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Abenteuer made in Meißen

Autor Marc Zoellner hat sich von der Elbe auf den Ozean geträumt und dort ein gruseliges Kapitel des Seekriegs zu einem Roman verarbeitet.

Der Meißner Autor Marc Zoellner hat über den Untergang des britischen Passagierschiffs S.O.S. Britannia und die anschließenden Qualen der Überlebenden einen eindrucksvollen Roman verfasst.
Der Meißner Autor Marc Zoellner hat über den Untergang des britischen Passagierschiffs S.O.S. Britannia und die anschließenden Qualen der Überlebenden einen eindrucksvollen Roman verfasst. © privat

Meißen. Abenteuerliches Herz, was willst Du mehr? Ein junger englischer Journalist lernt in den 1960er Jahren in Westafrika einen heruntergekommenen Fahrensmann kennen, der ihm - im wahrsten Sinne der Redewendung - eine unglaubliche Geschichte über ein Seedrama während des Zweiten Weltkrieges auftischt. Gleichzeitig gerät der Engländer in das Intrigenspiel eines der brutalen Regimes, welche schon nach wenigen Jahren der Unabhängigkeit und eines hoffnungsvollen Aufbruches den Kontinent wie Geschwüre überziehen.

Knapp zusammengefasst sind das die wesentlichen Zutaten, mit denen der Meißner Autor Marc Zoellner einen spannenden Abenteuer-Cocktail angesetzt hat. "S.O.S. Britannia" - so der Titel seines neusten gedruckten Buches.

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Die Sehnsucht nach der Ferne, nach fremden Welten und waghalsigen Streichen treibt den Journalisten und Schriftsteller Zoellner nach eigenem Bekunden schon seit Kindesbeinen um. Astronaut - so sagt er selbst, sei als Bub sein Berufswunsch gewesen. Die Gnade einer vergleichsweise späten Geburt ermöglichte ihm Reisen unter anderem durch Afrika, auf die arabische Halbinsel und nach Amerika.

Besonders die Reisen in Afrika hätten ihn nachhaltig beeindruckt, sagt er. Es sei ihm aus den dort gewonnenen Erfahrungen heraus wichtig, Wissen über diesen Kontinent mit seinen so vielfältigen Kulturen zu vermitteln. Das Genre des Abenteuerromans bietet die Möglichkeit, Hintergrundinformationen und Gedanken zur wechselhaften Geschichte des Kontinents en passant unter die Leserschaft zu bringen.

Spannender Wechsel zwischen Land und Meer

Die Wahl dieser Form darf heutzutage als durchaus ungewöhnlich bezeichnet werden. Konjunktur hatte das Genre vor allem im 19. und teilweise noch Anfang des 20. Jahrhunderts. Friedrich Gerstäcker und Karl May, später auch B. Traven nahmen damals ihre Leser mit auf Erkundungstour durch die weißen Flecken des Globus. Dieser Entdeckerhunger ist mittlerweile gestillt. Krimi, Thriller und historischer Roman, also das Reisen in der Zeit, haben dem guten alten Abenteuerroman etwas den Rang abgelaufen.

Der Exotenstatus tut der Qualität von "S.O.S. Britannia" dabei keinen Abbruch. Trotz seiner jungen Jahre beherrscht der Autor sein Handwerk. Geschliffen und stilsicher lässt er den Ich-Erzähler seine nervenaufreibende Geschichte berichten. Für den zweiten Helden des Romans, den schiffbrüchigen Lieutenant Commander James Herbert Cox, verwendet Zoellner einen Seemannsprache, die glauben lässt, der Schriftsteller sei selbst als Matrose über alle sieben Weltmeere gesegelt.

Mit Hilfe der zwei Abenteuerebenen - einmal auf Land in der nachkolonialen Diktatur, dann wieder während des Zweiten Weltkrieges auf hoher See - gelingt es dem Autor, ein spannungsvolles Spiel aufzubauen, welches die Lektüre keinen Moment langweilig werden lässt. In den besten Passagen mag sich der Leser an die atmosphärisch dichten Südseegeschichten eines Jack London erinnert fühlen. Dazu gesellen sich Gruseleffekte wie in Steven Spielbergs Klassiker "Der weiße Hai", die allerdings durchaus ihre Berechtigung haben.

Das Ende kommt schließlich etwas überraschend und lässt einige Fragen offen. Doch spielt dies bei dem positiven Gesamteindruck des Werks keine Rolle. Im Nachgang lohnt sich eine Internet-Recherche zum Vorbild für den Roman. Die Britannia hat es tatsächlich gegeben und die tragischen Details ihrer Reise, ihres Untergangs und der sich anschließenden Qualen der Überlebenden sind nicht weniger interessant als die Lektüre von Zoellners Buch, welches uns dieses Drama wieder oder vielleicht erstmals ins Bewusstsein ruft.

  • Das Buch "S.O.S. Britannia" von Marc Zoellner ist im Arnshaugk-Verlag erschienen und in gebundener Form in Buchhandlungen oder dem Internet für 18 Euro erhältlich. Der Autor bietet zudem die Möglichkeit zum Direktversand über seine Internetseite Abenteuerbuecherei.de.

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