musste ich auch mal Kohlen schleppen für ein neues Matchboxauto.“

Und meine Wünsche? Ich wünsche mir, dass sich die Stadt weiter entwickelt in vielen Richtungen z.B. die Sanierung von Schulen, die Entwicklung der Bürgergesellschaft, der Technik – alles spielt eine Rolle. Aber auch, dass Schöne historische nicht zu vernachlässigen, die Mischung aus Alt und Neu. Neues wagen und nicht immer in der gleichen Schiene fahren. Mehr Mut – neue Wege mit der Besinnung, was man hat. Neue Dinge ausprobieren und keine Angst vor Veränderung. In Bewegung bleiben!

Ich habe die Erfahrung gemacht, gerade wenn man viel in der Welt unterwegs ist, dass man es manchmal gar nicht mehr so sieht, wie schön Meißen eigentlich ist und wie besonders die Stadt ist. Wie jede andere Stadt haben auch wir Probleme, aber im Vergleich zu anderen Städten sind viele unserer Probleme lösbar. Es wird jeden Tag ein Stückchen besser.

Und ich will die Bürger ermutigen, sich an der Weiterentwicklung zu beteiligen, statt sich zu beschweren. Vieles kann erreicht werden mit vereinten Kräften. Gerade nach diesen schwierigen Zeiten, die wir alle gemeinsam erleben mußten.“

Lebensphilosophie: Freiheit und Eigenverantwortung sind für mich die Säulen der Gesellschaft und das gilt für mich und ich hoffe, auch für viele andere.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bahrmann.

Und dann los, alles mit vereinten Kräften.

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